Start in Badesaison bei recht erfrischenden Temperaturen

Schneller Griff zum Handtuch

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Mit einem Kopfsprung übernahm Wulf Heintzenberg das Anschwimmen stellvertretend für die führenden Politiker der Stadt. Die zeigten sich dankbar, bei den niedrigen Temperaturen nicht in die Badehose zu müssen.

Babenhausen - Das Wasser war wohltemperiert, die Luft aber recht frisch. Einige Unerschrockene wagten dennoch einen Sprung ins Nass. Die Badesaison ist eröffnet. Von Michael Just 

„Schnell das Handtuch! Mannomann ist das frisch“, ruft Robert Mann seiner Frau zu, die mit Jacke und langer Hose gut eingepackt unweit vom Beckenrand steht. Als der 51-Jährige aus dem Wasser steigt, stellt sich kurz darauf Gänsehaut ein. Dass der Selbstständige zur Schwimmbad-Eröffnung am 1. Mai überhaupt ins Wasser geht, passiert nur für Tochter Leonie (6). Während der Papa nach kurzer Zeit aus dem Nass flüchtet, verharrt das Mädchen fast unbeweglich an der Treppe und macht keine Anstalten, das Wasser zu verlassen. „Das wird noch eine Weile dauern, bis ich sie da rauskriege. Warum haben Kinder eigentlich kein Temperaturgefühl?“, fragt der Vater.

Wer am Sonntag die ersten Bahnen des Jahres zog, hob sich deutlich von der Kategorie „Weichei“ ab. Zwar war das Wasser mit 23 Grad wohltemperiert, was sich von der Luft aber nicht behaupten ließ. Der kühle Wind sorgte dafür, dass die 13 Grad gefühlt unter die Zehn-Grad-Marke rutschten. Den meisten Schwimmern blieb ein mehr oder weniger großes Bibbern nicht erspart. Um 11 Uhr kam Bürgermeister Achim Knoke vom 50-jährigen Priesterjubiläum von Pfarrer Christian Dach, um die Schwimmsaison offiziell mit Stadtverordnetenvorsteher Friedel Sahm zu eröffnen. Beide hatten allerdings keine Sporttasche dabei.

Das Anschwimmen übernahm der ehemalige Parlamentschef Wulf Heintzenberg. Der bringt diesbezüglich Erfahrung mit. „Der Brauch geht auf Bürgermeister Kurt Lambert zurück“, weiß Heintzenberg. Mit ihm seien früher meist noch eine ganze Reihe weiterer Amtsträger ins Wasser gesprungen, darunter Rolf Kreisel als Vertreter des Sport- und Kulturamts, Dieter Sähring für die DLRG und er selbst als Schulsportleiter für die Joachim-Schumann-Schule.

„Das Schwimmbad ist ein Ort der Zusammenkunft“, hob Bürgermeister Achim Knoke dessen soziale Bedeutung heraus. Für ihn sollten in einer Stadt wie Babenhausen, die viele Flüsse besitzt, Kinder unbedingt schwimmen können. Knoke lobte in diesem Zusammenhang das Engagement des Turnverein und der DLRG. Beide Vereine waren am Sonntag ebenfalls vertreten: Die DLRG hatte mit Juliane Lautenschläger sogar einen kleinen Parcours aufgebaut, bei dem sich Rettungsgeräte spielerisch entdecken ließen.

Uli Spatar, Abteilungsleiter Schwimmen beim TV, gehörte zu denen, die den Sprung ins Wasser nicht scheuten. Derzeit zählt die Schwimmabteilung die stattliche Zahl von 150 Mitgliedern. Die Schwimmkurse sind so gut gefragt, dass es sogar eine Warteliste gibt. „Wir haben Kinder unter anderem aus Dieburg, Rodgau oder Groß-Zimmern“, berichtet Spatar. Die TV-Schwimmschule ist zertifiziert und erfüllt sämtliche Qualitätsmerkmale. Viele ehemalige Aktive fungieren als Trainer, so dass man derzeit zwölf Instruktoren vorweisen kann.

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Seit dem 1. März liefen die Vorbereitungen von Bäderservice Kahl und Bauhof, das Schwimmbad für die neue Saison herzurichten. Schwerpunkte waren die Technik, dazu die Grünanlagen. Die Wege wurden mit einem Hochdruckreiniger abgespritzt und der angesammelte Schmutz unter den Gittern entfernt. „Im Gegensatz zu anderen Schwimmbädern bleibt das Wasser bei uns im Winter drin“, berichtet Dalila Kahl. Für den Edelstahl werde damit eine Schutzfunktion erwirkt. Kurz vor der neuen Saison wird das Wasser dann ausgetauscht.

Insgesamt zog es am Sonntag mehr Personen ins Schwimmbad, als dies mit Blick auf die Quecksilbersäule zu vermuten war. Teilweise befanden sich 15 bis 20 Personen im Wasser. Eine Gruppe Jugendlicher nutzte die Eröffnung als Mai-Ausflug und belegte die soziale Bedeutung, die der Bürgermeister zuvor angeschnitten hatte.

In den nächsten Tagen braucht es für Schwimmbadbesuche wohl deutlich weniger Robustheit: Laut den Meteorologen soll bald der Frühling einziehen. Dann wird auch Robert Mann das Wasser genießen können und mit ihm all‘ jene, die laut seinen Worten ein „Temperaturgefühl“ besitzen.

Quelle: op-online.de

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