Sternsinger ziehen durch Babenhausen

Freude auch bei den Zahnärzten

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260 Haushalte in Babenhausen kriegen in diesen Tagen Besuch von den Sternsingern.

Babenhausen - Nicht immer kommen die Sternsinger pünktlich los: „Einen musste ich nochmal umziehen. Das Kostüm war viel zu groß für ihn“, erzählt Claudia Czernek. In diesen Tagen ist sie nicht nur Gemeindereferentin von St. Von Michael Just 

Josef, sondern auch Teamleiterin, Ersatzmutter und Mädchen für alles, damit die bundesweite Aktion der Sternsinger in Babenhausen genauso erfolgreich verläuft wie im Rest der Republik.  Eine ganze Woche lang, von Samstag bis Samstag, ziehen Kinder der katholischen Gemeinde als heilige drei Könige verkleidet durch die Kernstadt und die Stadtteile, um Spenden zu erbeten.

Damit unterstützen sie Kinder in anderen Teilen der Welt, denen es nicht so gut geht wie ihnen. 2015 stehen die Philippinen im Mittelpunkt. Bevor ein kleiner oder großer Schein in die Büchse wandert, wird gesungen und der Segen fürs neue Jahr gespendet. „Mit einem Erlös von über 40 Millionen Euro ist die Sternsinger-Aktion größer als jeder Spenden-Marathon im Fernsehen“, führt Claudia Czernek nicht ohne Stolz an. Der Begriff Marathon passt mittlerweile trotzdem zu ihrer Arbeit, denn in den letzten Jahren wird es immer schwieriger, die acht bis zehn Gruppen, die es mit elterlicher Begleitung zum Abklappern der 260 Adressen braucht, zusammenzustellen. Gerade in den Winterferien heißt das Motto vermehrt „Skifahren statt Sternsingen“. Zwar machte die Gemeindereferentin im Dezember in den Schulen noch Werbung für die Rollen als Caspar, Melchior und Balthasar, indem sie 200 Flyer auslegte sowie im Schulgottesdienst das Königskostüm überstreifte. Das Ergebnis war mit nur einer Rückmeldung aber enttäuschend.

Auch die Jüngsten sind mit dabei

So griff sie auch auf die Jüngsten zurück, wie etwa den kleinen Diego. Der kam erst letztes Jahr in die Schule, weshalb der Kostümfundus - aus seiner Sicht - nur Übergrößen bereithält. Beim elfjährigen Arthur, der schon dreimal bei den Sternsingern mitlief, siehts da schon besser aus, was Passgenauigkeit von Umhang und Krone angeht. Wie Anamia (9) ist er stets gespannt, wer und was die Sternsinger bei der nächsten Adresse erwartet. „Die älteren Leute haben viele Andenken in ihrer Wohnung“, hat die Schülerin schon festgestellt. Einmal fragte sich ihre Gruppe, ob die Katze auf dem Sofa echt oder nur eine perfekte Nachbildung ist. „Wir haben gesagt, wir sprechen nur über das, was zu den Sternsingern gehört“, stoppte Claudia Czernek in diesem Fall das Rätselraten.

Das war angebracht, denn immer wieder müssen sich die jungen Christen sputen, wenn sie die vier bis fünf anvisierten Adressen pro Stunde schaffen wollen. Hinzu kommt, dass Hausnummern und Namen regelmäßig unzureichend ausgewiesen sind. Nicht immer ist jemand da: „Wir hoffen, dass man aus der Zeitung weiß, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit wir wo in der Stadt sind“, sagt die Gemeindereferentin. Angelaufen werden Haushalte, die den Besuch der Sternsinger erbeten haben oder bei denen die Visite seit Jahren zur Selbstverständlichkeit gehört. Die meisten Leute wünschen sich, dass die Kinder samstags von 15 bis 16 Uhr kommen. Das gilt als ideale Zeit, lässt sich aber nur bei den wenigsten Adressen realisieren. Wer nicht da ist, muss auf das Glück hoffen, dass den Königen Zeit für einen zweiten Anlauf bleibt.

Unterwegs bei Wind und Regen

Am letzten Wochenende waren die Kinder bei Starkregen unterwegs. Zum Glück hatte Claudia Czernek die Wetterprognosen verfolgt und die Liedzettel laminieren lassen. Das Engagement der Schüler, Regen und Kälte für die gute Sache zu trotzen, bekommen sie meist mit Taschen voller Naschereien belohnt. „Ich habe noch drei Geschwister. Mit denen teile ich das dann“, erzählt Anamia. Bei einer Frau im Sophie-Kehl-Heim erlebte sie eine Überraschung: Neben der Spende für die philippinischen Kinder steckte die ältere Dame jedem Sternsinger einen Fünf-Euro-Schein als Dankeschön für den Besuch zu. „Das ist besser für eure Zähne“, begründete sie die Aufstockung des Taschengelds. Für das süße Dankeschön bei den anderen Adressen gilt die Weisheit von Claudia Czernek, dass die Sternsinger-Aktion ganz sicherlich nicht nur Freude im Projektland, sondern auch bei den lokalen Zahnärzten, auslöst.

Sternsinger bei Ministerpräsident Bouffier

Sternsinger bei Ministerpräsident Bouffier

Quelle: op-online.de

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