Stolpersteine

Erinnerung wach halten

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 In Langstadt wurden die ersten Stolpersteine verlegt; in der Hauptstraße zur Erinnerung an die Familie Lichtenstein.

Babenhausen - „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt der Kölner Künstler Gunter Demnig. Er ist Initiator des Projekts „Stolpersteine“.

Vor dem letzten selbst gewählten Wohnort jüdischer Bürger, die vom NS-Regime verfolgt wurden, werden kleine Gedenktafeln aus Messing in den öffentlichen Gehweg eingelassen. Mit den Steinen vor den Häusern soll die Erinnerung an die Menschen lebendig bleiben, die einst hier wohnten. In Langstadt wurden 2013 13 solcher Gedenksteine verlegt, in Sickenhofen im vergangenen Jahr acht. Nun werden auch in der Kernstadt die kleinen Quader verlegt.

„Manche Ereignisse in unserer Geschichte tun uns vielleicht heute noch weh. Dazu gehört für viele die Zeit des Nationalsozialismus mit der Verfolgung von Andersdenkenden und ethnischen Minderheiten, mit Krieg, Flucht und Vertreibung“, sagt Bürgermeister Achim Knoke, „manche wollen davon nichts mehr wissen, wollen diese schwierige Zeit hinter sich lassen. Ungeschehen wird sie davon jedoch nicht.“ Der Magistrat der Stadt hatte den Ortsbeiräten die Idee der Stolpersteine vorgeschlagen: diese dokumentieren auf Straßen und Plätzen das Schicksal von Menschen mit schlichten Eckdaten.

Unterdrückung und Unrecht

Der Ortsbeirat Babenhausen hat sich dazu beraten und beschlossen, sich der Vergangenheit zu stellen. Der Nationalsozialismus hat auch in Babenhausen Unterdrückung und Unrecht bedeutet und eine blutige Spur hinterlassen. Viele Opfer dieser Gewaltherrschaft stehen nur auf Listen und Verzeichnissen, die kaum jemand zur Hand nimmt. Ein würdiges Gedenken wurde ihnen bisher versagt, wie es aus dem Rathaus dazu heißt. In Erinnerung sind die jüdischen Babenhäuser, die zunächst zum Umzug in die Ghettos der Städte genötigt und schließlich in verschiedene Konzentrationslager abtransportiert wurden – zur Ermordung. Nur ein kleiner Teil dieser einstigen Babenhäuser konnte bis zum Kriege fliehen.

Die Ortsvertreter haben vor, diesen schmerzhaften Teil ihrer Stadtgeschichte in den Blick zu nehmen – mit den Stolpersteinen, die jedoch glatt verlegt werden und nicht zum tatsächlichen Stolpern führen. Die Verlegung der Babenhäuser Stolpersteine beginnt am Freitag, 17. April, um 11.30 Uhr vor dem Haus Fahrstraße 80. Hierzu ist die Bevölkerung eingeladen. „Die Gedenksteine, die zukünftig vor 13 Häusern zu finden sein werden, sind nicht nur Steine zum Andenken, sondern auch Mahnmale. Nur Erinnerung und Bewusstsein kann uns davor bewahren, faschistische Verhältnisse noch einmal in unserem Lande erleben zu müssen“, sagt Bürgermeister Knoke.

Für das Projekt werden noch Spender gesucht. Ein Stein kostet 120 Euro, die Verlegung veranlasst die Stadt. Sollte mehr Geld eingehen, wie zur Finanzierung der Steine benötigt wird, wird dieses für eine Gedenk- bzw. Infotafel verwendet. Wer spenden möchte, kann das mit einem Betrag seiner Wahl tun: Die Bankverbindung lautet: Sparkasse Dieburg, IBAN DE66508526510060051620. Als Verwendungszweck „Stolpersteine Babenhausen“ angeben. Eine Spendenbescheinigung kann nicht ausgestellt werden.

st

Quelle: op-online.de

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