Intergration nach Mitternacht

Streetworker und „Haftbefehl“ retten populäres Fußballturnier

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Insgesamt 20 Teams nahmen am Mitternachtsturnier in den Babenhäuser Schulsporthallen teil.

Babenhausen - Integration über ein Fußball-Turnier fördern, jungen Menschen unabhängig von Herkunft, Religion und Gesellschaftsschicht für einen Abend in unbeschwertem Rahmen zusammenbringen und dabei sogar noch etwas für die Flüchtlinge tun: Eine bessere und direktere Sozialarbeit als jene, die beim Mitternachtsturnier stattfand, ist kaum möglich. Von Jens Dörr 

Das etablierte Mitternachts-fußballturnier in den Schulsporthallen wäre beinahe dem städtischen Sparkurs zum Opfer gefallen. Erfreulich, dass andere mit Tat und Geld in die Bresche sprangen. Zwar war es die städtische Kinder- und Jugendförderung, die zum Mitternachtsturnier eingeladen hatte. Ahmet Ögrütmen, auf 450-Euro-Basis städtischer Streetworker, im Hauptberuf Niederlassungsleiter einer Reinigungsfirma in Babenhausen und darüber hinaus noch ehrenamtlich Jugendtrainer und Schiedsrichter des TSV Harreshausen, ließ nach der Veranstaltung aber keinen Zweifel daran: Allein hätte es die Stadt diesmal gerade finanziell und personell nicht geschafft, ein Event in einer derartigen Größenordnung zu stemmen.

20 Mannschaften mit insgesamt etwa 150 Spielern und darüber hinaus rund 300 Zuschauer bevölkerten die beiden Hallen, die die Stadt immerhin kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Was organisatorisch und monetär darüber hinaus nötig war, blieb nicht nur Aufgabe Ögrütmens: Herausragenden Einsatz fürs Gemeinwohl zeigte rund um das Turnier die Shisha-Bar und -Lounge Babos, konkret in Person von Negj Saitaj. Ohne dessen Sponsoring und auch planerischer Mitwirkung wäre das bislang größte und am besten besuchte Mitternachtsturnier schlicht ausgefallen.

Die Shisha-Bar gehört derweil einem, der beim Turnier der unumstrittene Star war: Der Rapper „Haftbefehl“ hat unter anderem mit dem Babenhäuser Lokal neben der Musik ein weiteres Standbein, ist der Babos-Eigentümer. Als Höhepunkt kommentierte „Haftbefehl“ das nach Mitternacht stattfindende Finale, in dem sich die Superkickers 64 – ein Team aus dem Raum Dieburg – schließlich zum Turniersieger krönten.

Besondere Freude bereitete das Mitternachtsturnier nicht nur den Superkickers 64 und den Anhängern der Rap-Musik. Wie kein anderes Team angefeuert wurde eine Mannschaft junger Flüchtlinge, die einen der begehrten Startplätze erhielten. Einige Tage vor dem Turnier war Fußball-Coach Ögrütmen in die ehemalige Kaserne gegangen und hatte mit dem Flüchtlingen eine Trainingseinheit absolviert. „Nicht nur bei ihren Spielen war die Stimmung super, einfach der Wahnsinn“, wirkte Ögrütmen wie berauscht von der friedlichen Multi-Kulti-Veranstaltung.

Für 2017 schwebt Ögrütmen ein Freiluft-Turnier im Sommer auf dem Gelände des TSV Harreshausen vor. Dort könnte man auf vier Kleinfeldern mit 30 oder 40 Teams in noch größere Dimensionen vorstoßen. Zudem gebe es die Idee einer weiteren Veranstaltung in den Schulsporthallen am 25. März des kommenden Jahres. Dann sollen Angebote für junge Frauen – womöglich wieder ein Fußball-Turnier, eventuell aber auch anderes – im Mittelpunkt stehen. Ein Sonderlob gab es von Ögrütmen für Semih Goekce und Denis Konakci: Als Schiedsrichter und Mitwirkende an der Turnierleitung fungierten die beiden beim Turnier als seine linke und rechte Hand.

Quelle: op-online.de

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