Stadt muss Geld für die Beleuchtung sparen

Stromfresser auf dem Prüfstand

+
Die Weihnachts-Illumination ist den Bürgern lieb und teuer; an ihr wird nicht gerüttelt.

Babenhausen - Wer beim Adventsmarkt zur Stadtmühle flanierte, dürfte den Weihnachtsbaum vermisst haben, der üblicherweise dort für ein schönes Flair sorgte. Von Stefan Scharkopf

Dieses Mal hat die Stadt aus Kostengründen darauf verzichtet – der Baum auf dem Marktplatz strahlt aber wie eh und je. Gespart wird woanders. Um 80.000 Euro will die Stadt ihre Kosten für die Beleuchtung senken. Die Einsparungen sind Teil des Haushaltssanierungskonzepts. An verschiedenen Stellen müssen Veränderungen vorgenommen werden, um das Ziel letztlich zu erreichen. Ob das in dieser Höhe klappt, ist fraglich. Diskutiert wurde – weil es gerade aktuell ist – etwa über die Beleuchtung in der Bummel- und der Schlossgasse. Dabei geht es aber nicht um das Inszenesetzen der hübschen Fachwerkhäuser, sondern um die Weihnachtsbeleuchtung, die vom Bauhof dort angebracht wird. „6 000 Euro zahlen wir dafür im Jahr“, sagte Bürgermeister Achim Knoke auf Anfrage unserer Zeitung, „dazu gehören nicht nur die Stromkosten, sondern auch Reinigung, Überprüfung und Einlagerung der Lampen.“ Und die Personalkosten, denn während ein Bauhof-Mitarbeiter im Hubwagen die Lampen an den von Haus zu Haus gespannten Seilen anbringt, müssen zwei Kollegen am Boden für die sogenannte Verkehrssicherungspflicht sorgen, also aufpassen, dass Passanten nichts passiert.

„Wir haben im Magistrat über die Weihnachtsbeleuchtung diskutiert, aber es wurde letztlich verworfen“, so Knoke. Es soll über die Adventszeit also auch weiterhin in der Bummelgasse heimeliges Licht erstrahlen. Geprüft wurde zuvor auch, ob der Service von privaten Anbietern billiger zu haben ist. Dem ist aber nicht so. Die Einsparung habe gerade mal bei elf Euro gelegen. Knoke: „Der Vergleich hat letztlich gezeigt, dass der Bauhof mit seiner Kalkulation richtig liegt.“ Es geht aber freilich nicht nur um die weihnachtliche Beleuchtung. An anderen Stellen in der Stadt sitzen wahre Stromfresser. Das gilt etwa für die Lampen an der Bouxwiller Straße.

Laut Haushaltssicherungskonzept sollen bei der Straßenbeleuchtung folgende Einsparungen realisiert werden: 2015 rund 15.000 Euro, 2016: 35.000, 2017: 80.000, 2018: 80.000 Euro. Der Gesamtaufwand für die Straßenbeleuchtung beträgt laut Bauamt pro Jahr aktuell rund 260.000 Euro. Darin enthalten sind jedoch nicht nur reine Stromkosten, sondern laut Vertrag auch ein Grundpreis pro Leuchte (Wartung, Instandhaltung, Planung, Erneuerung, Schadensbehebung) zuzüglich Arbeitspreis (Strom, Abgaben, Steuern). Je nach Tarifabschluss und Inflationsrate ist mit einer jährlichen Steigerung des Grundpreises zwischen zwei und fünf Prozent zu rechnen. Auch abgeschaltete Leuchten kosten Geld, da die Verkehrssicherheit der Anlage weiterhin gewährleistet werden muss. Der Kostenanteil des Grundpreises ist nach dem noch gültigen Straßenbeleuchtungsvertrag nicht ohne weiteres beeinflussbar.

Der Anteil der Stromkosten (Arbeitspreis) betrug laut Abrechnung 2014 rund 63 Prozent (161.000 Euro). Einsparungen sind durch Investitionen in moderne Leuchtentechnik, Veränderung von Schaltzeiten und Abschalten von Leuchten möglich. Der Stromverbrauch für die Straßenbeleuchtung je Kilometer sank zwischen 2009 und 2013 laut Bauamt durch den Einsatz modernerer Technik und Abschaltung von energieintensiven Leuchten bereits um 20 Prozent. Der deutlich gestiegene Arbeitspreis resultiert aus dem großen Anstieg der Steuern und Abgaben. Innerhalb einer vergleichenden Prüfung „Energiemanagement“ des hessischen Rechnungshofes wurde in diesem Jahr für die Straßenbeleuchtung in Babenhausen ein Ergebnisverbesserungspotenzial in Höhe von 61.555 Euro quantifiziert. Demnach kann das im Haushaltssicherungskonzept beschlossene Einsparziel in Höhe von 80.000 Euro nicht erreicht werden. Das ergibt sich auch aus der Betrachtung der jährlichen Stromkosten. Hinzu kommt: Auch neue Baugebiete müssen beleuchtet werden.

Aber es gibt Mittel und Wege: In einem ersten Schritt sollen durch Verlängerung des nächtlichen Abschaltzeitraums rund 8 000 Euro pro Jahr gespart werden. Die Leuchten an der Bouxwiller Straße beispielsweise sind mit je zwei Lampen ausgestattet. Wird eine abgeschaltet, bedeutet das ein Minus von 4 500 Euro.

Zudem läuft der Straßenbeleuchtungsvertrag mit der HSE demnächst aus. Der neu auszuschreibende Vertrag muss die Modernisierung in Verbindung mit Energieeinsparung und Kostensenkung ermöglichen. In einem zweiten Schritt soll ein Investitionsplan zur Erreichung der genannten Ziele aufgestellt werden. „Erst nach Abschluss des neuen Vertrages im Frühjahr 2016 können Aussagen zu weiteren finanziellen Auswirkungen getroffen werden“, so das Bauamt.

Quelle: op-online.de

Kommentare