Theatergruppe des SV Kickers mit „Grand Malheur“

Skurriles im Wellnesshotel

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Günther Stübinger (links) im Tankini sorgt nicht nur auf der Bühne für Gesprächsstoff.

Hergershausen - Die Premiere ist gelungen: Der erste von vier Theaterabenden der Laienspielertruppe des SV Kickers begeisterte das Publikum im voll besetzten Bürgerhaus. Von Petra Grimm 

Mit dem Schwank „Grand Malheur“ von Bernd Gombold zeigte sie am Samstag erneut ihr humoristisches Talent und Kreativität bei der Inszenierung. Schon erstaunlich, was man mit einem handelsüblichen Wischmopp alles anstellen kann. Sigrun Saul in einer Paraderolle als resolute Putzfrau Elli Taler stoppt damit den zudringlichen Hotelchef Dr. Kowalski (Markus Nelhübel), der sich Fitnesstrainerin Jenny (Simone Ullrich) immer wieder aufdrängt. Ihm schlägt sie mit ihrem nassen Arbeitsgerät temperamentvoll und zielgenau von hinten zwischen die Beine. Außerdem wischt sie Günther Stübinger, der als Vater der Verwaltungsleiterin Sabine Brändle (Evelyn Pfeiffer) auf der Bühne steht, mit dem Putzlappen das Gesicht.

Sehr zur Freude des Publikums, das sich an der Spielfreude, den Gags und der Kostümierung der zwölf Akteure der Laienspielertruppe des SV Kickers ergötzt und aus dem Lachen kaum heraus kommt. Souffleuse Leni Thomas hat wenig zu tun. Dafür muss sich Nadine Krieger, die für die Maske zuständig ist, offensichtlich richtig ins Zeug gelegt haben.

Als Günther Stübinger im Tankini und mit Badehaube im Frauen-Fitnesskurs des Fünf-Sterne Kurhotels auftaucht, schreit der Saal vor Begeisterung auf. Ähnliche Atemnot bei den Zuschauern löst Alexander Buia bei seinen Auftritten aus. Er überzeichnet seine Rolle als schwuler, französischer Friseur Jean-Pierre nicht nur gekonnt mit Mimik und Gestik, auch sein Akzent und vor allem seine Outfits lassen den Saal toben.

Der Schwank „Grand Malheur“, der in einem schicken Wellnesshotel spielt, dreht sich um einen betrügerischen, intriganten Hoteldirektor, der am Ende entlarvt und verhaftete wird. Und Liebespaare jeder Couleur, die sich schließlich finden. Bis es soweit kommt, sorgen jede Menge skurrile Szenen und schräge Charaktere, durchweg hervorragend gespielt, für Unterhaltung.

Gekonnt schafft Markus Nelhübel den Wechsel zwischen den beiden Rollen, die er an diesem Abend spielt. Er überzeugt sowohl als träger Hausmeister Hans, der sich von der Frühstückspause zur Mittagespause schleppt und zwischendurch die Liegen im Wellnessbereich testet, als auch als fieser Hoteldirektor. Ein Gewinn für das Team sind Evelyn Pfeiffer und Marco Saul, die zum ersten Mal für die Kickers auf der Bürgerhausbühne im Einsatz sind. Routiniert und mit spürbarem Spaß an der Sache verkörpert Wilfried Klein, Inge Herget, Ingrid Klein und Christa Weinert die seltsamen Hotelgäste und ihre Macken. Walter Morian sorgt als gut aussehender Masseur für Bluthochdruck bei den weiblichen Gästen und natürlich dem schwulen Friseur. Tolle Auftritte hat auch Christa Weinert als geizige Alte, die einen Teebeutel die ganze Woche verwendet und sich selbst die Haare schneidet, um den Friseur zu sparen, weil sie ja eh einen Hut trägt.

Der harte Kern der Kickers-Theatergruppe steht seit 1988 bereits regelmäßig auf der Bühne. Am Anfang in größeren Abständen, inzwischen alle zwei Jahre. Auch für das aktuelle, ihr zwölftes Stück, haben sie über ein halbes Jahr geprobt. Hinter dem Spaß für die Zuschauer stecken richtig viel Arbeit und kreative Energie. So würzen die Darsteller, die auch die Regie gemeinsam führen, ihre Aufführungen immer mit eigenen Gags und Lokalkolorit. Die „Alte Herren“-Abteilung des SV Kickers beispielsweise verwüstet bei einer heimlichen Poolparty das Thermalbad des Hotels und eines der Liebespaare wird von seinen Kindern zu einem Entspannungswochenende nach Sickenhofen geschickt: „Da könnt ihr dann mal richtig was erleben und euch beispielsweise den Sickenhöfer Bahnhof anschauen.“

Das Talent der Truppe hat sich herumgesprochen, sonst könnten sie nicht seit Jahren an vier Abenden die Bürgerhaus-Halle füllen. „Für die Premiere waren die Karten innerhalb von drei Tagen ausverkauft und das schon im August“, sagte Alexander Buia.

Quelle: op-online.de

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