Surfen, Strand und Schule

Babenhausen - Schwarze Flip-Flops baumeln an den Füßen des Mädchens mit den langen, braunen Haaren, die draußen auf dem Gartenstuhl sitzt. „Die sind eigentlich von meiner Mutter, und ich bin da nur mal kurz reingeschlüpft“, sagt die 16-Jährige und grinst. Von Kathrin Rosendorff

In sechs Tagen kauft sie sich ihre eigenen. „Aber in Australien“, sagt Kiara. Kiara ist nicht die Babenhäuser Version einer Paris Hilton, die mal so um die Welt jettet zum Shoppen. Die 16-Jährige wird ein Jahr lang eine High School in Brisbane besuchen.

Das war meine Idee. Ich wollte das eigentlich immer schon. Und es sollte auch unbedingt ein englisch-sprachiges Land sein. Australien hat mich einfach gereizt, weil es groß ist und ich diese relaxte easy-going Mentalität der Australier mag“, erzählt Kiara aufgeregt. Selbst war sie zwar noch nie dort, aber das was sie in den vielen Büchern und Filmen über Australien gelesen und gesehen hat, hat sie überzeugt.

„In der Schule dort trage ich Uniform“

Außerdem will ich Surfen lernen, und das kann man ja im immer warmen Australien das ganze Jahr“, sagt sie voller Vorfreude. „Meine Papa wollte auch immer Surfen lernen und ich ihn unbedingt beeindrucken, wenn er mich am Ende des Jahres besuchen kommt“, hängt sie noch an. Dann läuft sie in Haus rein, die Treppe hoch, rauf in ihr rosa gestrichenes Zimmer.

Ich darf ja nur 20 Kilo mitnehmen“, sagt sie. „Aber, das ist okay. Viele, die schon dort waren, haben gesagt, bloß nicht so viel mitnehmen, denn die Australier sind uns modisch eine Saison voraus. Außerdem trage ich dort ja auch in der Schule Uniform.“

Dass sie etwas nicht verstehen könnte, oder ihr Englisch einfach nicht gut genug sei, fürchtet sie nicht. „Ich kann mich schon ziemlich gut in Englisch verständigen“, betont Kiara. Spanisch spricht sie bereits fließend. „Meine beiden Großeltern sind nach Venezuela ausgewandert und meine Eltern sind beide dort aufgewachsen. Sie haben mich dann hier auch zweisprachig erzogen“, so Kiara. „Ich bin also mit zwei Kulturen groß geworden und wir reisen viel, vielleicht bin ich auch deshalb nicht ganz so heimatbezogen“, sagt sie. Überhaupt mag sie lieber große Städte als das kleine, beschauliche Babenhausen.

15 Bewerbungen waren nötig

Ihre Freunde, die meisten aus dem Groß-Krotzenburger Franziskaner-Gymnasium, finden ihren einjährigen Abgang nicht so toll. „Sie sagten, dass sie sich das nicht trauen würden, aber sie wollen mich alle besuchen“, sagt Kiara. Ihre Eltern unterstützen ihre Idee. „Aber ich muss auch etwas dazugeben, also habe ich schon in letzter Zeit ganz viel gebabysittet.“ 15 Bewerbungen hat sie hinter sich gebracht, bevor die richtige Organisation fürs Auslandsjahr dabei war.

Klar werde ich meine Eltern und meinen kleinen Bruder schon ein bisschen vermissen“, sagt sie. Dort hat sie zwei kleine Gastgeschwisterchen im Alter von acht und fünf Jahren. An ihren Ohren hat sie kleine Notenschlüssel-Ohrringe stecken. „Ich bin sehr musikalisch, spiele Klarinette und Saxophon“, erzählt Kiara. Das Saxophon bleibe aber hier, denn an ihrer australischen Schule könne sie sich eines ausleihen.

Auch meinen Laptop muss ich mitnehmen, denn es ist eine sehr moderne Schule, da geht es ohne Laptop nicht im Unterricht.“ Ihre australische Gastfamilie habe außerdem einen Flügel, Klavierspielen wollte sie schon immer lernen. „Und sie haben einen Pool, an dem und am Meer hoffe ich viel Zeit zu verbringen“, sagt sie und lacht. Die benötigten Bikinis hat sie schon mal in den Koffer geworfen. Aber dort für immer bleiben ist nicht drin - vorerst. „Meine Mutter besteht darauf, dass ich zurückkomme und mein Abi hier mache. Danach kann ich hingehen, wo ich will“, sagt Kiara und lächelt.

Quelle: op-online.de

Kommentare