Tag der offenen Tür bei der Freiwilligen Feuerwehr

Rettung aus luftiger Höhe

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Bei einer Vorführung am Schlauchturm retteten die Einsatzkräfte eine verletzte Person mit dem Gelenkmast.

Babenhausen - Mit Ausschnitten aus ihrem breiten Einsatzspektrum, Führungen durch den Stützpunkt und vielen nützlichen Tipps rund um das Thema Brandschutz unterhielten die Babenhäuser Blauröcke am Samstag ihre Gäste beim Tag der offenen Tür. Von Petra Grimm 

Die gut besuchte Veranstaltung zum 140-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr diente zudem der Mitgliederwerbung, denn Nachwuchs ist rar. Die Blicke der zahlreichen Zuschauer auf dem Hof des Babenhäuser Feuerwehrstützpunkts gingen nach oben. Sie folgten dem Korb des Gelenkmastfahrzeugs, der sich langsam in luftige Höhen bewegte. Denn auf der Außentreppe des Schlauchturms wartete ein auf einer Trage liegender Dummie auf seine Rettung. Mit dem Kopf nach vorne wurde die Trage mit dem „Verletzten“ in den Korb verfrachtet. Wenige Sekunden später erreichten die Feuerwehrleute mit der geretteten Person den sicheren Boden. Auf beeindruckende Weise zeigten die Ehrenamtlichen an diesem Tag bei weiteren Übungsszenarien ihr Können. So befreiten sie eine bei einem Verkehrsunfall in einen Pkw eingeklemmte Person mit hydraulischen Rettungsgeräten und demonstrierten einen Brandangriff auf den Schlauchturm. Nützlich waren für die Gäste das Feuerlöschertraining, an dem sogar Kinder teilnehmen durften, oder auch die Vorführung, wie Spraydosen unter großer Hitzeeinwirkung zerplatzen. „Wir werfen die Dosen hier ins Feuer, um zu zeigen, wie sie zerknallen. Aber es reicht schon, wenn man sie im Sommer bei großer Hitze im Auto liegen lässt“, sagte Pressesprecher Werner Flechsenhar, der die verschiedenen Aktionen moderierte.

Dass man brennendes Fett nicht mit Wasser löschen darf, wurde eindrucksvoll gezeigt. Wenn Öl brennt, sollte man sofort den Topfdeckel drauflegen oder mit einer Löschdecke zur Sache gehen, erfuhren die Beobachter der Fettexplosion. „In einem solchen Fall sollte man sich auch nicht scheuen, zur Sicherheit die Feuerwehr zu rufen. Auch wenn Feuer in der Dunstabzugshaube sein könnte oder die Küche verraucht ist. Wir sind da, um zu helfen“, sagte Wehrführer Florian Sawallich, der aktuell 62 Aktive in seiner Einsatzabteilung hat. Sorgen macht der Kernstadtwehr die schwierige Rekrutierung von Nachwuchs, denn die Jugendfeuerwehr, die den Bestand der Einsatzabteilung sichert, besteht nur aus knapp 20 Jugendlichen. Die zeigten zur Eröffnung des Festes ihr Können engagiert bei einem Brandangriff auf ein kleines Holzhaus.

„Wir wollen uns heute mal von A bis Z vorstellen“, sagte Sawallich. Von der Küchencrew mit ihrer Feldküche, in der Chillie con Carne dampfte, über die Arbeit der Einsatzabteilung, die Aktivitäten der Jugendfeuerwehr und des Vereins reichte das Infoprogramm. Der hauptberufliche Schornsteinfeger und ehrenamtliche Feuerwehrmann Burkhard Schimpf sorgte an seinem Stand für vorbeugenden Brandschutz, denn er klärte über Rauchwarnmelder und das richtige Verbrennen von Holz auf. „Damit Schornsteinbrände verhindert werden“, sagte er.

Feuerwehr und Katastrophenschutz im Einsatz 

Auf die Doppelbelastung der Feuerwehrleute wies Siegfried Kinz bei seiner Führung durch den Stützpunkt hin: „Wir sind eine ehrenamtliche, freiwillige Feuerwehr und haben alle noch einen anderen Job. Bei Einsätze fehlen die Aktiven auf ihrem Arbeitsplatz, was ein Problem sein kann“. Tag und Nacht zum Schutz der Allgemeinheit in Bereitschaft zu sein, ist kein Zuckerschlecken. So wurden die Aktiven direkt vor ihrem großen Fest, das zwei Monate lang auch mit Renovierungs- und Aufräumarbeiten vorbereitet wurde, alarmiert. In der Nacht zum Samstag mussten sie um 0.53 Uhr zu einem Verkehrsunfall in der Schaafheimer Straße ausrücken und um 9.24 Uhr am gleichen Morgen wieder. Denn in Langstadt verbrannte jemand unangemeldet seinen Unrat und ein Nachbar alarmierte die Feuerwehr, als er den enormen Rauch sah. „Wir bitten deshalb darum, solche Aktionen bei der Stadt anzumelden. Dann wissen wir, dass es ein harmloses Feuer ist und wir nicht gebraucht werden“, sagte Werner Flechsenhar.

Bei den Rundgängen durch den Stützpunkt, der 1991 bezogen wurde, durften die Besucher einen Blick hinter die Kulissen werfen, der sonst nicht möglich ist. Wer hatte vorher beispielsweise schon einmal gesehen, wie die Schläuche gereinigt und getrocknet werden? Interessant war auch der Besuch in der Atemschutzwerkstatt. Hier erläuterte Herbert Rauch, der gemeinsam mit Mario Wörner als hauptamtlicher Gerätewart im Einsatz ist, die aufwändige Instandhaltung und Reinigung der 45 Atemschutzgeräte, die den Feuerwehrleuten der Gesamtstadt zur Verfügung stehen. Was die Funktionsfähigkeit sämtlicher Gerätschaften betrifft, laufen die Fäden in der Kernstadt zusammen, denn hier werden sie zentral gewartet. Wer die FFW personell unterstützen will, ist eingeladen bei den Treffen der Einsatzabteilung donnerstags um 19 Uhr vorbei zu kommen. Die Jugendfeuerwehr unter der Leitung von Thomas Olstinski trifft sich montags von 18 bis 20 Uhr. Hier sind Kinder ab zehn Jahren willkommen.

Quelle: op-online.de

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