Tanzendes Licht einfangen

Kamerakunst: Brigitte Herget fotografiert Naturschauspiele

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Hergershausen - Fotokünstlerin Brigitte Herget holt sich gern Polarlichter vor die Linse. Eine Auswahl ihrer Bilder ist bei der Adventsausstellung der Gärtnerei Winkler am kommenden Wochenende, 12. und 13. November, zu sehen. Von Petra Grimm 

Seit sechs Jahren ist die Kunstfotografin Brigitte Herget von einem Naturphänomen begeistert, das sie in beeindruckende Fotografien verwandelt. Das Nordlicht lässt sie nicht mehr los. Wann immer es ihr möglich ist, meistens zweimal im Jahr, reist sie deshalb nach Norwegen, um dieses beeindruckende Schauspiel am nächtlichen Himmel abzulichten. Das grüne, rote oder blau-violette Licht, das sich über den nächtlichen Himmel Norwegens bewegt, scheint zu tanzen, erscheint in Bögen, Bändern, Vorhängen und Coronen. Es ist nicht immer zu sehen. „Der Himmel muss klar sein und an der Sonne muss etwas passieren. Manchmal stehe ich stundenlang in der Eiseskälte irgendwo draußen und warte und hoffe, dass ich ein gutes Bild machen kann. Man fotografiert Nordlichter am besten in der freien Natur, weit weg von größeren Städten. Damit kein Fremdlicht stört. Manchmal sieht man es nur fünf Minuten, manchmal eine ganze Nacht. Auch die Intensität ist immer unterschiedlich“, sagt Brigitte Herget, die inzwischen auch ihren Mann Hans-Peter für dieses Naturereignis als Fotomotiv begeistert hat. So steht sie nicht mehr alleine mit ihrer Kamera bei Nacht in der kalten Landschaft.

Nordlichter oder Polarlichter haben Menschen schon immer fasziniert und – bevor es eine wissenschaftliche Erklärung gab – auch geängstigt. Sie entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwindes aus der Magnetosphäre auf die Erdatmosphäre treffen. Durch einen Zusammenstoß mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen in unserer Lufthülle werden diese mit zusätzlicher Energie aufgeladen. Da dieses höhere Energieniveau jedoch überflüssig und nicht vorgesehen ist, wird die Energie wieder abgegeben. Und zwar in Form von Licht. Während sie in Mitteleuropa eher selten zu sehen sind, sind sie in den skandinavischen Ländern zumindest während der dunklen Wintermonate beinahe alltäglich.

Herget hatte ihr Schlüsselerlebnis im Jahr 2010 beim Betrachten einer Dia-Schau über Nordlichter und ein Jahr danach bei einer Hurtigruten-Schiffstour in Norwegen. „Auf dem Schiff konnte man aber wegen des stürmischen Wetters keine guten Fotos vom Nordlicht machen. So bin ich speziell zum Fotografieren noch einmal hingeflogen und seither immer wieder. Es hat mich richtig gepackt“, erzählt die gebürtige Norddeutsche, die seit 1981 in Hergershausen zuhause ist.

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Sie hat sich das Fotografieren selbst beigebracht und dafür zahlreiche Kurse bei guten Fotografen in ganz Deutschland besucht. „Ich hatte als Jugendliche eine sogenannte Pocket-Kamera und erinnere mich noch gut an das Geräusch, das man hörte, wenn der Film transportiert wurde. Danach habe ich mit einer analogen Spiegelreflexkamera gearbeitet und jetzt natürlich mit einer digitalen. Einige Bilder bearbeite ich auch am Computer, um einen bestimmten Effekt zu erreichen. Die Farben der Polarlichter auf den Fotos sind nicht bearbeitet worden“, sagt sie.

Seit zehn Jahren geht sie ihrem Hobby richtig intensiv nach, fotografiert vor allem Natur und Architektur. Sie hat einen ganz speziellen Blick auf die Dinge um sich herum. Beeindruckend ist beispielsweise auch eine Bilderserie von ihr, bei der sie Blüten in vereistem Zustand abgelichtet hat, was zu einer Verfremdung und besonderen Ästhetik führte. Vor zwei Jahren trat sie mit ihrem Mann dem Fotoclub Groß-Umstadt bei, wo sie ihre Nordlicht-Bilder 2015 in der Säulenhalle ausgestellt hat. Eins davon wurde zum schönsten Foto der Schau gewählt.

Quelle: op-online.de

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