„Resonanz äußerst positiv“

Territorialmuseum: Mehr Gäste als erwartet

+
Die sich bewegende und sprechende Animation von Graf Johann Reinhard III. gehört zu den Höhepunkten im Museum.

Babenhausen - In wenigen Tagen, am 30. März, jährt sich zum ersten Mal die Eröffnung des Territorialmuseums, mit dem ein lang gehegter Traum historisch interessierter Babenhäuser und des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) wahr wurde.

Sind die bisherigen Besucher mit dem Konzept zufrieden? Und wie fiel der Zuspruch aus? Unser Mitarbeiter Michael Just hat sich mit Georg Wittenberger vom HGV, dem Betreiberverein, über eine Bilanz nach 365 Tagen unterhalten.

Wie beurteilt das Gros der Besucher das Museum?

Die bisherige Resonanz ist äußerst positiv. Wir haben ein Gästebuch, in dem sich positive wie negative Kritik äußern lässt. Darin ist fast ausschließlich nur Lob zu finden. „Große Anerkennung für dieses liebevoll eingerichtete Museum. Ich werde nicht das letzte Mal hier gewesen sein“, heißt es einmal.

Was gefällt am besten?

Darauf gibt es keine direkte Antwort. Die Präferenzen gehen quer durchs Haus. Meistens hängt es davon ab, was die Besucher im speziellen sehen wollen. Manche kommen wegen der Mittelalter-Abteilung, andere wegen der Räuberbande des Hölzerlips. Jenes, was interessiert, wird für toll befunden. Über das, was nicht dazu gehört, wird auch nichts gesagt oder geschrieben.

Neues Territorialmuseum in Babenhausen

Gehen die Besucherzahlen mit den Erwartungen des HGV einher?

Die Monate sind unterschiedlich. Steht das Altstadtfest, der Ostermarkt oder der Tag des offenen Denkmals an, ist deutlich mehr los, was auch daran liegt, dass wir zu diesen Terminen verstärkt werben. Bis zum Jahresende 2014 kamen in neun Monaten knapp 1 350 Leute, was meine Erwartungen übertraf. Ich rechnete mit 100 Personen pro Monat. Auch wenn Schulklassen den Schnitt heben, liegen wir relativ deutlich über den Schätzungen. Auffällig ist, dass viele Babenhäuser, die Besuch haben, diesen ins Museum führen.

Wie der Jahresbericht ausweist, ist man mit Gruppenführungen gut im Rennen...

Ja, das stimmt. Wir hatten alleine sieben Schulklassen, dazu eine große Anzahl von Vereinen wie Wanderclubs. Gäste, die von anderen Museen kommen, beziehungsweise Städteführer aus ganz Südhessen, die unsere Stadt samt Museum zusammen anschauen wollen, zeigen ebenfalls Interesse. Demnächst erwarten wir eine Abordnung vom Heimatmuseum Messel.

Woher kommen die Besucher?

Je zur Hälfte aus Babenhausen und von außerhalb. Unsere Nachfrage hat über 50 Herkunftsstädte ergeben, darunter Limburg, Mannheim, Baden-Baden, Münster in Westfalen, Krefeld oder Hamburg.

Woher kamen die am weitesten gereisten Besucher?

Aus den USA. Das waren ehemalige Soldaten oder deren Angehörige. Neben einer Gruppe im August kamen Einzelreisende aus den US-Staaten Kalifornien, Wisconsin, Pennsylvania oder Texas. Der Zusammenhang zur ehemaligen Kaserne führt erstaunlicher Weise immer wieder nicht wenige Besucher ins Museum.

Ein Gast blieb in ganz besonderer Weise in Erinnerung?

Ja, Gottfried Herbe, ein Schauspieler in Diensten des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. In einer Animation im Museum verkörpert er den Grafen Johann Reinhard III. Das Ergebnis wollte er sich mal angucken. Ohne die Perücke, die er als Adliger in der Animation trägt, hat ihn meine Frau zuerst nicht erkannt.

Ein Museumsgebäude zu unterhalten kostet Geld. Wie wirtschaftlich arbeitet das Museum?

Dazu kann ich nichts sagen. Es gibt einen Vertrag zwischen der Stiftung und der Stadt. Darin ist ausgehandelt, dass die Stadt die kompletten Nebenkosten trägt.

Ist das Museum mit Blick auf die Exponate komplett fertig?

Noch sind wir nicht ganz vollständig bestückt. Im oberen Bereich gibt es ein paar kleinere Lücken, die es zu füllen gilt, dazu stehen Ergänzungen bei den Beschriftungen an. Auch gibt es ein paar Fehlerchen zu revidieren. So ist ein Bild seitenverkehrt, dazu liegen die angeführten Geburts- und Sterbedaten der Anna von Lichtenberg 300 Jahre auseinander. Damit wäre sie sehr, sehr alt geworden...

Ein Museum sollte im Blickfeld der Öffentlichkeit bleiben. Was tun sie dafür?

Georg Wittenberger bei der Eröffnung.

Sonderausstellungen sind eine gute Möglichkeit. Bisher hatten wir deren zwei: Eine mit Devotionalien aus der Zeit der US-Streitkräfte, die andere mit Skulpturen von Norbert Jäger. Den Versammlungsraum des Museums geben wir zudem für die Öffentlichkeit frei. Bisher wird er ganz gut genutzt: Der Landkreis veranstaltet hier seine Treffen für lokale Langzeitarbeitslose, dazu wird Deutschunterricht für Flüchtlinge angeboten. Vereine, wie die Schlossfreunde, tagen hier, auch die Leute, die beim Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzept IKEK mitmachen. Lediglich für politische Veranstaltungen, wie Fraktionssitzungen, steht der Raum nicht zur Verfügung. Das ist in den Stiftungsbedingungen so niedergeschrieben.

Kinder und Jugendliche interessieren sich bekanntlich weniger für Museen. Will der HGV auch hier ansetzen?

Derzeit beschäftigen wir uns mit einem Leitfaden für ein kinderfreundliches Museum. Wichtig ist es dabei, kindgerechte Darstellungen plus viele Dinge zum Anfassen zu bieten. Das geht manchmal auch nicht. Für Jugendliche hatten wir schon eine Rallye ausgearbeitet, die viel Spaß machte. Da tauchte etwa die Frage auf, was das Symbol der Cellba-Puppen –Schildkröte, Hase oder Nixe? – ist. Eine Konfirmanden-Rallye zur Reformation und zur Kirchengeschichte gab es ebenfalls schon, die vom Pfarrer entworfen wurde. Mit der Teilnahme an den diesjährigen Ferienspielen will das Territorialmuseum die Bindung zu jungen Menschen weiter stärken.

Quelle: op-online.de

Kommentare