Auf Gesundheitsmesse Mühen des Alters simulieren

Mehr Verständnis durch Test mit dem Zitterhandschuh

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Heipraktikerin Juliane Weidner aus Großostheim lud die Besucher ein, Reflexzonentherapie am Fuß zu testen.

Babenhausen - Mit 13 Informationsständen und 17 Fachvorträgen war ein umfangreiches Programm geboten bei der ersten Gesundheitsmesse, die die Stadt gemeinsam mit dem Gesundheitsforum Babenhausen auf die Beine gestellt hatte. Von Petra Grimm 

Alle Beteiligten waren mit dem Zuspruch – die Veranstalter nennen rund 1 300 Besucher – sehr zufrieden. Das Spektrum des geballten Fachwissens war an beiden Tagen breit: Gesunderhaltung aus schulmedizinischer Perspektive, aber auch durch alternative Präventions- und Behandlungsmethoden fand ebenso Raum wie das Thema Gesundheit im Alter und die Pflege von Angehörigen. Wobei die meisten Menschen das Thema Alter und Krankheit gerne im täglichen Leben ausblenden. Das bestätigte Tom Best, der mit seiner Ehefrau Mechthild das Seniorenzentrum Bethesda leitet und als Referent im Einsatz war: „Wenn ich bei meinen Vorträgen das Wort Alter im Titel habe, kommen weniger Leute.“ Gemeinsam mit seinem Team lud er Besucher zu einem Gewinnspiel und Kostproben der Bethesda-Gastronomie ein. Serviceleiter Holger Müller bewies mit seinem Rindergeschnetzelten mit Basmati-Reis, dass gesunde und seniorengerechte Küche schmackhaft sein kann.

Buntes Programm

Weitere Aktionen der Messeteilnehmer und die Auftritte zweier Tanzgruppen des TSV Langstadt und des Babenhäuser Kinderchores rundeten das Programm, das parallel zum Altstadtfest angeboten wurde, ab. So ließen die Besucher sich beispielsweise am Stand der Sozialstation Blutdruck und Blutzucker messen oder testeten bei Heilpraktikerin Juliane Weidner Reflexzonentherapie am Fuß. Am Stand der K&S Seniorenresidenz hatten die Besucher die Möglichkeit, in einen Alterssimulationsanzug zu schlüpfen, um am eigenen Leib zu spüren, wie schwierig das normale Alltagsleben mit den körperlichen Einschränkungen älterer Menschen sein kann. Bewegungen werden schwerer und langsamer. Wer dazu noch eine Brille aufsetzte, die das Sehen mit Grauem Star oder anderen Augenkrankheiten simuliert und den „Zitterhandschuh“ anzog, war dann komplett bedient. „Durch die Erfahrung dieser körperlichen Einschränkungen wollen wir sowohl bei den Angehörigen als auch bei den Pflegekräften Verständnis für alte Menschen fördern und ein besseres Einfühlen ermöglichen“, erklärte Jaqueline Müller, die stellvertretende Leiterin der K&S Seniorenresidenz. Die beiden Babenhäuser Ärztinnen Dr. Constanze und Dr. Annette Herrmann luden auf ihre Liege zum Utraschall-Check der Schilddrüse ein und referierten auch über dieses „kleine Organ mit großer Wirkung“.

Dass Sport treiben der Gesunderhaltung dient, ist allgemein bekannt. Aber nicht jeder kann den inneren Schweinehund bekämpfen. An dieser Stelle leisten seit vielen Jahren der TVB und das medizinische Sportstudio Keck Überzeugungsarbeit. „Seit 1988 bereits haben wir Gesundheitssport im Fokus“, sagte der TVB-Vorsitzende Bert Bernhardt, der selbst eine Herzsportgruppe leitet. Und bei Jörg Keck treffen sich seit über 20 Jahren genau so viele Frauen wie Männer aller Generationen, um unter seiner fachkundigen Anleitung medizinisch orientiertes Fitnesstraining zu betreiben.

Altstadtfest und Gesundheitstage in Babenhausen: Bilder

Ziele und Ideen verwirklichen

Die Organisation der Gesundheitsmesse, die von der Ersten Kreisbeigeordneten Rosemarie Lück und dem Ersten Stadtrat Kurt Lambert eröffnet wurde, lag in den Händen des städtischen Fachbereichs für Soziales und Familie und dem Gesundheitsforum Babenhausen, das sich 2014 gegründet hat und die Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheitsanbieter in der Stadt fördern soll. In ihm treffen sich die unterschiedlichsten Akteure, darunter Ärzte, Apotheker, Seniorenheim-Betreiber, Therapeuten, Sportvereine und Fitnessstudios zum Informationsaustausch und entwickeln gemeinsam Ideen. „Wir freuen uns über weitere Mitglieder“, sagte der Apotheker Dr. Harald Perschbacher.

Begonnen hat alles mit einem Beschluss des Magistrats 2013, der die Firma ASD Concepts beauftragte, ein zukunftsweisendes Konzept zu erstellen, mit dem die wohnortnahe Gesundheitsversorgung sicher gestellt werden kann. Denn der demografische Wandel und der damit verbundene Ärztemangel wurde auch vor Ort deutlich spürbar. „In Babenhausen versorgen die Hausärzte deutlich mehr Patienten als im Durchschnitt des Landkreises“, sagte Regina Lange, Leiterin des städtischen Fachbereichs. Die weitere Ansiedlung von Haus- und auch Fachärzten ist deshalb ein wichtiger Punkt im Gesundheitskonzept der Stadt. „Ein erster Erfolg war hier die Neueröffnung der Augenarztpraxis in der Seniorenresidenz“, so Michael Peter von der Firma ASD Concepts, die auch in die Organisation der Messe eingebunden war. Ziel bleibe die Errichtung eines Gesundheitszentrums mit mehreren Ärzten.

Verwirklicht wurde bereits eine interaktive Plattform im Internet. Hier können sich die Bürger unter www.babenhausen-gesund.de rund um das Thema Gesundheit informieren, finden Ansprechpartner und Adressen. Außerdem war die jetzige Messe ein wichtiger Baustein. „Denn der Bürger braucht das Wissen, was es in der Stadt alles gibt“, sagte Regina Lange.

Quelle: op-online.de

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