Zum Ärger kommt noch Amouröses

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Die Theatergruppe der Kickers überzeugt mit ihrem neuen Stück „Schon wieder Krach im Doppelhaus“. Turbulent ging´s zu auf der Bühne. Hier eine Szene mit Sigrun Saul, Günther Stübinger, Ingrid Klein und Alexander Buia.

Hergershausen - „Huber! Huber! Huber!“ skandiert das Publikum im Saal und klatscht rhythmisch. Die tobende Menge besteht nicht aus angeheuerten Statisten, die das jubelnde Volk geben, sondern aus echten, zahlenden Zuschauern, die spontan Sprechchöre bilden. Von Petra Grimm 

Denn sie sind begeistert von den Wahlkampfversprechen, die Frau Huber (Christa Weinert) als Bürgermeisterkandidatin von der Bühne hinab in den Saal schreit. Untermalt von Blasmusik und mit einem Wahlplakat („Frau Huber macht‘s möglich!“) in der Hand verspricht sie ihren „lieben Wählern“, wenn sie erst Bürgermeisterin von Hergershausen sei, sich zuerst um den seit Langem gewünschten Supermarkt zu kümmern, alle Steuern und Abgaben abzuschaffen und die Einwohner des Stadtteils jeden Sonntagmittag zum Essen ins Bürgerhaus einzuladen. „Kaffee und Kuchen gibt’s dann bei den Kickers, und dazu macht der Lothar Winter Musik. “ Das kommt mehr als gut an beim Volk, das den Saal im Bürgerhaus komplett füllt.

Die Premiere des aktuellen Stücks der Kickers-Theatergruppe am Samstagabend war ein voller Erfolg. Lang anhaltender Applaus, der auch immer wieder während des Stücks aufkam, war der gerechte Lohn für die neun Laienspieler, die von Leni Thomas als Souffleuse sowie Nadine Ullrich und Waltraud Klein als Maskenbildnerinnen unterstützt wurden. „Schon wieder Krach im Doppelhaus“ hieß der Schwank in drei Akten aus der Feder von Dieter Adam, der insgesamt viermal aufgeführt wird. Und das Publikum hat sich köstlich amüsiert über die beiden verkrachten Nachbarsfamilien Rauscher und Astloch, die sich mit ebenso heftigen wie deftigen Verbalattacken bekriegten. Das nach 22 Uhr abgelassene Badewasser oder auch die um Sekunden zu früh durch Rasenmähen beendete Mittagsruhe - kein Anlass war zu nichtig, um die verfeindeten Doppelhausbewohner gegeneinander aufzubringen.

Als Heini und Hilde Rauscher, temperamentvoll gespielt von Günther Stübinger und Sigrun Saul, überraschend Besuch von ihrer Nichte Kerstin Rauscher (Simone Ullrich) erhalten, kommen amouröse Verwicklungen dazu, in deren Verlauf sich Eberhard Astloch (Wilfried Klein) als bisher unbekannter Vater von Kerstin outen muss. Er hatte vor vielen Jahren eine außereheliche Affäre mit Kerstins Mutter Gisela (Ingrid Klein), was nach und nach rauskommt. Das ist natürlich nicht nur ungünstig für den häuslichen Frieden mit Ehefrau Gertrud (Inge Herget), sondern auch schlecht für seinen Wahlkampf. Denn auch der korrekte, von Wilfried Klein mit herrlicher Mimik gespielte Verwaltungsfachmann will Bürgermeister von Hergershausen werden.

Sein in der Halle aufgehängtes Wahlplakat mit dem Schriftzug „Astloch grillt“ erinnerte die Zuschauer nicht zufällig an eine Wahlkampfaktion des inzwischen im wirklichen Leben für Babenhausen neu gewählten Bürgermeisters. Viele originelle Details und aufwändige Bühnendekoration würzten die Aufführung. So haben die Akteure im Vorfeld wohl einen Blumenladen ausgeraubt, um die beiden auf der Bühne aufgebauten benachbarten Gärten mit zahllosen Pflanzen zu begrünen. Humorige Seitenhiebe auf das geliebte Nachbardorf Sickenhofen sorgten erwartungsgemäß ebenso für Lacher wie falsch ausgesprochene oder missverstandene Fremdwörter.

Da die Truppe seit 26 Jahren regelmäßig gemeinsam auf der Bühne steht - die meisten aktuellen Darsteller sind von Anfang an dabei - haben sie inzwischen jede Menge Erfahrung. Auch bei ihrem elften Stück bestätigten sie ihren guten Ruf und sorgten für einen vergnüglichen Abend. „Die Schauspieler sind wirklich alle gut“, urteilte ein Babenhäuser Zuschauer, der schon öfter bei den Kickers-Theaterabenden zu Gast war, wie er sagte. In einer echten Paraderolle war Alexander Buia zu bewundern. Mit großem humoristischen Talent, akkuratem Mittelscheitel und sächsischem Zungenschlag spielte er den dritten Bürgermeisterkandidaten. Als trotteliger Herr von Eschersheim, der ebenso wie Daniel Astloch (Walter Morian) der Punkerin Kerstin den Hof machte, trieb er den Zuschauern Lachtränen in die Augen. Bis auf die letzte Aufführung am Sonntag, 23. November, 18 Uhr, sind alle Theaterabende ausverkauft. Für diesen einen Termin gibt es noch eine Handvoll Restkarten, die man sich bei Horst Herget (Tel.: 06073/61197) sichern kann.

Quelle: op-online.de

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