Turnier bei Hergershäuser Hundefreunden

„Fehler macht der Mensch“

Hergershausen - Fast hat Waltraut Knöß das Ergebnis schon geahnt: „Dari ist sehr unruhig gelaufen, dazu einmal an mir hochgesprungen. Schief gesessen hat er auch noch“, sagt die 66-Jährige aus Neu-Isenburg. Von Michael Just 

Trotzdem vermutet sie, dass sie mit ihrem Briard, einem französischen Hütehund mit langem Fell, von den 100 möglichen Punkten 80 erreicht hat. Als die Wertungsrichter ihr kurz darauf das Resultat mitteilen, liegt dies mit 63 Punkten doch ein ganzes Stück darunter. Der scharfe Blick der Jury machte noch weitere Patzer auf dem Parcours aus. Beim Verein der Hundefreunde Hergershausen konnten sich nun Zweibeiner bei einem Turnier vergewissern, ob die Erziehungsmaßnahmen für ihre Vierbeiner just in dem Moment greifen, wenn’s drauf ankommt. Bei der „Rally Obedience“ geht es um Gehorsam und das Umsetzen diverser Kommandos. Dafür wird ein Feld mit verschiedenen Stationen aufgebaut. Vom einfachen „Platz“ über den Sprung bis zum gemeinsamen Slalomlauf sind darin einige Herausforderungen untergebracht. Beim Slalom lauern unter den Tellern Pansen oder Käse, von deren Geruch sich der Hund nicht ablenken lassen darf. An einer anderen Station muss er sitzenbleiben, während Herrchen oder Frauchen weitergeht.

Ausrichter des Turniers waren die THS-Freunde Rhein-Main. THS steht für Turnierhundesport. Die Hergershäuser Hundefreunde stellten für sie ihr Areal zur Verfügung. Die 44 Teilnehmer kamen aus dem Rhein-Main-Gebiet, so auch aus Hergershausen und Babenhausen. Für einen Start waren Alter und Rasse der Hunde unbedeutend. Insgesamt existieren drei verschiedene Wertungsklassen, die von einfach bis schwer reichen. Für Anfänger (Beginner) und Hunde im Seniorenalter gibt es eine eigene Gruppe. In der Regel sind in einem Zeitfenster von etwa vier Minuten rund 20 Aufgaben zu erfüllen. Mit dem Hund darf gesprochen werden, anfassen erlaubt das Reglement nicht. „Rally Obedience ist eine Möglichkeit, den Hund artgerecht zu beschäftigen“, sagt Michael Keller aus Mühlheim. Laut dem 38-Jährigen sucht jeder Hund nach Aufgaben. Der Sport biete ihm dazu die Möglichkeit. Sein Mischling, den er zusammen mit seiner Freundin hält, ist 17 Monate alt. „Er ist sehr lernfähig, aber auch immer wieder unkonzentriert“, meint Keller. Ein bis zweimal pro Woche geht’s deshalb zum offiziellen Training, darüber hinaus wird bei jedem Gassigehen geübt.

Obwohl für Dari, den Hund von Waltraut Knöß, schon mit acht Wochen das Training begann – er ist fünfeinhalb Jahre alt – ist die Hergershäuser Rally nicht sein Ding. Beim Sprung reißt er die Stange, dazu setzt er sich ohne Befehl. Verärgert ist die Neu-Isenburgerin deshalb nicht. Im Gegenteil: „Die Fehlerchen macht der Mensch, nicht der Hund“, hebt sie heraus und nimmt den Vierbeiner in Schutz. Auf ihren Briard ist sie schon deshalb stolz, da dessen Vater ein erfolgreicher Deckrüde war, der seine Aufgabe in ganz Europa erfüllte. Dass Dari nicht in seine Fußstapfen trat, scheiterte nur daran, dass er mit seiner Größe wenige Zentimeter über der Norm liegt. Briards gelten als rustikale, gut proportionierte Hunde mit lebhaftem und aufgewecktem Charakter. Das macht Aufgaben, die ruhig und bedächtig anzugehen sind, nicht immer leicht. Bei einem anderen Turnier in einer anderen Klassen hat Dari schon gezeigt, was er kann. Da standen sogar 98 Punkte zu Buche. Da sind die 63 im Babenhäuser Stadtteil zu verschmerzen. Als könnte Dari sie verstehen, schaut Waltraut Knöß ihren Liebling nach dem Ergebnis der Jury an und zerstreut die Bedeutung des Urteils: „Du wirst nicht bestraft und nicht verkauft. Du bleibst bei uns.“

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Quelle: op-online.de

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