Nutzung mit großem Aufwand verbunden

Unterkunft für Flüchtlinge: Kaserne noch im Gespräch

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Die US-Kaserne steht seit 2006 leer. Als Erstaufnahmestation für Flüchtlinge wird sie momentan noch nicht in Betracht gezogen.

Babenhausen - Innerhalb weniger Tage ist in Darmstadt eine Zeltstadt für rund 600 Flüchtlinge entstanden, die das überfüllte Erstaufnahmelager des Landes Hessen in Gießen entlasten soll. Von Corinna Hiss 

Doch die Temperaturen werden jetzt rasch kühler, eine Unterkunft in Zelten ist nur eine vorübergehende Lösung. Für das laufende zweite Halbjahr soll der Landkreis Darmstadt-Dieburg nach aktuellen Quotenberechnungen weitere 791 Asylbewerber aufnehmen – eine Zahl, die sich aber rasch erhöhen kann. Um für diese Menschen adäquate Unterkünfte zu finden, prüft das hessische Sozialministerium nun in den Kommunen, wo man Asylsuchende unterbringen könnte. Dabei kommen immer wieder leer stehende US-Kasernen ins Spiel: In Darmstadt hat die Bundesimmobilienanstalt (Bima) ihr Okay gegeben, die Gebäude der Starkenburg Kaserne für die Aufnahme von Flüchtlingen herzurichten. Doch wie sieht es für Babenhausen aus?

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Seit dem Abzug der Amerikaner im Jahr 2006 steht das 140 Hektar große Areal an der B 26 leer. Rund 60 Hektar davon sind bebaut – eine Fläche, die in etwa so groß ist wie die historische Altstadt. Seit Monaten laufen bereits Verhandlungen zwischen der Stadt, einem Investor und der Bima, deren Eigentum das Gelände seit 2007 ist. Anfang dieses Jahres hieß es, dass die Stadt plane, die Kaserne vorübergehend zu erwerben, um sie dann an den Investor weiter zu verkaufen. Ein Baubeginn für 2016 sei bereits vorgesehen: Entstehen solle ein Mischgebiet aus Wohnen, Gewerbe, Kreativquartier und Grünflächen. Ob die Pläne in dem Zeitrahmen umzusetzen sind, ist fraglich. Bürgermeister Achim Knoke war wegen Urlaubs zu einer aktuellen Stellungnahme nicht erreichbar.

Doch obwohl das Gebäude völlig leer ist, von außen noch in relativ gutem Zustand erscheint und Unterkünfte für Flüchtlinge dringender denn je gesucht werden, stünde die Babenhäuser Kaserne derzeit nicht als Erstaufnahmestation zur Debatte. „Der Landkreis hat bereits vor Monaten bei der Bima nachgefragt, welche Kasernen zur Verfügung stehen würden, und da wurde uns für Babenhausen eine klare Absage erteilt“, sagte Erste Kreisbeigeordnete und verantwortliche Sozialdezernentin Rosemarie Lück auf Anfrage unserer Zeitung. Zu den genaueren Gründen konnte sie keine Angaben machen, betonte aber: „Die Wasserleitungen funktionieren dort überhaupt nicht mehr. Das zu reparieren, ist mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Und Zeit ist das, was wir nicht haben.“

Die jetzige Antwort der Bima erscheint allerdings weniger deutlich. „Wir unterstützen im Rahmen unserer Möglichkeiten gerne intensiv die kommunalen und staatlichen Einrichtungen bei der Suche nach geeigneten Objekten zur Unterbringung von Asylbewerbern. Grundsätzlich ist eine Nutzung zur Unterbringung von Flüchtlingen in einzelnen Wohngebäuden der ehemaligen US-Kaserne in Babenhausen möglich. Allerdings sind erhebliche Aufwendungen erforderlich. Dazu zählt etwa die Wiederherstellung der Ver- und Entsorgungsleitungen. Auch eine separate Zufahrt muss geschaffen werden“, heißt es aus der Presseabteilung. Allerdings wird auch dort betont: „Ob die Gebäude letztendlich für Unterbringungszwecke geeignet sind, kann nur vom Bedarfsträger geprüft und entschieden werden. Die Gespräche zwischen dem Land, der Stadt Babenhausen und der Bima dauern an.“

Konkret heißt das: Das Sozialministerium ist noch zu keiner Entscheidung gekommen. Wie der derzeitige Stand der Dinge ist, wollen die Verantwortlichen allerdings nicht preisgeben. „Wir prüfen derzeit über 80 Standorte hessenweit, bitten aber um Verständnis, dass wir diese in diesem Stadium nicht im Einzelnen kommentieren“, lautet die lapidare Antwort aus der Pressestelle des Sozialministeriums.

Die Stadt Babenhausen hat, da die Kaserne Eigentum des Bundes ist, keinen Einfluss darauf, ob dort Asylbewerber untergebracht werden. Mit den eigenen Plänen würde sich das aber überkreuzen – schließlich laufen die Verhandlungen mit dem Investor schon länger. Von Gemeinschaftsunterkünften hält man in der Gersprenzstadt sowieso wenig: In vorangegangenen Gesprächen mit unserer Zeitung ließ Knokes Vorgängerin Gabi Coutandin bereits verlauten, dass es aufgrund des hohen Ausländeranteil von 14 Prozent in der Kernstadt nicht verträglich sei, wenn zusätzlich hunderte Flüchtlinge nach Babenhausen kämen.

Lück kann die Bedenken verstehen. „Die Stadt ist schon lange dabei, das Gebiet zu entwickeln“, sagt sie. Und so lange die Bima kein grünes Licht gebe, könne der Landkreis sowieso nichts tun. Für völlig ausgeschlossen hält Lück aber nicht, dass die Kaserne doch noch als Erstaufnahmestation in Betracht gezogen wird. „In Bezug auf das Flüchtlingsthema ändert sich die Lage permanent“, so ihr Fazit.

Quelle: op-online.de

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