Schwund an Langstädtern

Urgesteine treten nicht mehr an

Babenhausen - In der neuen Stadtverordnetenversammlung werden nach der Kommunalwahl einige Lokalpolitiker nicht mehr zu sehen sein, die das hiesige Geschehen mitprägten – teils seit über 20 Jahren. Von Stefan Scharkopf

„Jetzt ist es einfach mal gut“, sagt Frank-Ludwig Diehl, „es muss auch mal ohne mich gehen.“ Seit 26 Jahren macht Diehl Kommunalpolitik für die Grünen. Noch zwei Stadtverordnetensitzungen, dann ist die aktuelle Legislaturperiode beendet und Schicht im Schacht für den Langstädter. Wenn die Wähler am 6. März die Zusammensetzung des kommunalen Vertretungsorgans neu bestimmen, wird Diehl nicht mehr auf der Liste stehen. Er zieht sich aus der lokalen Politik zurück – zumindest aus der für die Gesamtstadt. Für den Langstädter Ortsbeirat kandidiert er noch.

Frank-Ludwig Diehl (Grüne)

„Ich trage mich schon länger mit dem Gedanken aufzuhören“, sagt Diehl am Telefon, „eigentlich schon seit der letzten Kommunalwahl. Wenn man so lange Politik gemacht hat, bleibt das nicht in den Kleidern stecken. Irgendwann sind die Kräfte eben verbraucht.“ Als beste Zeit im Parlament hat er die CDU/Grüne-Koalition erlebt, wo „vieles auf den Weg gebracht wurde“. Diehl bekam für seine stringente grüne Haltung auch Lob von Leuten, die die Öko-Partei eigentlich nicht wählen. „Ja, das mag so sein, aber für den einen oder anderen war ich sicher auch ein Störfaktor“, sagt Diehl und lacht. Vom gesellschaftlichen Engagement zurückziehen will er sich aber nicht. Amnesty International, Pro Asyl, Umwelt- und Klima-Fragen – das sind Felder, auf denen er sich bewegen möchte.

Zweieinhalb Jahrzehnte saß Rüdiger Manowski für die CDU im Parlament – die meiste Zeit davon an vorderster Stelle. Vom 14. April 1997 bis 31. März 2011 war der Langstädter Stadtverordnetenvorsteher und damit erster Bürger der Stadt. Doch jetzt ist auch für ihn Schluss. „Ich habe immer gesagt, dass die ehrenamtliche Arbeit auch Spaß machen muss. Wenn es keinen Spaß mehr macht, höre ich auf. Jetzt ist es soweit.“ Dass sein Rückzug aus der Politik auch mit der verlorenen Bürgermeisterwahl vom September 2014 zu tun haben könnte, verneint er. „Wenn dem so wäre, hätte ich ja auch gleich alles hinwerfen können. Es ist aber nicht mein Ding, innerhalb einer Legislaturperiode auszusteigen. Nein, ich wollte weitermachen. Meine Entscheidung fiel erst vergangenen November.“

Manowski musste in den 14 Jahren als Parlamentschef so einige Gesetzestexte lesen. Auch heute noch wird er über die eigene Fraktion hinaus zur einen oder anderen verzwickten Angelegenheit um seine Meinung gefragt. Von 100 auf Null runterfahren will Manowski nicht. Er ist beispielsweise beim TSV Langstadt seit Jahren im Vorstand – ein Ehrenamt, das er weiterhin begleiten will.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Führender Vertreter seiner Partei und langjähriges Mitglied im Stadtparlament: Rüdiger Manowski (CDU)

Mal als Duo mit dem früheren Bundestagsabgeordneten Heinrich L. Kolb, mal Einzelkämpferin: Andrea Möbius – auch sie aus Langstadt – zieht sich ebenfalls aus der Kommunalpolitik zurück. „Ich war immer der Meinung, dass zehn Jahre eigentlich reichen sollten. Danach stellt sich Gewohnheit ein, das ist nicht förderlich.“ Dennoch ist es länger geworden für sie. 15 Jahre vertrat sie die Liberalen. „Ein extrem zeitaufwändiges Ehrenamt“, sagt Möbius. Während größere Parteien sich personell splitten und verschiedene Mitglieder in die einzelnen Ausschüsse entsenden konnten, musste sich Möbius meist alleine kümmern. „Ich wollte immer optimal vorbereitet sein und musste viel Zeit investieren.“ So viel, dass sie die Kreisvorstandssitzungen ihrer Partei nicht regelmäßig besuchen konnte. Ergebnis: In der Liste für die Kreistagswahlen taucht die Langstädterin weit hinten auf: „Das ist der Preis für mein kommunales Engagement.“ Sie hätte sich eine neue politische Herausforderung vorstellen können, doch das dürfte nun schwer werden. Gereizt hätte sie auch ein Sitz im Magistrat. Aber diese Option habe sich parteiintern nicht ergeben. So bleibt mehr Zeit für ihre Hobbys wie Gartenarbeit, Reisen, Malen und Klavierspielen.

Immer als Einzelkämpferin war Ingrid Schumacher für die „Bürger für Babenhausen“ Teil des Polit-Betriebs. Seit zehn Jahren sitzt sie im Stadtparlament. „Ich war immer top informiert darüber, was in der Stadt los war“, sagt sie, „und habe viel gelernt.“ In den letzten fünf Jahren nahm die berufliche Beanspruchung zu, und so fiel die Entscheidung aufzuhören; ihr Mann Heinz steht nun auf Listenplatz 1. „Es war eine tolle Zeit, besonders schön war es dann, wenn alle an einem Strang gezogen haben – und zwar in die gleiche Richtung.“ Sichtbarstes Zeichen ihres Einsatzes war der Verkauf des Wasserturms an einen Privatmann.

Hans-Jürgen Lohde (SPD)

Einer der Hauptdarsteller auf der politischen Bühne ist Hans-Jürgen Lohde. Seit 30 Jahren sitzt der Sozialdemokrat im Stadtparlament, war dreimal Fraktionsvorsitzender, hat zuletzt den Finanzausschuss geleitet und war auch kurzzeitig Ortsvorsteher in Hergershausen. „Ich bin jetzt 66 Jahre alt“, sagt Lohde, „da muss man es auch mal gut sein lassen.“ Es gibt aber noch einen weiteren Grund. Lohde verlässt die Gersprenzgestade und zieht mit seiner Frau nach Saarburg in Rheinland-Pfalz. Ein Haus ist bereits gefunden und im Lauf des Jahres will Lohde umziehen. „Man braucht schon ein dickes Fell und Stehvermögen, wenn man Kommunalpolitik macht“, meint er. Schließlich wird man auf der Straße oder in Gaststätten auf Entscheidungen angesprochen. Überhaupt habe sich das Klima in den drei Jahrzehnten verändert. „Diskussionen und manches harte Wort in der Sache gehört dazu, aber es gab auch einiges unter der Gürtellinie“, sagt er. Dennoch: „Das Positive hat überwogen.“

Damit ist die Liste aber noch nicht erschöpft: Auch Karl-Heinz Winter, Norbert Kolb (beide SPD), Thomas Schindler, Beatrice Fischer-Duttiné (beide CDU) sowie Irmgard Petit und Bettina Mathes (beide Grüne) treten nicht mehr fürs Stadtparlament an.

Quelle: op-online.de

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