Haushaltskonsolidierung und hoher Schuldenstand

Vereine in Angst vor Sparzwang

+
Bei der Podiumsdiskussion des Gremiums der Babenhäuser Vereine waren auch die Spitzenkandidaten der Parteien für die Kommunalwahl eingeladen. Sie entscheiden unter anderem, wie die Haushaltskonsolidierung nach dem 6. März ausfallen soll.

Babenhausen - Was wäre die Stadt ohne Weihnachtsmarkt oder Altstadtfest, ohne Turner, Sänger oder Wanderer? In einer Podiumsdiskussion wurde nun über die zukünftige finanzielle Unterstützung der Vereine debattiert – denn es stehen Sparmaßnahmen bevor. Von Ursula Friedrich 

Nicht nur die Wahlen stehen vor der Tür, sondern auch die Haushaltsdebatten im Stadtparlament – und damit die Herausforderung, bis spätestens 2017 einen ausgeglichenen städtischen Etat vorzulegen. Weil dies ohne Kürzungen oder Gebührenerhöhungen keinesfalls zu meistern ist, geht die Angst um. Angst, dass an empfindlichen Stellen des Gemeinwesens der Gersprenzstadt der Rotstift angesetzt wird: den Vereinen. Immerhin gestalten rund 70 soziale, humanitäre, sportliche, kulturelle oder politische Vereine eine blühende Landschaft in Babenhausen.

„Auf keinen Fall wollen wir Gräben aufreißen“, begrüßte Helmut Fendt, Vorsitzender des Gremiums der Babenhäuser Vereine, rund 60 Gäste, die der Einladung zur Podiumsdiskussion „Zukunft der Vereine in Babenhausen“ mit den Spitzenkandidaten für die anstehende Kommunalwahl am Freitagabend gefolgt waren. Moderator Klaus Mohrhardt schärfte den Gästen auf dem Podium ein, den Wahlkampf hinten anzustellen, stattdessen eine konstruktive Gesprächskultur zu pflegen und längst überfällige Verzahnungen zwischen Politik und Vereinsleben herzustellen.

Nach zweieinhalb Stunden Diskussion war dies zwar nicht gelungen, doch ein Anfang gemacht. Wenn es im Zuge der Haushaltskonsolidierung zu Kürzungen an freiwilligen Leistungen für Vereine kommen sollte, ist zunächst ein Gespräch am Runden Tisch mit den Betroffenen geplant. Wie komplex sich Vereinsförderung gestaltet, führte Bürgermeister Achim Knoke aus. Über die direkte Vereinsförderung wurden 2014 gerade einmal 30.000 Euro ausgeschüttet. An zuschussfähigen Vereinsinvestitionen trägt die Stadt zehn (früher 15) Prozent mit, wie im Fall eines Sportfelds in 2014, das mit 55.000 Euro zu Buche schlug.

Dennoch bezifferte Knoke die Ausgaben für Vereinsförderung auf 1,1 bis 1,3 Millionen Euro. In diesem Batzen steckten unter anderem Zuschüsse für die Betreuung von Schülern (93.000 Euro), den Trägerverein des Tierheims (10.000 Euro), Tagesmütter (35.000), die Bereitstellung kommunaler Hallen (66.500 Euro), Reparatur- und Betriebskosten (36.000 Euro) sowie Nutzung der Schulsporthallen (36.000 Euro) und mehr.

Knoke beschwor die Anwesenden um Verständnis für die desolate Haushaltssituation: „Wenn wird 2017 nicht die schwarze Null schaffen, kriegen wir einen Sparkommissar aus Wiesbaden vor die Nase gesetzt.“ In Absprache mit den beteiligten Vereinen waren 2015 bereits die Zuwendungen für große Feste und Märkte um 16.500 Euro gekürzt worden. Die Sorge des Gremiums der Babenhäuser Vereine, in dem sich 18 Vereine zusammengeschlossen haben, über weitere Kürzungen, beziehungsweise der Erhöhung der Nutzungsgebühren für die kommunale Infrastruktur, scheint nicht unbegründet. Klar ist: Entscheidet sich die Stadt für letzteren Schritt, haben Vereine der Stadtteile, die in Hallen und Dorfgemeinschaftshäusern aktiv sind, gegenüber jenen der Kernstadt Nachteile. „Die Besonderheit unserer Diskussion ist außerdem, dass der städtische Haushaltskonsolidierungsausschuss seine Arbeit für den Etat abgeschlossen hat, aber ein neues Parlament erst nach dem 6. März darüber abstimmen wird“, so Mohrhardt.

Die größten Sensationen der Sportgeschichte

Dass Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberger forderte, „die Vereine müssen lebensfähig und die grundsätzliche Förderung erhalten bleiben“, hätte vermutlich jeder politische Vertreter, gleich welcher Coleur, so unterschrieben. Ebenso die Forderung Anja Geißlers (FDP), die Jugendarbeit stärker zu fördern.

Dass Vereine Kulturarbeit leisten, Freizeitaktivitäten bieten, die Lebensqualität erhöhen, Integration von Neubürgern ermöglichen, die Stadt nach außen hin repräsentieren und weitere Vorteile mit sich bringen, stand ebenfalls außer Frage. Die Angst eines Hergershäuser Vereinsvertreters, „wenn Leistungen weiter eingeschnitten werden, kommt es zu einem Vereinssterben“, konnte so niemand ausräumen. Die Einsicht, dass Babenhausens Spitzenkandidaten das Herz am rechten Fleck haben, wurde vom drohenden Sparzwang überschattet. Vereine, quo vadis? Darauf gab es keine Antwort.

Quelle: op-online.de

Kommentare