Feueralarm beendet Schwarzlichtparty

Kerb in Hergershausen: Vier Tage Ausnahmezustand

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Kerbmudder Katja Soder auf dem Wagen mit ihren ihren weiblichen Bodyguards beim Kerbumzug.

Hergershausen - Vier Tage herrschte Ausnahmezustand im größten Stadtteil Babenhausen, denn die Hergershäuser ließen keinen Zweifel, wem die Kerb ist. Immer im Wechsel mit dem SV Kickers managt der Turnverein die große Sause. Und auch in diesem Jahr hatte das TV-Organisationsteam ein Fest mit vielen Höhepunkten auf die Beine gestellt. Von Petra Grimm 

Einer davon der Kerbumzug. Eine Premiere hatte dabei Katja Soder als Kerbmudder im weißen Spitzenkleid und mit Zylinder auf dem Kopf. Sie führte eine Familientradition fort: „Der Zylinder gehörte meinem Großvater Heinrich Aumann, der ebenso wie mein Vater Wilfried Klein vor vielen Jahren schon Kerbvadder war“, sagte sie, umrahmt von ihren weiblichen Bodyguards im schwarzen Anzug, die sie beim Umzug durch die Gassen am Sonntagmittag begleiteten.

Die Kickers-Frauen protestierten mit Nikolausmützen auf dem Kopf gegen die städtischen Sparmaßnahmen, denen auch der Weihnachtsbaum auf dem Dalles zum Opfer fallen soll.

An der bunten Parade mit über 15 Nummern beteiligte sich das halbe Dorf. Die Ortsvereine und jede Menge Freizeitgruppen marschierten begleitet von den Klängen des TVH-Blasorchesters durch die Gassen. Die kleinen Turnermädchen liefen als zukünftige Kerbmädchen im rosa Tütü mit, die Jungs waren als Sportler von anno dazumal unterwegs. Herigar präsentierte ein rollendes Kinderkino. Ein echter Hingucker war der Wagen der Gruppe ANKKB („Als noch kaa Kerbborsche“), die sich der mexikanischen Tradition des „Tages der Toten“ angenommen hatte und als geschminkte Skelette mit großen Hüten und bunten Kleidern mitlief. Eine Männerclique, die sich wegen ihrer gemeinsamen Schlemmerabende „die Steaker“ nennt, war als Rindfleisch-Scheiben unterwegs.

Die Kickers-Frauengruppe protestierte mit Nikolausmützen auf dem Kopf und einem kleinen Weihnachtsbaum auf einem Wägelchen dagegen, dass die Sparmaßnahmen der Stadt auch den Weihnachtsbaum auf dem Dalles einschließen sollen. Die ehemaligen Kerbburschen und -mädchen prosteten sich und den Zuschauern auf einem Wagen als Kerb-Ärzte in weißen Kitteln und mit Mundschutz zu. Der „Verein zur Erhaltung der gesellschaftlichen Sitte“, wie sich eine Clique junger Leute Augen zwinkernd nennt, hatte offensichtlich auf den Dachböden alter Bauernhöfe gewühlt und jede Menge Historisches ausgegraben, das sie jetzt als Bauern und Kühe verkleidet zeigte.

Ziel der rollenden und tanzenden Partyschlange war das Bürgerhaus, wo die neue Kerbmudder ihre Rede hielt. Gemeinsam von Katja Soder, Sabrina Saul und Evelyn Pfeiffer verfasst, sorgte die Ansprache über große und kleine Missgeschicke für Gelächter. Die drei Autorinnen schafften es, dass selbst die aufs Korn genommenen mitlachen konnten. So war von einer Hergershäuserin die Rede, die beim Spaziergang mit dem Urenkel den Kinderwagen aus Versehen im Bach versenkte. Zum Glück ohne Kind. Einer war so genial, beim Entsorgen seiner gebrauchten Kleidung das Handy gleich mit in den Container zu werfen, so das die Altkleider-Firma anrücken musste, um das Behältnis zu öffnen. Die Sparpolitik der Stadt und die vorausgegangenen „Protzjahre“ bekamen ihr Fett weg. Man habe ja kurzzeitig überlegt, der Stadt auszuhelfen und das Freibier am Kerbmontag zu streichen, um das Sponsorengeld der Stadt zu überweisen. „Doch den Gedanke mir schnell widder verworffe. Bevor die es Geld rausschmeiße, werd´s liewer versoffe“, so die Kerbmudder unter dem Applaus der Gäste.

Die Schwarzlichtparty am Freitagabend mit Live-Bands und DJ-Musik fand ein ungeplantes Ende, als am frühen Samstagmorgen ein Unbekannter den Feueralarm auslöste. Die Feuerwehr rückte an und räumte die gesamte Halle. Der traditionelle Kerbtanz am Samstagabend im Bürgerhaus mit der Band „Sunshine Music“ verlief hingegen ohne Zwischenfälle und war wie immer ein Fest für alle Generationen in Hergershausen.

Bilder aus dem letzten Jahr:

Bilder: Farbenfroher Kerbumzug in Hergershausen

Quelle: op-online.de

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