Interview mit Vikarin Ramona Gelber

„Kommunikation ist wichtig“

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In Babenhausen auf dem Weg zur Pastorin: die blinde Vikarin Ramona Gelber.

Babenhausen - Seit einigen Monaten ist Ramona Gelber neue Vikarin der Freien Christengemeinde Gospelhaus in Babenhausen und damit auf dem Weg zur Pastorin. Von Jens Dörr 

Schon nach kurzer Zeit verzückte die 24-Jährige mit ihrer herzlichen Art, besonders aber ihren Predigten die Gläubigen - obwohl sie blind ist. Über ihre Arbeit mit der nicht unerheblichen Einschränkung - Gelber ist von Geburt an blind, kann lediglich helle und dunkle Lichteinflüsse, Schatten und Farben erkennen - spricht sie im Interview mit OP-Mitarbeiter Jens Dörr.

Frau Gelber, wie haben Sie sich in der Babenhäuser Christengemeinde und in der Stadt selbst eingelebt?

Da ich die Gemeinde während meiner Studienzeit bereits regelmäßig besucht und dort mitgearbeitet habe, fiel mir das Einleben nicht schwer. Das liegt aber auch an den Menschen vor Ort, die es mir leicht gemacht haben. Ich bin dankbar für jegliche Unterstützung, die ich aufgrund meiner Blindheit immer wieder bekomme.

Worauf kommt es dabei vor allem an?

Kommunikation ist wichtig. Sie räumt Missverständnisse aus und macht vieles leichter. Weil Kommunikation von beiden Seiten abhängig ist, ist es zum einen wichtig, dass ich erkläre, wie ich Alltägliches erlebe und gestalte - und wo ich auf Hilfe angewiesen bin. Andererseits braucht es ein Gegenüber. Das erlebe ich häufig innerhalb in der Gemeinde, aber auch in der Stadt Babenhausen. Menschen, die fragen, ob sie helfen können oder dürfen, treffe ich immer wieder.

Gibt es ein Beispiel, wo es besonders gut klappt?

Besonders freue ich mich, im Lauftreff des Turnvereins regelmäßig mit anderen joggen zu gehen. Hier sind Menschen offen auszuprobieren, ob es funktioniert, dass jemand, der nicht sieht, mitläuft.

Wo stoßen Sie aufgrund Ihrer Blindheit an Grenzen Ihrer Arbeit?

Ehrlich gesagt kann ich gar nicht genau sagen, wo es bisher Grenzen gab und welche ich schon überwunden habe. Ich konzentriere mich nicht auf Begrenzungen, sondern versuche umzusetzen, was trotz Grenzen möglich ist. An Grenzen stoße ich natürlich immer dann, wenn visuell gearbeitet wird. Zum Beispiel einen Besuch im Krankenhaus zu planen, ist eine Sache – aber wie kommt man da so schnell hin? Eine Powerpoint-Präsentation oder ein unterstützendes Bild würde sicherlich dem einen oder anderen helfen – aber woher weiß ich, was das Richtige ist, wie es aussieht, wie ich es gestalten könnte?

Was beschäftigt Sie in Ihrer Arbeit als Vikarin in erster Linie?

Die Arbeit ist sehr vielfältig, es ist gar nicht so einfach, spezielle Schwerpunkte zu benennen. Ein wesentlicher Bestandteil ist der Gottesdienst am Sonntagvormittag. Im Wechsel mit Pastor David Jocham predige ich zirka zweimal im Monat. Das will natürlich auch gut vorbereitet sein, und so verbringe ich viel Zeit in meinem Arbeitszimmer. Die Bibel gibt es inzwischen ja auch als Hörbuch. Weitere Schwerpunkte sind die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen und die sogenannten Alphakurse.

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Was hat es damit auf sich?

Zu den Alphakursen laden wir alle Menschen ein, die sich mit dem christlichen Glauben auseinandersetzen möchten. Dabei geht es nicht darum, anderen eine Meinung überzustülpen. Jeder ist eingeladen mitzudenken und mitzureden.

Welche besonderen Vorhaben verfolgen Sie neben dem gemeindlichen „Tagesgeschäft“?

Ich bin sehr dankbar, dass wir in Babenhausen und Umgebung bis hin nach Dieburg als Kirchengemeinden zusammenkommen. Hier geht es nicht um die Unterschiede, sondern um die Gemeinsamkeiten. Deshalb finden regelmäßige Treffen der Pastoren, Vikare und Gemeindeleiter statt. Als Evangelische Allianz – der sich in ökumenischer Gemeinschaft auch römisch-katholische Mitchristen angeschlossen haben - machen wir deutlich, dass wir als ganze Christenheit auf dasselbe Fundament bauen und gleiche Ziele verfolgen. Gemeinsam planen wir beispielsweise eine Gebetswoche im Januar, an der wir als Gemeinden an jedem Abend in einer anderen Kirchengemeinde zum Gebet zusammenkommen. Thema dieser Woche ist das Vaterunser.

Welche Rolle spielt der Glaube für Ihr Leben - und auf welchem Fundament beruhen er und Ihre Beziehung zu Gott?

Glaube drückt für mich Lebensinhalt aus. Durch den Glauben erinnere ich mich daran, dass Leben wertvoll und sinnvoll ist und nach dem Tod nicht enden muss. Glaube ist nicht Ausflucht aus dem „richtigen Leben“, er ist alltagstauglich und hat mit allem zu tun, was zu meinem Leben gehört. Das Fundament des christlichen Glaubens und somit auch mein Fundament ist Jesus Christus. Gott, der als Mensch auf diese Erde kam und sich nicht zu schade war, seine Göttlichkeit zu verlassen. Er hat sich in seinem Menschsein auf die Ebene jedes einzelnen Menschen begeben - somit selbst erlebt, was Menschen erleben: von Freude über Trauer bis hin zu schwerstem Leid – um ein Ziel zu verfolgen. Weil jeder Mensch auf eine Art mit Schuld und Fehlern behaftet ist, kann niemand zu Gott kommen, der ohne jegliche Schuld ist. Weil Gott die Menschen, die er erschaffen hat, so sehr liebt, hat er seinen Sohn, Jesus Christus, auf diese Erde geschickt. Er wurde ans Kreuz geschlagen und trug dort die gesamte Schuld und Fehlerhaftigkeit der Menschheit. Jeder, der an ihn glaubt, erfährt Vergebung und bekommt Leben über den Tod hinaus.

Quelle: op-online.de

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