Vorschläge des „Hochwasserrisiko-Managementplans“

Geht Babenhausen unter?

Babenhausen - Die Lachewiesen bleiben trocken, das Erloch bekommt nasse Füße: Dieses Bild zeigt der Hochwasserrisikomanagementplan (HoWaRiMP) für die Gersprenz und ihre Nebenflüsse, der vom Regierungspräsidium Darmstadt in Auftrag gegeben worden ist und aus dem jetzt Vorschläge für Schutzmaßnahmen abgeleitet werden. Von Klaus Holdefehr 

Harmloses Bächlein, bedrohtes Siedlungsgebiet: Die Lache kommt dem Wohngebiet Erloch doch sehr nahe.

Die Starkwetter-Ereignisse der vergangenen Monate geben Anlass, sich einmal die Situation für Babenhausen anzuschauen. Geht Babenhausen unter? Die Frage könnte derzeit auch als Überschrift zur Haushaltslage missverstanden werden, und die Antworten könnten wahlweise lauten: „Uns steht das Wasser jetzt schon bis zum Hals“ oder „Wir sitzen doch eh auf dem Trockenen“. Beides wird jedoch durch die Berechnungen für ein alle 100 Jahre zu erwartendes Hochwasser nicht bestätigt. Das Neubaugebiet „Lachewiesen 1“ grenzt zwar direkt an die Lache, dieses so harmlos wirkende Nebenflüsschen der Gersprenz, doch scheint man da mit einfachen Mitteln für trockene Füße gesorgt zu haben. Wie Christian Heinemann, Leiter des Babenhäuser Bauamtes, auf Nachfrage mitteilt, hat es im Bauleitverfahren die üblichen Anhörungen übergeordneter Behörden gegeben: „Das Regierungspräsidium als zuständige Stelle erklärte im damaligen Verfahren, dass das Baugebiet nicht in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet liegt, allerdings könne es laut Berechnungen des HoWaRiMP zu Ausuferungen der Lache bis in die geplante Wohnbebauung kommen.“

Heinemann weiter: „Da diese Ausuferungen aber nur einige Dezimeter Einstautiefe bewirken, wurde das Baugebiet durch eine Auffüllung leicht angehoben. In der Stellungnahme zur förmlichen Beteiligung der Öffentlichkeit brachte das Regierungspräsidium daher keine diesbezüglichen Anmerkungen mehr vor.“ Alles in trockenen Tüchern, und das Neubaugebiet „Lachewiesen 2“ liegt ohnehin nicht direkt an der Lache. Weitgehende Entwarnung also für Babenhausens Osten. Anders sieht es allerdings im Westen aus. Bei einem 100-jährigen Hochwasser müssten etliche Bewohner des dicht besiedelten Stadtteils Erloch wohl über Baubohlen-Stege balancieren – woran dort die anscheinend doch nicht so harmlose Lache schuld wäre. Im HoWaRiMP werden deshalb einige so genannte Verwallungen – also niedrige Dämme mit 30 bis 50 Zentimeter Höhe – vorgeschlagen, deren Gesamtlänge etwa 900 Meter beträgt.

Dafür sei zunächst der Wasserverband Mümling/Gersprenz zuständig, lässt Heinemann wissen. Es handelt sich um einen Zweckverband, der im Umlageverfahren alle gebotenen wasserbaulichen Maßnahmen plant, finanziert und durchführt.

Geschäftsführer des Verbands ist Heinrich Heß mit Sitz im Landratsamt des Odenwaldkreises in Erbach. Er zeigt sich mit der Babenhäuser Situation vertraut, kennt natürlich auch den HoWaRiMP. „Der Verband hatte eigentlich was anderes vor, eine Querverwallung vor dem Siedlungsgebiet, um damit einen Retentionsraum für die Lache zu schaffen. Jetzt lassen wir durch ein Fachbüro die Vorschläge des HoWaRiMP prüfen. Wahrscheinlich käme eine entsprechende Lösung auf eine Million Euro, eine Querverwallung mit Retentionsraum auf zwei Millionen. Nach der Prüfung werden wir die Ergebnisse der Stadt präsentieren und über das weitere Vorgehen beraten. In diesem Stadium sind wir jetzt übrigens in Münster angekommen, wo es auch um den Bau einer Verwallung geht. In Babenhausen sind wir gegenwärtig eher mit der Umsetzung der EU-Gewässergüte-Richtlinie beschäftigt, etwa mit dem Bau einer Fischtreppe am Wehr der Konfurter Mühle.“

Quelle: op-online.de

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