In Harpertshausen

Wald bleibt bei Grenzgang außen vor

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Doch Orkanböen schrecken 60 Teilnehmer nicht vor einem Rundgang durch Harpertshausen. Von den Orkanböen am Wochenende war der Harpertshäuser Grenzgang beeinflusst. Absagen wollte man ihn nicht, stattdessen liefen die rund 60 Teilnehmer innerorts.

Harpertshausen - „Wir können auf keinen Fall in den Wald!“ - Als am frühen Samstagmorgen Ortsvorsteher Kurt Kratz und Revierförsterin Tanja Wöber diese Entscheidung trafen, war klar, dass der Grenzgang in anderen Bahnen verlaufen wird als sonst. Von Michael Just 

Hatte man in den vergangenen 37 Jahren wettertechnisch von frühlingshaft bis zu zweistelligen Minusgraden schon alles erlebt, zeigten sich diesmal Orkanböen als ein ungewohnter Faktor, der sich nicht ignorieren ließ. Hinzu kam, dass die Regenfälle der letzten Tage die umliegenden Wald- und Wiesenwege unter Wasser gesetzt hatten. Was tun? Absagen wollte Kurt Kratz den Grenzgang nicht. So entschied man sich für ein Alternativprogramm mit einem Weg, der im Ort und an dessen Bebauungsgrenzen verlief. Der Abschluss fand dann im Feuerwehrhaus bei Erbsensuppe sowie Kaffee und Kuchen statt.

Mit rund 60 Köpfen war die Teilnehmerzahl geringer als sonst. Echte Harpertshäuser ließen sich von der Veranstaltung nicht abhalten: „Das Wetter hat mir noch nie was getan“, sagte Heinz Funk (74). Sein Nebenmann warf zudem scherzhaft ein, dass er zur Not auch einen Schutzhelm tragen würde, damit die liebgewordene Tradition nicht ausfällt. Nachdem die Feuerwehr als Kooperationspartner zu Beginn einen wärmenden Julischka ausgeschenkt hatte, ging Kratz in seiner Begrüßung auf die Entwicklungen im Dorf ein. Wie er sagte, sei die Bürgermeister-Tempel-Straße erfolgreich bebaut worden und die Jagdgenosssenschaft habe den Weg vom DRK-Heim zur Aue erweitert. Ins Stocken seien leider die Arbeiten beim Kleinkinderspielplatz geraten. Hier hoffe der Ortsbeirat, dass der Bauträger, die HSE, sie nun endlich zum Abschluss bringt.

Der Aufruf ging auch an die Adresse der Stadt, die beim Grenzgang durch Bürgermeisterin Gabi Coutandin vertreten war. Sie erklärte die Stagnation mit dem Verzug der Fallplatten, die unter die Schaukel kommen. Als gute Nachricht hatte sie parat, dass der Breitbandausbau in Babenhausen vorgezogen werde und die Arbeiten in Harpertshausen bald losgingen. Damit dürfte zum Jahresende schnelles Internet nutzbar sein. Den Wissensdurst stillten auch auch Revierförsterin Tanja Wöber und Vogelkundler Klaus Hillerich aus Groß-Umstadt. Hillerich berichtete über die Vogelwelt im Harpertshäuser Auwald, zu der Hohltaube und Sperber gehören. Auch Schwarzmilan und Wespenbussard seien schon gesehen worden. An der Hohltaube machte der Vogelexperte des Nabu fest, dass Tauben keinesfalls immer nur Stadtbewohner seien. Ihre Gattung würde man vor allem in Wäldern und Parkanlagen treffen. Zum Brüten sei die Hohltaube auf Altholzbestände angewiesen und wegen der Nisthöhlen eng an das Vorkommen des Schwarzspechts gebunden.

Försterin Wöber widmete sich der FSC-Zertifizierung des Waldes. Das Siegel besagt, dass Holz- und Papierprodukte aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern stammen, in denen die Ökologie funktioniert, vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten geschützt und die Rechte von Arbeitnehmern beachtet werden. Für seinen Stadtwald kann Babenhausen das Siegel vorweisen. „Hessen nimmt eine Vorreiterrolle ein. Die schwarz-grüne Landesregierung hat beschlossen, dass bis zum Ende der Legislaturperiode der gesamte öffentliche Wald FSC-zertifiziert ist“, erläuterte Wöber. Auch wenn der Sturm am Wochenende den Grenzgang etwas aus den gewohnten Fugen geblasen hatte, waren die Teilnehmer dann doch fast zwei Stunden mit Informationen und Erläuterungen versorgt worden. Zur Belohnung wartete ein Erbseneintopf sowie für die Jüngsten eine Brezel. Mit eineinhalb Jahren waren das Anouk Keil und mit drei Lenzen Marlon Rupp.

Quelle: op-online.de

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