Krippenspiele an Heiligabend 

Zweifler und Suchende im Krippenspiel

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Beim Krippenspiel in der Stadtkirche wirkte Pfarrer Frank Fuchs (rechts) als Skeptiker über die Existenz Gottes mit. Die Engel führten ihn zum Glauben zurück.

Babenhausen - Ein Pfarrer, der vor lauter schlechter Nachrichten dabei ist, den Glauben zu verlieren, war Thema eines ernsteren Krippenspiels, beim Spiel für die kleinen Kinder suchte ein putziger Darsteller-Tross nach der Herberge. Von Michael Just

Ein Pfarrer, der die Heilsgeschichte anzweifelt? Und das im Gottesdienst an Heiligabend? „Krieg, Gewalt, Flüchtlinge, Hungersnöte – wie kann Gott das alles zulassen? Und dann noch das Kind in der Krippe, schon wieder Elend“, konstatierte Pfarrer Dr. Frank Fuchs, während er in einem Sessel saß und in der Zeitung blätterte. Ein wirklicher Grund zur Sorge über die neue Gesinnung des Pfarrers bestand aber nicht, denn die skeptischen Worte waren in das aktuelle Krippenspiel eingebunden. Hier übernahm der protestantische Pfarrer selbst eine Rolle und stellte einen Mann dar, der durch die Vielzahl schlechter Nachrichten dabei ist, seinen Glauben zu verlieren.

Um das Einstudieren des Stücks hatte sich Fuchs in den letzten vier Wochen selbst gekümmert. „Wir haben die Suche nach Spielern sogar in der Gemeinde ausgeschrieben“, erzählt er. Elf Mädchen und Jungen verschiedenen Alters füllten die Charaktere um die heilige Familie aus. Am Ende wird der Zweifler wieder mit Gottvertrauen erfüllt. Dafür sorgen ein Engel und die Weihnachtsgeschichte. „Wenn Gott selbst bei den Armen ist, dann ist er auch in mir“, so die Botschaft.

Der Nachmittagsgottesdienst bot in diesem Jahr nicht nur ein Krippenspiel: Das zweite flimmerte völlig überraschend von der Leinwand. Die Teilnehmer des Kindergottesdienst hatten die Geschehnisse vor 2 000 Jahren in Bethlehem mit Legofiguren nachgestellt und durch das Aneinanderreihen unzähliger Fotografien einen animierten Film erschaffen. Dafür wurden Schauplätze wie der Kaiserpalast von Augustus, ein Marktplatz mit Wirtshäusern, das Hirtenfeld oder die Krippe gebastelt. „Die Verwendung von Lego war der kreative Aspekt“, erzählen Martin und Steffi Ried, die für die 13-minütige Produktion verantwortlich waren. Zuletzt wurde der Film vertont, indem die Kinder den Figuren ihre Stimmen liehen. Für das kleine Kunstwerk gab es nach dem Abspann großen Applaus.

Groß, größer, Weihnachten - Superlative im Advent

Bei der katholischen Pfarrei St. Josef waren am Heilig-abend ebenfalls zwei Krippenspiele – in beiden Fällen mit lebenden Akteuren – angesagt. Sowohl bei der Krippenfeier der Kleinkinder als auch in der Familienchristmette interpretierte der Nachwuchs die Erzählungen im Lukas-Evangelium. Beide Stücke hatte Gemeindereferentin Claudia Czernek einstudiert. Wie sie sagt, lägen bei ihr nach 30 Jahren genügend Variationen für Krippenspiele mit verschiedenen Schwerpunkten, etwa auf den Engeln oder den Hirten, vor. Beim Spiel der Kleinkinder waren alle Jungen und Mädchen in der Kirche aufgerufen, sich Maria und Josef auf der Suche nach einer Herberge anzuschließen. So zog ein putziger Tross durch die Kirche, bevor er an der Krippe beim Altar hielt. Während das Stück für die Kleinsten mit wenig Text auskam, hatten die älteren Kinder in der Familienchristmette mehr Stoff zum Auswendiglernen. Geprobt wurde jeweils an den Adventssonntagen nach dem Gottesdienst. Zu Beginn traten drei Tagelöhner auf, die feststellten, dass es jemand bräuchte, der zu den Armen hält.

Liebevolle Kostüme: Beim Krippenspiel der Kleinkinder in St. Josef wurde viel Wert aufs Detail gelegt. Foto: Just

Laut Gemeindereferentin dürfe das Stück nicht zu lange dauern, damit noch Zeit für das Abendmahl bleibt. Das lasse sich mit der großen Zahl älterer Besucher erklären: „Viele kommen schon nachmittags, weil ihnen die Christmette um 22 Uhr zu spät ist“, weiß Czernek. Für das Krippenspiel hatten die aktuellen Kommunionkinder das Vorrecht, sich eine Rolle auszusuchen. In diesem Jahr war die Nachfrage besonders groß: Jüngere und ältere Geschwisterkinder sowie Kommunikanten von 2014 wollten ebenfalls in großer Zahl mitspielen. Bei zwei Brüdern fand man eine besonders originelle Lösung: Die Rolle des Herold, der zur Volkszählung aufruft, wurde einfach in zwei Boten geteilt.

Quelle: op-online.de

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