Weihnachtsmarkt in der Kernstadt

Süßes vom Rentier und dem Nikolaus

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Der Babenhäuser Weihnachtsmarkt freute sich am Wochenende über einen großen Besucherandrang. Schmuck und Beleuchtung der Altstadt schufen einen romantischen Einstieg in die Adventszeit.

Babenhausen - Ein Weihnachtsmarkt geht fast immer auch durch den Magen. Doch muss es dabei ausgerechnet „Rentier-Kacke“ sein? „Die gibt es bei uns. Sie dürfen gerne mal probieren“, ruft Renate Hock den Passanten in der Bummelgass zu. Von Michael Just

Wer in das kleine Kästchen zum Probieren greift, darf sich kurz darauf wundern: „Schmeckt irgendwie süß und nach mehr“, lautet eine der Standardantworten.

Natürlich handelt es sich bei den kleinen Kügelchen nicht wirklich um das, was auf der Verpackung steht. Vielmehr sind es Mandeln, die mit dunkler, fahl aussehender Schokolade überzogen sind. Am gleichen Stand warten zudem Likör-Kreationen sowie weitere süße Sachen auf Käufer, darunter Plätzchen oder geriebene weiße Schokolade zum Verfeinern von Heißgetränken.

Neben diesem Büdchen ließ sich am Wochenende an rund weiteren 90 Ständen beim 42. Babenhäuser Weihnachtsmarkt auf Entdeckungstour gehen. Die romantische und besinnliche Atmosphäre, dazu das trockene Wetter, das sich mit wenigen Grad über Null als ideales Glühweinwetter zeigte, zog am Samstag kurz nach Einbruch der Dunkelheit Tausende an. Am Sonntag wurde es dann sogar richtig eng.

Gefragt war natürlich das Essensangebot, aber auch besondere Geschenkideen standen hoch im Kurs. Die ließen sich auf dem Hobbykünstlermarkt in der Stadtmühle finden, dazu in den Geschäften, die sich gestern über „verkaufsoffen“ freuten.

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„Von den mittelgroßen Weihnachtsmärkten gehören wir mit unseren 42 Jahren zu den ältesten der Region. Damals gab es so etwas kaum“, berichtet Helmut Fendt vom Veranstalter, dem DRK-Babenhausen. Wie er sagt, haben sich während der Jahrzehnte viele Vorschriften geändert. So hätte man dieses Jahr einen ziemlichen Kampf mit der GEMA gefochten. Fast 1 300 Euro hätten die bei der Anmeldung des Marktes gewollt. Knackpunkt seien die Bühne und die Gesamtquadratmeterzahl des Marktes gewesen. „Viele Weihnachtsmärkte haben wegen der GEMA ihre Bühne schon abgeschafft“, weiß Fendt. Glücklicherweise habe man sich dann doch noch auf ein Viertel des zuvor anberaumten Preises geeinigt, indem man nur noch den Marktplatz als Beschallungsfläche zu Grunde legte.

Der Nikolaus fehlte auf dem Markt ebenfalls nicht. Die meisten Kleinen traten ihm mit großen Augen gegenüber.

Zur großen Resonanz auf den Weihnachtsmarkt trug auch der Besuch vieler Auswärtiger bei. „Wir haben im Dieburger Anzeigenblatt darüber gelesen“, erzählen zwei ältere Paare aus Reinheim. Sie zeigen sich begeistert, was das Ambiente angeht: „Die Atmosphäre ist toll. Und erst recht die vielen Stände“, führen Franz und Moni, die nur ihren Vornamen in der Zeitung lesen wollen, an. Auffällig ist, dass Franz und Albert die jeweils gleiche Kopfbedeckung tragen. Ihre karierten Mützen, die sie wie englischer Landadel aussehen lassen, haben sie kurz zuvor an einem Hut-Stand erworben. „Ich glaube, der Verkäufer hat gesagt, er kommt aus Afghanistan. Er war gar nicht aufdringlich“, lobt Franz, der mit seinen 72 drei Jahre jünger als Albert ist. Für ihren Erwerb haben die beiden Rentner je 20 Euro gezahlt. „Nach dem Bezahlen hat er noch gesagt, er habe daran nur einen Euro verdient. Das haben wir ihm aber nicht geglaubt“, fügen die beiden Männer hinzu.

Bilder vom Weihnachtsmarkt in Babenhausen

Lange Tradition bei Babenhäuser Weihnachtsmarkt

Auch ihre Frauen scheinen glücklich zu sein. Wie herauskommt, hatte Moni einen entscheidenden Anteil am Kauf der Mütze: „Meine Frau sagt immer, ich würde ohne Kopfbedeckung oben herum so nackt aussehen“, verrät Franz. Da er nun Abhilfe schaffen konnte, hat sich der Besuch in Babenhausen schon gelohnt.

Neben diesen acht glücklichen Augen ließen sich viele weitere, vor allem bei den Kindern, ausmachen. Viele erfreuten sich an Zuckerwatte und anderem Süßem, das die Eltern spendierten. Wer Glück hatte, lief dem Nikolaus über den Weg, der Lebkuchen und Obst aus seinem Sack zauberte. Im Kostüm mit dem Rauschebart steckte Marco Diehl. Der Eppertshäuser, der über Beziehung zu diesem Job kam, feierte seine Premiere als Knecht Rupprecht. Nur in ganz wenigen Fällen hatten die Kinder Angst vor ihm: „Die meisten kommen“, sagt der 31-Jährige. Bei Verweigerung tritt er nicht als Psychologe auf: „Dann gebe ich meine Gabe einfach den Eltern.“ Erfahrung im Umgang mit den Kleinen hat Diehl durch seine Tochter. Wie er erzählt, macht ihm seine Aufgabe ungemeinen Spaß: „Es gibt nichts Schöneres, als Kindern eine Freude zu bereiten.“

Quelle: op-online.de

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