Welcher Job soll´s sein?

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Christoph Fröhlich und Tim Rettig (links) klärten die Babenhäuser Schüler auf, was sie beim Darmstädter Chemiekonzern Merck während ihrer Ausbildungszeit erwartet. Bei der Info-Börse geben rund 40 Firmen Neuntklässlern einen Einblick in Angebote, Anforderungen und berufliche Chancen.

Babenhausen - Mit ihren hellen Labor-Overalls fallen Tim Rettig (19) und Christoph Fröhlich (18) sofort ins Auge. Von Michael Just 

Gehen sie sonst ihrer Ausbildung als Chemikanten bei Merck in Darmstadt nach, ist ihre Bestimmung bei der Job-Info-Börse der Joachim-Schumann-Schule (JSS) eine andere: Mit Ausbilder Frank Meisinger sollen sie den Babenhäuser Schülern berichten, wie man eine erfolgreiche Bewerbung für den Darmstädter Chemieriesen schreibt und wie dort die Lehrjahre aussehen.

Insgesamt bildet Merck in 15 Berufen aus, dazu gibt es vier duale Studiengänge. „Der allererste Schritt ist ein Online-Test. Den sollte man nicht überstürzen sondern in einer ruhigen Minute angehen“, rät Meisinger. Für seine Schützlinge Rettig und Fröhlich dauert die Ausbildung zum Chemikanten drei Jahre. Bisher waren ihre Leistungen so gut, dass sie Merck schon mit einem sechswöchigen Auslandsaufenthalt in der Schweizer Niederlassung des Konzerns belohnt hat. „Wir bekamen eine Wohnung, extra Geld und neue Eindrücke“, können sie berichten. Jetzt steht das Duo vor der Abschlussprüfung und wirft einen rundum positiven Blick auf die bisherigen Lehrjahre: „Es gibt nichts zu bereuen. Im Gegenteil: Wenn wir bald fertig sind, verdienen wir gutes Geld“, sagen sie. Dabei blitzt Vorfreude durch, dass das bisherige Azubi-Gehalt bald passé ist und durch eine weitaus größere Summe abgelöst wird. Da die Chemiebranche boomt, steht der Übernahme der jungen Männer von Merck nichts im Weg. „Von unseren 170 Auszubildenden pro Jahr übernehmen wir nahezu alle. Nur im Gastronomiebereich, wo es eine Lehre zum Koch gibt, ist die Chance geringer. Für so viele Köche gibt es bei uns einfach keine Arbeit“, weiß Meisinger.

Wo Tim Rettig und Christoph Fröhlich schon angelangt sind, wollen die meisten Schüler der höheren Jahrgangsstufen der JSS noch hin. Bei der gestrigen Job-Info-Börse, die vor 17 Jahren gemeinsam mit der städtischen Kinder- und Jugendförderung ins Leben gerufen wurde, stand für die meisten der rund 200 Neuntklässler erstmal Orientierung auf dem Programm. Dafür halfen rund 40 Betriebe, die – nach den Eröffnungsworten durch die stellvertretende Schulleiterin Ursula Pullmann und Bürgermeister Achim Knoke – ihre Ausbildungsmöglichkeiten vorstellten. Größere Firmen luden die baldigen Abgänger gleich zur „Nacht der Ausbildung“ ein, die sich am Freitagabend in Darmstadt anschloss.

Wie sich in zahlreichen Gesprächen zeigte, sind viele Schüler noch unentschlossen, wie sie zukünftig ihr Einkommen bestreiten wollen. Dazu gehört auch Jakob (16), der seine Praktika beim Babenhäuser Tierheim und beim Turnverein absolvierte. Bei der Job-Info-Börse hat er vor, sich beim Darmstädter Zoo (Vivarium) über die Ausbildung zum Tierpfleger zu informieren. „Ich habe gerne mit Tieren zu tun. Allerdings nur Dreck wegmachen will ich auch nicht“, schränkt er ein. Als weitere Info-Stationen hat er das Hotel Ziegelruh und den Internationalen Bund aufgeschrieben, der Sozial- und Bildungsaktivitäten im In- und Ausland unterstützt. „Vermutlich wird es bei mir wohl doch erstmal auf eine weiterführende Schule rauslaufen“, sagt er.

Unentschlossen ist auch noch Alina (16), die ihre Praktika bei der Continental und in der Küche eines Gastronomiebetriebes machte. Eigentlich will sie in Richtung Krankenhaus, aber auch bei der Tierpflege und den Bank- und Versicherungsvertretern schaut sie bei der Job-Info-Börse vorbei. „Ich bin für alles offen. Man muss immer gucken, ob‘s nicht noch was besseres gibt“, sagt sie.

Frank Meisinger gibt derweil denjenigen eine Absage, die glauben, dass ein erfolgreiches Berufsleben nicht ohne vorheriges Studium möglich ist. „Eine Ausbildung ist nicht das Ende der Karriere. Man kann ewig weiterlernen. Zu jedem Ausbildungsberuf gibt es mittlerweile ein weiterführendes Studium“, hebt er heraus. Selbst bei der Berufsfeuerwehr lasse sich im Sicherheitsingenieurwesen noch was draufpacken. Dazu warteten viele Möglichkeiten im Ausland. Allerdings fange jede Karriere mit einer guten Bewerbung an. Hier würden nicht wenige Schüler ihre Zukunft schon verbauen. „Bei den Hobbys hat Chillen einfach nichts verloren. Das passt einfach nicht“, so der Experte. Nicht unterschätzen solle man seiner Meinung die sogenannten „Soft-Skills“, wie Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit oder Verantwortungsbewusstsein. Das seien alles andere als Floskeln. So werde gerade der Begriff „Kommunikation“ beim Darmstädter Pharmaunternehmen groß geschrieben und komme in bestimmten Bereichen ganz konservativ daher: „Wenn einer krank ist, dann sagt er uns das immer noch telefonisch – und nicht über Whats App.“

Quelle: op-online.de

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