Wettbewerb zur erblühenden Altstadt

Für den Bürgermeister eine Rose

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Sie fielen wieder auf: Mit Schreibbrett und Wertungsbogen inspizierte und bewertete die Jury das Grün und die Blumenpracht in der Altstadt Babenhausens .

Babenhausen - Zum siebten Mal läuft in diesem Jahr der Wettbewerb zur Verschönerung der Babenhäuser Altstadt. Prämiert werden dabei Privatinitiativen von Bürgern, die das eigene Haus durch Blumenschmuck und Grün positiv hervorheben und damit die gesamte Straße aufwerten. Am Samstag machte sich die sechsköppfige Jury zum Wertungsrundgang auf. Von Michael Just

Als Wilhelm Spiehl, der ursprüngliche Ideengeber des Wettbewerbs, um kurz vor 10 Uhr mit seinem Elektromobil zum Treffpunkt am Rathaus kommt, liegt in seinem Ablagekorb eine wunderschöne Rose. Die Frage, wer sich auf das Schmuckstück freuen darf, ist schnell beantwortet. „Bei Gelegenheit will ich sie dem Bürgermeister geben“, sagt der Rentner. Die Botschaft, die damit gesendet werden soll, erschließt sich kurz darauf am Rathaus: Befanden sich dort früher unzählige Kästen mit leuchtend roten Geranien, blickt man heute gegen nackte und graue Fassaden. Die einstige Pracht ist den Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen. Für Wilhelm Spiehl ein Rätsel, vor allem mit Blick darauf, dass Babenhausen Touristenstadt sein will. „Ein geschmücktes Rathaus gehört in einem solchen Fall dazu“, ist er sich sicher.

Die Jury besteht aus Vertretern fast aller politischer Parteien, darunter Reinhold Gottstein, Walter Herbert, Anette Funk und Rainer Herwig. Wilhelm Spiehl und Lara Kreß als sachkundige Bürger zum komplexen Thema komplettieren die Runde. In zwei Stunden nimmt sich die Gruppe rund 80 Häuser vor. Geschäfte sind ebenfalls dabei, diese gehen in eine gesonderte Wertung ein.

„Jedes Jahr erhoffen wir uns große Überraschungen, was die Zierde der Häuser angeht“, sagt Reinhold Gottstein. Meist würden die Erwartungen aber nicht komplett erfüllt. „Hausbewohner, die sich schon immer Mühe machen, sind auch das Jahr darauf wieder gut. Andere gewinnen Pflanzen an ihrer Fassade einfach nichts ab“, meint er. Ab und zu kämen neue Ecken mit Blühendem hinzu, manchmal fielen welche weg. Auffallend: Dort, wo junge Menschen oder Personen hinzuzögen, merke man oft, dass weniger gemacht werde. „Bei Älteren haben Blumentöpfe und deren Pflege einfach einen höheren Stellenwert“, weiß Gottstein.

Die Jury achtet bei ihrem Urteil auf Zustand, Aufwand und Gestaltung. An Sachkompetenz fehlt es ihr nicht: „Das ist die schwarzäugige Susanne. Sie wächst ansprechend und hält sehr lange“, konstatierte Walter Herbert an einem Blumenbottich, der neben einem Regenfallrohr auf sich aufmerksam machte. Die dunkeläugige Pflanze stammt ursprünglich aus Südafrika. Ihr Name rührt von dem schwarzen Zentrum in ihrer schönen Blüte, das sich wie ein Auge von den orangefarbenen Blütenblättern abhebt.

Wegen der vielen Blumenarten, die das Entdeckerteam passiert, hat es beim Fachsimpeln nicht immer gleich alle Namen parat: ,,Das sind Kratzajelchen. Ich weiß in dem Fall nur den hessischen Ausdruck!“, sagt Wilhelm Spiehl mit Blick auf eine Veilchenart in der Schlossgasse. „Ajelchen“ ist Dialekt und steht für „Äugelchen“. Mit Hornveilchen bringt Anette Funk den gesuchten Namen in die Runde.

Der Blumenschmuck in der Altstadt sorgt bei der Jury für die Feststellung, dass Menschen, die in Gärtnereien und Blumenläden arbeiten, zu beneiden seien. Schließlich umgebe sie tagtäglich eine Pracht an Farben und Düften. Hobbygärtner Spiehl hätte sich einen solchen Beruf für sich vorstellen können. Dass er als Fliesenleger sein Geld verdiente, hing damit zusammen, dass es damals nicht leicht war, in Gärtnereien unterzukommen. „Und noch viel schwerer, die eigene Gärtnerei aufzumachen“, so der Rentner schmunzelnd. Die Prämierung der Gewinner des Wettbewerbs „Blühende Altstadt“ findet bei den Feierlichkeiten rund ums Altstadtfest statt.

Quelle: op-online.de

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