Sickenhöfer Turnverein erhält einen „Stern des Sports“ für die Integration eines behinderten Jungen

Wichtig ist Austausch mit den Kindern

Die Turngruppe mit den Übungsleiterinnen Dagmar Bartusch (links) und Daniela Mehonic (rechts) mit ihren Schützlingen, darunter Niklas (vorne, 3. v. l.). - Foto: Petra Grimm

Sickenhofen - Seit inzwischen elf Jahren schreiben die Volks- und Raiffeisenbanken zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund den Wettbewerb „Sterne des Sports“ aus. Mit dieser Auszeichnung soll das ehrenamtliche Engagement in den Sportvereinen belohnt werden. Von Petra Grimm

Einen „Stern des Sports“ in Bronze erhielt jetzt der Sickenhöfer Turnverein für die erfolgreiche Integration eines behinderten Jungen.

Fröhlich toben die Kinder im Grundschulalter mit einem großen roten Ball durch die Friedel-Wiesinger-Halle. Mittendrin, nicht weniger ausgelassen, fängt und wirft Niklas (11) den Ball. Er wurde mit dem Edwards-Syndrom (Trisomie 18) geboren. Bei dieser schweren Krankheit ist das Chromosom 18 oder ein Teil davon dreifach statt üblicherweise zweifach in jeder Zelle vorhanden, was zu vielfältigen körperlichen Besonderheiten führt. Die körperliche und geistige Entwicklung ist stark verzögert, kann aber – wie in Niklas Fall – durch entsprechende Förderung verbessert werden.

Für seine Eltern Ramona und Michael Muckenschnabel, die neben Niklas noch drei jüngere Kinder haben, war von Anfang an klar: „Unser Kind soll am normalen Leben teilnehmen und von den anderen als Mensch wahrgenommen werden. Wir verstecken Niklas nicht und haben ihn immer schon überall mit hingenommen“, so die Mutter. „Wir fördern und fordern ihn“, sagt sein Vater.

Ein Baustein im Paket der verschiedenen Therapien ist die Turnstunde im örtlichen Verein, bei dem Niklas mit knapp drei Jahren zunächst in die Mutter-Kind-Gruppe einstieg. Bald schon wechselte er in eine Turngruppe ohne Elternbegleitung.

„Damals konnte er kaum sprechen und lernte gerade erst laufen. Wir bemühten uns, ihn wie alle anderen Kinder zu behandeln. Er bekam natürlich mehr Aufmerksamkeit und wurde auch mehr geknuddelt“, erzählt Dagmar Bartusch, die als Übungsleiterin die Entwicklung des Jungen von Anfang an unterstützt hat. „Für uns im Verein war das ja Neuland und es ist für uns alle jede Woche eine neue Herausforderung, dass Niklas in die Turnstunde kommt. Wir sind dankbar, diese Erfahrung machen zu dürfen. Die nicht behinderten Kinder lernen ungezwungen, mit einem behinderten Kind umzugehen. Umgekehrt lernt Niklas vieles, indem er es sich bei den anderen Kindern abschaut und sie nachahmt“, so die engagierte Übungsleiterin, die die aktuelle Turngruppe der Grundschulkinder gemeinsam mit Daniela Mehonic betreut.

Dass die anderen Kinder im Dorf Niklas kennenlernen und ihn in seiner Besonderheit annehmen und respektieren, war ein wichtiges Motiv für Ramona Muckenschnabel ihren Sohn zur Turnstunde zu bringen. „Natürlich hat er einige Einschränkungen und braucht auch Rücksichtnahme, beispielsweise kann er Gefahren nicht so gut einschätzen und wenn er geschubst wird, fällt er um“, sagt seine Mutter. Aber die Eltern und auch seine behandelnden Ärzte sind davon überzeugt, dass das gemeinsame Turnen mit den nicht behinderten Kindern gut für seine Entwicklung ist. Denn nicht nur die körperliche Beweglichkeit, die Niklas außerdem durch therapeutisches Reiten und Schwimmen trainiert, auch der sprachliche Austausch mit den anderen Kindern habe gute Fortschritte gemacht.

„Er hat sich toll entwickelt, kann bei Ballspielen mitmachen, über verschiedene Bewegungslandschaften turnen und macht sogar bei der Vorbereitung für das Sportabzeichen mit. Wir sind sehr stolz darauf, so viel mit ihm erreicht zu haben. Wichtig war für uns auch, dass er – wie die übrigen Kinder – lernt, Regeln zu befolgen, sich in die Gemeinschaft integriert und gerne zur Turnstunde kommt“, sagt Bartusch.

Quelle: op-online.de

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