Polizeistatistik Darmstadt-Dieburg

Zahl der Straftaten auf Rekordtief

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Zu den Rohheitsdelikten zählen außer Körperverletzungen noch Raub und räuberische Erpressung.  

Darmstadt/Dieburg - Im Landkreis treiben sich offenbar weniger Ganoven herum. Im Jahr 2014 nahm die Zahl der Straftaten jedenfalls noch einmal ab.

Insgesamt wurden 9 472 Fälle zur Anzeige gebracht – im Vergleich zum ebenfalls schon sehr guten Jahr 2013 noch einmal 111 Delikte weniger. „Ein historisches Rekordtief“, ließ die Darmstädter Kriminalpolizei gestern bei der Vorstellung der Kriminalstatistik verlauten. Entsprechend zufrieden mit der Jahresbilanz zeigten sich Polizeidirektor Thomas Raths und einige seiner Kollegen. Insgesamt nimmt das Präsidium mit Aufklärungsquoten von um die 60 Prozent abermals den hessischen Spitzenplatz ein.

Unter den hessischen Großstädten gilt Darmstadt mit einer Aufklärungsquote von 62 Prozent als die sicherste und der Kreis mit knapp über 58 Prozent ebenfalls als einer der sichersten in Hessen. Dabei gilt er im Landesvergleich eher als Wohlstandsregion, in der einiges zu holen ist – wenn auch mit Differenzen zwischen West und Ost, zwischen verstädterten Großkommunen und „plattem Land“.

Eine „Insel der Glückseligkeit“ ist der Landkreis gleichwohl nicht. Raths erinnerte an den Überfall auf ein älteres Ehepaar in Mühltal, das von drei Tätern gefesselt und misshandelt wurde, um die Herausgabe von Wertsachen zu erzwingen. Er erinnerte auch an den Diebstahl von Navigationsgeräten aus sieben Autos in Dieburg – ein Beispiel für moderne Bandenkriminalität, bei der von meist nicht-deutschen Tätern quasi auf Bestellung geliefert wird. Für ein wenig Schmunzeln sorgte er mit der Schilderung des Falles zweier Jugendlicher, denen zur Last gelegt wird, in Vereinsheime und Bauwagen eingebrochen zu sein sowie Motorroller entwendet zu haben. Schmunzeln deshalb, weil sich einer der mutmaßlichen Täter beim Rollerklau in Groß-Zimmern mit seinem Handy selbst gefilmt hat.

Kontinuierlich rückläufige Zahlen

Insgesamt verzeichnen die Kriminalstatistiker für den Kreis von 2005 mit 12 120 Fällen bis 2014 (9472) fast kontinuierlich rückläufige Zahlen. Die Aufklärungsquote hingegen ist von 48,6 Prozent in 2005 auf 58,1 Prozent in 2014 gestiegen. „Vielleicht knacken wir ja bald die 60-Prozent-Marke“, gab sich Raths optimistisch. Hoffnung auf weiter rückläufige Fallzahlen macht der sinkende Anteil der unter 21-Jährigen an den insgesamt 4 729 Tatverdächtigen: Er liegt mit 869 erstmals unter der Tausender-Marke. Während Raths dies auf Erfolge der Präventionsarbeit zurückführte, gaben Kollegen zu bedenken, dass es mit dem demografischen Wandel auch immer weniger Jugendliche gibt.

Nach einem Tiefstand 2008 und 2009 hat der Anteil der Nicht-Deutschen unter den Tatverdächtigen leicht zugenommen, bewegt sich mit etwa 1 440 bei rund 30 Prozent – und ist damit merklich höher als der Anteil der Nicht-Deutschen an der Kreisbevölkerung (etwas über elf Prozent). Einen Teil der Erklärungen lieferten die Kriminalisten mit Schilderungen moderner Bandenkriminalität, etwa organisierten Trickbetrügern und Straßenräubern aus Rumänien oder Dieben hochwertiger Kfz-Technik, die auf Bestellung aus Litauen oder Polen agieren.

Einbrecher und Autoteildiebe im Westkreis

Örtliche Präferenzen sind deutlich: Einbrecher und Autoteilediebe bevorzugen den etwas „fetteren“ Westkreis, auch wegen seiner Nähe zum Fluchtweg A5. Ausreißer im Osten ist das reiche Dieburg, das im Fallhäufigkeitsranking den dritten Platz im Kreis einnimmt. Babenhausen ist gegenüber 2013 weit ins Mittelfeld abwärts gerückt, noch hinter Eppertshausen. In der hinteren Hälfte finden sich Münster, Groß-Zimmern und Groß-Umstadt. Auf die viertletzte Position darf Schaafheim stolz sein, „sicherste“ Kommune ist weiterhin das ländliche Otzberg.

Aber überall ist Wohnungseinbruchdiebstahl wohl das Verbrechen, das die Kreisbewohner am meisten fürchten. Dabei liegt die Zahl der Fälle mit 302 (2013: 330) eher unter der gefühlten Frequenz. Eine Aufklärungsquote von 30 Prozent ist aus polizeilicher Sicht für eine fast immer verdeckt ausgeführte Straftat beachtlich hoch. Die Kriminalisten räumten aber auch ein, dass diese 30 Prozent aus dem Blickwinkel der potenziell Geschädigten kein großer Beitrag zum Sicherheitsgefühl sind.  

sr

Quelle: op-online.de

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