70 Jahre Kriegsende

Zerstörte Gleise, kaputte Loks

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Blick über die Gleise des Bahnhofs Babenhausen am Stellwerk III Richtung Osten. Im Hintergrund ist vage das Stellwerk IV erkennbar, das im Juli 1945 außer Betrieb genommen wurde.

Babenhausen - Der Krieg nähert sich seinem Ende und im März 1945 fliegen die Amerikaner noch Angriffe auf den Babenhäuser Flugplatz und die Gleisanlagen beim Bahnhof. Von Walter Kutscher 

Die Folgen: Die Strecke Richtung Aschaffenburg wird zerstört, Schienen sind blockiert, Gleisanlagen liegen voll mit Schutt. Der Zusammenbruch 1945 lässt in und um Babenhausen an den Gleisen und am rollenden Material zahllose Schäden zurück. Die Bahnhofsfahrordnung (ein interner Fahrplan) weist ab Mai 1945 nur Fahrtmöglichkeiten von und nach Dieburg von Gleis 3 aus.

Der Bahnhof Babenhausen wurde von der vorgesetzten Stelle in Darmstadt beauftragt, für alle Bahnhöfe der Odenwaldbahn zwischen Klein-Auheim und Erbach im Odenwald Informationen über den Zustand der Gleise auf der gesamten Strecke zu sammeln.

Boten zwischen den Bahnhöfen

Da die Verständigung zwischen den Stellwerken der benachbarten Bahnhöfe über Zuginformationen wegen zerstörter Fernmeldeanlagen telefonisch nicht möglich war, verteilte der damalige Bahnhofvorsteher Friedrich Jahnson am 26. April 1945 eine Weisung, nach der folgende Informationen durch Boten zwischen den Bahnhöfen weitergegeben werden sollten (siehe auch beigefügtes Schriftstück): Ist die Bahnstrecke befahrbar oder unterbrochen, welcher Art sind die Beschädigungen und sind Fahrzeuge auf den Gleisen abgestellt? Die ersten Arbeiten bestehen darin, aufzuräumen, Schäden auszubessern und den Eisenbahnbetrieb wieder aufzunehmen.

Bahnhofsvorsteher Jahnson schreibt in seinem Bericht am 27. April 1945 an das vorgesetzte Amt in Darmstadt: „Bei meinem Kontrollgang in Richtung Aschaffenburg habe ich festgestellt, dass neben den entgleisten Wagen in Höhe der Blockstelle Waldmühle in Richtung Stockstadt in Kilometer 69,9 ungefähr fünf Längen Gleis fehlen, scheinbar durch Sprengung“. Diese Stelle befindet sich an der hessisch-bayrischen Grenze im Bereich des Bahnübergangs eines Waldweges zwischen Gersprenz und B26.

So begann der Zweite Weltkrieg

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Weiterhin wird aufgelistet, wie der Gleiszustand im Bahnhof Babenhausen aussah. Hier blockierten beladene und leere Güterwagen die Gleise 3 und 4 und vom Bahnhof Langstadt wird berichtet, dass das Überholungsgleis mit leeren Güterwagen und einer schadhafter Lok blockiert war.

Ein geregelter Personenzugverkehr konnte durch die teilweise blockierten Gleise nicht garantiert werden.

Wenn man heute bedenkt, dass die Bevölkerung in erster Linie überlebensnotwendige Aufgaben bewältigte, ist es bemerkenswert, dass sich viele Menschen im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeiten zusätzlich bemühten, halbwegs normale Bedingungen für das alltägliche Umfeld zu schaffen.

Dies ist umso erstaunlicher, wenn man in der Weisung des Bahnhofchefs den Satz liest, „ob die ersten Arbeiten in Geld bezahlt werden, kann noch nicht gesagt werden“.

Quelle: op-online.de

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