Internationaler Hochhauspreis

Wo die Bäume im Himmel wachsen

+
Preisträger: Die Wohnhochhäuser „Bosco Verticale“ in Mailand des Architekten Stefano Boeri sind mit dem Internationalen Hochhauspreis 2014 ausgezeichnet worden.

Frankfurt - Die Wohnhochhäuser Bosco Verticale in Mailand sind mit dem Internationalen Hochhauspreis 2014 der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden. Von Christian Riethmüller 

Architekt Stefano Boeri und Bauherr Manfredi Catella von Hines Italia nahmen gestern in der Paulskirche den mit 50.000 Euro dotierten Preis entgegen.

In der verdichteten Großstadt sind Wald und Natur weit weg. Um das menschliche Bedürfnis nach Grün zu bedienen, sind neue Ideen gefragt. Ein spektakuläres Experiment ist nun in Mailand zu sehen. Dort sind zwei neue Wohnhochhäuser bewaldet worden. Bosco Verticale - vertikaler Wald - heißt das Projekt des Architekten, Stadtplaners und früheren Kulturdezernenten von Mailand, Stefano Boeri, bei dem Architektur und Natur eine Symbiose eingehen sollen. Zu diesem Zweck sind die Fassaden der beiden 80 Meter beziehungsweise 112 Meter hohen Wohntürme mit insgesamt 800 Bäumen und Tausenden Stauden, Sträuchern und Bodendeckern bepflanzt worden. Die Pflanzen sorgen für eine natürliche Klimatisierung der insgesamt 113 Wohnungen. Um diesen positiven Effekt weiß man zwar schon lange, gleichwohl ist Bosco Verticale eine Pionierleistung. Es gibt noch keine Erkenntnisse, wie die Pflanzen in den obersten Stockwerken auf Wind, Sonne, Regen und Schnee reagieren. Um beispielsweise zu verhindern, dass bei einem Windstoß die Erde davongeblasen wird und 100 Meter tief auf die Straße fällt, hat die Botanikerin Laura Gatti eigens eine festere Blumenerde für die Wurzelballen gemischt.

Es ist nicht zuletzt diese Innovationsfreude, die nun mit dem Internationalen Hochhauspreis der Stadt Frankfurt gewürdigt wird, den die Stadt, das Deutsche Architekturmuseum und die DekaBank gemeinsam alle zwei Jahre ausloben. Wie der Architekt Christoph Ingenhoven, im Jahr 2012 Träger des Hochhauspreises, als Vorsitzender der Jury gestern in Frankfurt sagte, müssen „Hochhäuser auch ein Stück Experiment sein, um die Zukunft dieses Bautypen auszuloten.“ Selbst wenn die auf einfachen rechteckigen Grundrissen basierenden Hochhäuser in Mailand als Bauten „etwas unspektakulär“ daherkämen, seien sie doch spektakulär, sagte Ingenhoven, der Hochhäuser den „wichtigsten Bautypus des Jahrhunderts“ nannte.

Internationaler Hochhauspreis: Die besten Bilder

Internationaler Hochhauspreis: Die besten Bilder

Die Ausstellung „Best Highrises 2014/2015“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zeigt bis 1. Februar alle 26 nominierten Projekte.

Wie Stefano Boeri sagte, sei Bosco Verticale „tatsächlich ein Experiment“. Es sei dabei nicht um Schönheit gegangen, meinte der Architekt, der gemeinsam mit Manfredi Catella den Preis entgegennahm. Catella ist Chef von Hines Italia. Das mit dem amerikanischen Immobilienentwickler Hines verbundene Unternehmen entwickelt in Mailand mit dem Porta Nuova Distrikt derzeit einen ganzen Stadtteil, in dem auch die Bosco Verticale -Hochhäuser stehen. Das Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro soll für ein kulturelles Jugendprojekt in Porta Nuova gespendet werden.

Insgesamt wurden für den Hochhauspreis 26 Projekte aus 17 Ländern nominiert. Sie bilden die Spitze der etwa 800 Hochhäuser, die in den vergangenen zwei Jahren weltweit fertiggestellt wurden. Eine internationale Jury aus Architekten, Planern und Immobilienspezialisten wählte aus den Nominierten neben dem Preisträger vier weitere Finalisten.

Acht Zukunftsvisionen für Gateway Gardens

Acht Zukunftsvisionen für Gateway Gardens

Quelle: op-online.de

Kommentare