Wahlabend in Kranichstein: Wie belastbar sind die Trends?

AfD kostet Darmstädter Landrat die Kreistagsmehrheit

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Landrat Klaus Peter Schellhaas gestern Abend im Gespräch mit Moderator Markus Philip in Kranichstein. Mit dem Einzug der AfD verliert die rotgrüne Koalition ihre Mehrheit.

Darmstadt-Dieburg - 18 Uhr. „Die Wahllokale in Hessen haben gerade geschlossen“, verkündet die hr-Nachrichtensprecherin von der großen Leinwand im Sitzungsaal des Kreistags in Kranichstein. Von Klaus Holdefehr 

Wir – das sind erst wenige – sehen ein Wahllokal min der kleinsten Kommune Hessens, Hesseneck am unteren Ende des Odenwalds, und den zwei Meter breiten Stimmzettel von Frankfurt. Der für den Kreistag Darmstadt-Dieburg war auch zu groß für die Wahlkabine – zumal sich darauf die AfD breit gemacht hat. Die versucht es in 20 von 21 Kreisen und den meisten kreisfreien Städten. „Ein Angstgegner“, heißt es im hr-Fernsehen. Dann kommt von Moderator der erste, noch eher humoristisch gemeinte Trend für den Kreistag mit 129 Stimmen aus Stettbach: SPD 50,1 Prozent, Grüne 21,1 Prozent, AfD über fünf Prozent. Dann kommt Bad Karlshafen über den hr: Dort sind die Freien Wähler stärkste Kraft, die AfD liegt vor der SPD. Kurze Bestürzung auf einigen Gesichtern im Sitzungssaal. Es kommt noch schlimmer: Die zweite Trendmeldung sorgt für noch mehr Grummeln: Auf der Basis von vier (von 244) Wahlbezirken kommt die AfD auf 16 Prozent, für die bisherige rot-grüne Koalition würde es ganz knapp nicht mehr reichen. Sorgen macht auch die Wahlbeteiligung, die zwischenzeitlich mit 35 Prozent ausgewiesen wird. Aber da kommen ja noch die Briefwahlbezirke mit ihrer logischerweise hundertprozentigen Wahlbeteiligung hinzu.

Während die Ergebnisse eher schleppend eintrudeln, verfestigt sich der Trend für den Kreistag, dass die AfD mit rund 15 Prozent rechnen darf, und dass es für Rot-Grün nicht mehr reicht, da beide zusammen nur noch auf 45 Prozent und 32 von 71 Sitzen kämen. Landrat Klaus Peter Schellhaas nimmt‘s im Gespräch mit Moderator Markus Philip relativ gelassen, rät den Parteien, die Endergebnisse abzuwarten, weist aber gleich darauf hin, dass sich die Veränderungen erfahrungsgemäß in der Bandbreite von zwei bis drei Prozent bewegen. Das Kreisparlament werde bunter – und nicht einfacher. Die SPD bleibe stärkste Partei, eine Option sei nun zweifellos rot-schwarz. Tief enttäuscht zeigt sich die grüne Spitzenkandidatin Susanne Hoffmann-Maier, während Astrid Mannes (CDU) schon mal Gesprächsbereitschaft ihrer Fraktion signalisiert. Für den großen Gewinner des Abends, die AfD, zeigt sich Hans Mohrmann fast erschrocken. Kommunalpolitisch hat er nur einen Punkt zu bieten: Eine Absenkung der Kreisumlage von 49 auf 30 Prozent sorgt für gewisse Heiterkeit im Saal.

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