„Homo - Expanding Worlds“ im Landesmuseum Darmstadt

Blick auf die Frühzeit der Menschheit

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Kurator Friedemann Schrenk betrachtet einen 92 000 Jahre alten Schädel eines „Homo sapiens“. Das Fossil wurde 1969 in einer Kalksteinhöhle bei Nazareth (Israel) gefunden.

Darmstadt - Wo kommen wir her? Diese Frage beschäftigt die Menschheit seit jeher. Dienten lange Zeit Legenden von der Erschaffung der Menschen als Erklärung, setzte im 18. Jahrhundert die wissenschaftliche Suche nach unseren Wurzeln ein. Von Christian Riethmüller

Ur- und Frühmenschenfunde wie auch Charles Darwins bahnbrechendes Werk über die Entstehung der Arten führten zur Erkenntnis, dass sich die Gattung Homo allmählich entwickelte. Lange wurde Ostasien als Wiege des Homo erectus angesehen, bis Funde in Afrika ab den frühen 1950er Jahren diesen Kontinent in den Blickpunkt rückten. Trotz aller Erfolge der Paläontologie - der Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdperioden - und etlicher spektakulärer Funde ist die Frage nach dem „Woher?“ aber immer noch eine Angelegenheit von Interpretationen und Deutungen, wie nun eine so faszinierende wie spektakuläre Schau im Hessischen Landesmuseum Darmstadt zeigt.

Die Ausstellung ist flächenmäßig nicht groß und muss sich zwangsläufig auf vielleicht zwei Dutzend Exponate beschränken, doch diese wird man vermutlich niemals mehr in dieser Konstellation zu sehen bekommen. „Homo - Expanding Worlds“ zeigt originale Urmenschenfunde aus fünf Weltregionen: Aus Südost-Afrika (Malawi) aus Südostasien (Indonesien), aus dem Kaukasus (Georgien), der Levante (Israel) und Mittel- und Südwest-Europa (Deutschland, Gibraltar). Ausgestellt werden ein 2,3 bis 2,5 Millionen alter Unterkiefer eines Homo rudolfensis aus Uraha in Malawi, oder ein etwa 1,8 Millionen Jahre alter Schädel und Unterkiefer eines Homo georgicus aus Dmanisi in Georgien. Gezeigt wird auch das berühmte, 1856 gefundene Neandertaler-Skelett, das von ganz entscheidender Bedeutung für die Wissenschaftswelt war. Solche berühmten Hominidenfossilien sind sonst kaum in der Öffentlichkeit zu sehen. Sie lagern geschützt in Safes von Museen oder Forschungsanstalten. In Ausstellungen zur Menschheitsentwicklung sind daher meist Abgüsse zu sehen.

Sensationeller Fund bei Ausgrabungen in Erlensee

Dass in Darmstadt nun für mehrere Wochen gleich mehrere Hominiden-Originale zu sehen sind, hat einerseits mit den baulichen Vorzügen des frisch sanierten Landesmuseums zu tun und andererseits gewiss mit der Reputation der Ausstellungskuratoren Oliver Sandrock und Friedemann Schrenk. Letzterer, Professor an der Goethe-Universität Frankfurt, hatte ja 1991 mit seinen Kollegen vom deutsch-amerikanischen Hominid Corridor Research Project (HCRP) den Homo rudolfensis in Malawi entdeckt. Vor allem Sandrock, der auch für den gelungenen, in fünf sogenannte Hütten aufgeteilten Aufbau der Schau und die erhellenden Zeittafeln und Texte verantwortlich zeichnet, hat seit 2013 immer wieder bei Leihgebern gebettelt - mit Erfolg, wie diese im wahrsten Sinne einmalige Ausstellung zeigt.

„Homo - Expanding Worlds“ ist bis zum 22. November im Landesmuseum Darmstadt zu sehen. Öffnungszeiten: Di, Do, Fr 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 20 Uhr, Sa, So 11 bis 18 Uhr.

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