Beim Unterbezirks-Parteitag der SPD:

Christel Sprößler an der Spitze

Dieburg - Die Aufstellung einer Kandidatenliste für die Kreistagswahl wurde für die Delegierten der Unterbezirksparteitag der SPD zum Belastungstest. Der Versuch, mit einer Liste unterschiedlichen Prämissen gerecht zu werden, gelang erst im dritten Anlauf.

Die SPD-Kandidaten für die Kreistagswahl 2016 auf einem Fleck.

Nur eins war sofort klar: Christel Sprößler wird Spitzenkandidatin. Das war die erste Überraschung gleich zu Beginn beim Blick auf den Listenentwurf. Auch bei den Genossen ist es ansonsten üblich, besonders populäre Amtsträger werbewirksam ganz oben zu platzieren. Was brachte sie also dazu, auf den Werbeeffekt von „Pit“ Schellhaas zu verzichten, der gerade fast mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Amt bestätigt worden ist? Der Sieg einer neuen politischen Moral war’s nur zum Teil. Wie später deutlich wurde, hatten die Regisseure des Kreisparteitags „den Pit“ bereits zum Spitzenkandidaten gemacht, bis dieser selbst dagegen intervenierte. Er wird zwar nach Dieburg ziehen, ist aber noch in Darmstadt gemeldet.

Immerhin sieben Bürgermeister rangieren auf den aussichtsreichen ersten 25 Plätzen der 75 Positionen langen Liste, die nach vielen Umwegen erst am späten Abend als mehrheitlich beschlossen war. Zu diesem im Gegensatz zum Landrat tatsächlich wählbaren Kreis der Amtsinhaber auf kommunaler Ebene zählt auch Christel Sprößler. Sie ist die Bürgermeisterin von Roßdorf und als Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion durchaus als Spitzenkandidatin prädestiniert. Die als Gastredner angesagten „Promis“, Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries und Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel, mussten ihr Kommen wegen anderer Verpflichtungen absagen. Trotzdem wurde der Abend lang, da auch die Versammlungsleitung durch Frank Cornelius nicht verhindern konnte, dass sich die Genossen in komplexer Listen-Arithmetik verhedderten.

Zwei Forderungen

Zwei Forderungen sollte die Liste gleichermaßen erfüllen: die Parität der Geschlechter und die Repräsentanz aller 23 Ortsvereine im Kreistag. Weil das schwierig wurde, gab es vorab eigens eine Satzungsänderung: Statt dem Muster „Frau, Mann, Frau, Mann, …“ galt nun „Frau, Mann, Frau, Mann, Wildcard für jeden fünften Platz“ - weil auch in der SPD die Frauen immer noch deutlich in der Minderzahl sind. Der vom Vorstand um Patrick Koch vorgelegte Listenentwurf entsprach jedoch schon in der Spitze nicht diesem Muster. Auch eine zweite Variante wurde wegen rechtlichen Mängeln abgelehnt. Erst eine dritte entsprach den formalen Vorgaben, sodass die Zählkommission gegen 22 Uhr 100 Stimmen der 126 anwesenden Delegierten dafür verkünden konnte. Einige machten auch von der Option Gebrauch, über einzelne Personalvorschläge gesondert abzustimmen. Das habe aber nicht zu einer Veränderung der Positionen auf der Liste geführt, versicherte Sabine Wohlleben von der SPD-Geschäftsstelle.

Ein wenig müde wirkten die Genossen, von denen etliche mit Unmut auf das „Listenchaos“ reagiert hatten. Vielleicht hielt sich Sprößler deshalb kurz mit ihrer Einstimmung auf den Kampf um eine Mehrheit am 6. März.

sr

Rubriklistenbild: © p

Kommentare