„Revolution auf Gebiet der Erdbeobachtung“

Satellit Sentinel-3A soll Umweltschäden erkennen

+
Vom Plesetsk Kosmodrom im Norden Russlands wurde der Satellit Sentinel-3A mit einer Trägerrakete in die Erdumlaufbahn gebracht.

Darmstadt - Beim Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) läuft alles nach Plan. Von Axel Wölk

Jetzt schickte die Darmstädter ESA-Tochterorganisation vom nordrussischen Plesetsk aus den Satelliten Sentinel-3A in seine polare Umlaufbahn rund 800 Kilometer über dem Erdball. „Das ist eine Revolution auf dem Gebiet der Erdbeobachtung“, schwärmte Staatssekretärin Dorothee Bär vom Verkehrsministerium in Berlin. Am Dienstag um 18 Uhr 57 (MEZ) hob die Rockot-Trägerrakete mit dem Satelliten an Bord ab. Die Rockot ragte 30 Meter in den russischen Nachthimmel hinein und wog 107 Tonnen. Als sie nach einem halbstündigen Countdown letztlich hochschoss, hinterließ sie auf dem Kosmodrom ein gewaltiges Flammenmeer. Noch einige Minuten lang war sie per Kamera zu sehen, bevor sie unsichtbar in der Nacht verschwand. Genau anderthalb Stunden später meldete sich der Satellit dann in Darmstadt. „Wir haben das Signal empfangen“, hieß es lapidar aus dem Kontrollzentrum, während im Veranstaltungssaal der erleichterte Applaus der versammelten Raumfahrtingenieure, Wissenschaftler, Firmenvertreter und Politiker aufbrandete.

Der jetzt gestartete Satellit sowie der Sentinel-3B, der in knapp eineinhalb Jahren von Französisch-Guayana aus starten soll, werden mehr über den Zustand der Ozeane verraten. „Wir können das Wetterphänomen El Niño und Umweltverschmutzung sehen“, jubelte ESA-Direktor Volker Liebig. Mit den beiden Satelliten lässt sich letztlich der Wasserstand der Ozeane auf bis zu zwei Zentimeter genau bestimmen. Die in fünf Monaten den Normalbetrieb übernehmende, ebenfalls in Darmstadt sitzende Eumetsat misst die Temperaturen der Weltmeere mit einer Genauigkeit von 0,2 Grad Celsius. Auf diese Weise ermitteln die Darmstädter akkurat, wie viel Wärme in den Ozeanen gespeichert ist. So lassen sich Wetter und Klimawandel noch genauer als bisher vorhersagen.

Im Kern drehe es sich um zwei Schlüsselfragen, bekräftigt Institutsdirektor Detlef Stammer von der Universität Hamburg: „Wie beeinflussen die Ozeane die Erderwärmung und wie ändern sie sich zugleich selbst? Außerdem: Wie sieht es mit dem Gesundheitszustand unserer Meere aus?“ Die Beantwortung dieser Fragen ist durchaus bedeutsam. Beispielsweise wird die Schifffahrt sicherer. Kapitäne erhalten Informationen zur Position von Eisbergen präzise und zuverlässig in Realzeit. Drohen Stürme, sind sie stets auf dem neuesten Informationsstand. Außerdem können die Darmstädter Klimaforscher beschreiben, wie überfischt die Weltmeere sind. Das könnte Einfluss auf die Politik nehmen, die über Fangquoten entscheiden muss. Zugleich ermöglicht das Sentinel-3-Tandem Kontrolle und Durchsetzung geltender Fischereiregeln. Auch die Verschmutzung der Ozeane kann das Satellitenpaar aufdecken.

Studenten lassen Roboter fremde Planeten erkunden

Mit ihrem Erdbeobachtungsprogramm Copernicus untermauern die Europäer im Nachklang zum Pariser Klimaabkommen einmal mehr ihre Vorreiterrolle in der Umweltpolitik. Insgesamt werden rund zehn Satelliten in eine erdnahe Umlaufbahn geschossen. Die Europäer erhoffen sich ein Rekordvolumen von Daten zu Klimaänderungen, Vegetation, Bränden, Luftverschmutzung oder auch den Zustand der Meere. Diese Daten sind für jedermann frei zugänglich. Kommerzielle Unternehmen nutzen sie etwa für ihre Wetterprognosen. Doch auch Schwellen- und Entwicklungsländer profitieren von diesem Programm. „Jede Nation kann unsere Daten verwenden“, betont Liebig.

Raumfähre Endeavour: Spektakuläre Bilder aus dem All

Kommentare