Landrat schwört Genossen auf Wahlkampf ein

Vorne „Pit“ Schellhaas, hinten Lokalkolorit

Im Beisein vieler Genossen – darunter auch etliche SPD-Bürgermeister – ist Landrat Klaus Peter Schellhaas am Donnerstagabend in Groß-Umstadt in den Wahlkampf gestartet. - Foto: p

Gross-Umstadt - Wiedererkennungswert soll er schon haben, der Landrat „Pit“ (Klaus Peter Schellhaas) – aber für die potenziellen Wähler lokal-individuell hinterlegt: Landrat à la Dieburg beispielsweise ist ein Plakat mit Schloss Fechenbach im Hinter- und Schellhaas im Vordergrund. Von Lisa Hager

Und so geht es die restlichen 22 Kreiskommunen weiter: Jede Stadt, jede Gemeinde soll sich wiedererkennen. Das ist nur eine der Strategien, die das rund 80-köpfige Wahlkampfteam für den sozialdemokratischen Amtsinhaber, der sich nach seiner ersten Legislaturperiode zur Wiederwahl stellt, ersonnen hat. Bei der Wahlkampferöffnung im Haus der Winzergenossenschaft Groß-Umstadt stellten sich die rund 100 Genossen – darunter auch Schellhaas’ Vorgänger Alfred Jakoubek aus Roßdorf und etliche SPD-Bürgermeister – geschlossen hinter den 54-jährigen Amtsinhaber.

In einer engagierten Rede, die mit minutenlangem Applaus belohnt wurde, verdeutlichte er, warum er ab sofort vehement zur Verteidigung des Chefsessels im Landratsamt aufrufe. „Wir wollen gemeinsam agieren, geschlossen und selbstbewusst“, sagte er. Dem ehemaligen Bürgermeister von Modautal machte gleich zum Amtsantritt 2009 im Landratsamt die Weltwirtschafts- und Finanzkrise einen dicken Strich durch die Rechnung. Während sein Vorgänger noch mit einem Überschuss haushalten konnte, startete Schellhaas in seinem ersten Doppelhaushalt mit einem satten 54-Millionen-Euro-Defizit. Dennoch habe man beispielsweise in den sechs Jahren seiner Amtszeit 250 Millionen Euro in die Schulen investiert, rechnete er vor. Und vor allem den Ausbau der Kreiskliniken und die Optimierung der Gesundheitsversorgung habe man trotz der finanziellen Probleme vorangetrieben.

Krankenhausfusion als positiv gesehen

Auch Vermutungen, dass der Kreis Vorbehalte gegen den Erwerb der katholischen Krankenhäuser, Marienhospital in Darmstadt und St. Rochus in Dieburg, durch das Klinikum Darmstadt haben könnte, trat er entgegen: Es störe überhaupt nicht, dass sich die Häuser zusammengeschlossen hätten. „Wir brauchen südlich von Frankfurt einen starken Klinikverbund“, so Schellhaas. „Auch wir werden uns in den Verbund begeben, die Gespräche mit Darmstadt laufen weiter“, kündigte er an.

Mit der Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums in Ober-Ramstadt unter dem Dach der Kreiskliniken habe man einen weiteren Baustein gesetzt. Schellhaas trat fest entschlossen vor seinen Parteifreunden und Anhängern auf, seiner ersten Amtszeit eine weitere folgen zu lassen: „Ich möchte meine Arbeit für unseren Landkreis und für die Menschen in unseren 23 Städten und Gemeinden fortsetzen“, rief Schellhaas seinen Unterstützern zu. Er selbst habe keinen Moment gezögert, wieder zu kandidieren – trotz seiner 70- bis 80-Stunden-Woche.

Die Haushaltskonsolidierung aus eigener Kraft, weitere Investitionen in Bildung und in die Schulen vor Ort, die Sicherung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, sowie die Weiterentwicklung der Kreiskliniken, der Breitbandausbau für ein schnelles Internet und eine engagierte Wirtschaftsförderung, das alles will Schellhaas fortsetzen.

„Gemeinsam mit unseren Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern vor Ort, mit Rosemarie Lück und mit Christel Fleischmann an der Spitze unserer Kreisverwaltung möchte ich an unsere Erfolge anknüpfen“, kündigte er an. Zum Wahlkampfauftakt waren eine Reihe sozialdemokratischer Verwaltungschefs gekommen, darunter der Vorsitzende der Landkreis-SPD, Pfungstadts Bürgermeister Patrick Koch und Christel Sprößler, Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion und Roßdorfs Gemeindeoberhaupt. Sie stellt sich in Roßdorf ebenso wie SPD-Amtsinhaber Karl Hartmann in Reinheim, am 19. April ebenfalls zur Wiederwahl.

Gekommen war auch Christian Flöter, Vorstandssprecher der Kreis-Grünen, die Schellhaas Wiederwahl unterstützen. Die Grünen verzichten auf einen eigenen Landratskandidaten. „Geht raus und redet mit den Menschen, überzeugt sie von unserer guten Arbeit, sagt, was wir aus eigener Kraft gerade bei der Haushaltskonsolidierung -– ohne einen Cent aus dem Rettungsschirm des Landes –gemeinsam geschafft haben, lasst euch unsere Erfolge von den anderen nicht schlecht reden“, rief Schellhaas seinen Anhängern am Ende seiner Rede zu, in der er mit keinem Wort auf seine bisherigen Mitbewerber, CDU-Kandidat Dr. Werner Thomas (Dieburg) und Kandidat der Piraten, Peter Löwenstein (Münster), einging.

Mehr zu Schellhaas gibt es auf seiner Homepage.

Im Übrigen sei er der Meinung, so Schellhaas augenzwinkernd, dass der Landkreis nicht unbedingt ein neues Gesicht brauche. Denn: „So arg schlecht seh‘ ich ja auch gar net aus.“

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