Geständige wollen ihre Tat klein reden

Eiertanz um Wahrheit zum Raubüberfall im Baumarkt

Groß-Umstadt/Darmstadt - Seit gestern müssen sich vier Angeklagte vor der großen Jugendstrafkammer des Darmstädter Landgerichts wegen eines Überfalls auf einen Groß-Umstädter Baumarkt Ende 2014 verantworten, bei dem ein Angestellter erheblich verletzt wurde und rund 35.000 Euro erbeutet worden sind.

Ein fünfter mutmaßlicher Tatbeteiligter ist flüchtig. Die vier Männer im Alter von aktuell 21 bis 23 Jahren sind nur wenige Tage nach der Tat festgenommen worden und sitzen seitdem in unterschiedlichen Haftanstalten. Nach Monaten haben sie sich gestern vor Gericht erstmals wiedergesehen, und obwohl teilweise von freundschaftlichen Beziehungen die Rede war, schien den beiden mutmaßlichen Drahtziehern jeweils die eigene Haut näher. Der Vormittag des ersten Verhandlungstages verging zäh mit ihren Einlassungen, bei denen sie sich beide grundsätzlich geständig zeigten, ihren Tatanteil aber klein zu reden versuchten und damit zwangsläufig den anderen belasteten. Richter Jens Aßling war schließlich vom drei Stunden währenden Eiertanz um die Wahrheit sichtlich genervt.

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Bis jetzt lässt sich aus den Aussagen etwa folgender Hergang destillieren: Am Anfang, 2013, war eine Idee. Die hatte ein heute 22-jähriger, bis zur U-Haft in Groß-Umstadt wohnhafter Angestellter des Baumarkts. Er räumte vor Gericht ein, dass er mitbekommen habe, wie durch Sonderverkaufsaktionen immer wieder größere Geldmengen im Markt angesammelt wurden und dass man relativ leicht da rankommen müsste, weil der Markt über keine Videoüberwachung verfügte und die Angestellten angewiesen seien, im Falle eines Überfalls zum Schutz des eigenen Leibs und Lebens keinen Widerstand zu leisten. Mit diesem Wissen habe er im Freundeskreis geprahlt. Zu diesem Freundeskreis zählte ein heute 23-jähriger Mann, der bis zu seiner Festnahme im Groß-Umstädter Stadtteil Semd gewohnt hat und in Mainz Betriebswirtschaft studierte. Man habe bei Treffen immer wieder mit Gedanken gespielt, wie man an das Geld kommen könne, ohne dabei jedoch konkret zu werden, erzählte der ziemlich eloquente Ex-Student vor Gericht und schilderte den weiteren Verlauf so, als sei aus dem vom seinem Kumpan als „Kopfkino“ bezeichneten Spiel Ende 2014 eher ungewollt Realität geworden.

Auf nachdrücklichen Vorhalt des Richters räumte er nach einer Sitzungspause aber ein, dass er schon Ende 2013 mit seinem Kumpan und einem weiteren, damals in Groß-Zimmern wohnhaften Bekannten maskiert einen Überfall versucht habe. Doch das Trio hatte „zu viel Schiss“. Da scheint man sich dann wohl „Profis“ aus dem Bremer Raum ins Boot geholt zu haben. Den Kontakt zu den einschlägig vorbestraften Männern soll der 23-jährige Groß-Zimmerner hergestellt haben. Dass die „Profis“ den Löwenanteil von 80 Prozent des erbeuteten Geldes erhalten sollten, die „Drahtzieher“ nur 20, bestätigten die beiden Beschuldigten aus Umstadt unisono. Mit Anreise der Bremer zur Tat am 14. November 2014 soll das „Kopfkino“ dann aus dem Ruder gelaufen sein.

sr

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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