Europäische Raumfahrtagentur in Darmstadt

Lisa-Mission: Einsteins Theorie nachweisen

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Das undatierte Handout zeigt eine künstlerische Darstellung des Satelliten „LISA Pathfinder“.

Darmstadt - Gravitationswellen sind äußerst schwierig zu messen. Die Europäische Weltraumorganisation Esa will dies in einer ambitionierten Mission im All tun. Die Region Rhein-Main wird dabei ganz vorne mitmischen. Von Axel Wölk 

Gut ein Jahr nach der erfolgreichen Kometenmission Rosetta betritt die europäische Raumfahrt abermals Neuland. Diesmal will die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) mit der sogenannten Lisa-Mission einen zentralen Baustein in der Relativitätstheorie Albert Einsteins nachweisen. Die Region Rhein-Main wird dabei ganz vorne mitmischen. „Darmstadt macht für Lisa die ganze Arbeit. Aus dem dortigen Kontrollzentrum kommen die Befehle für die Experimente“, sagte ESA-Operationsleiter Paolo Ferri unserer Zeitung.

Seit fast zwölf Jahren arbeitet die ESA gemeinsam mit dem Mischkonzern Airbus und dem Technologieunternehmen Vega an dem ehrgeizigen Projekt. Entsprechend herrschte am frühen Donnerstagmorgen im Darmstädter Kontrollzentrum gespannte Aufregung ebenso wie in Französisch-Guayana, von wo aus die Trägerrakete mit dem Satelliten an Bord abhob. Am Vortag musste der Start noch kurzfristig wegen technischer Probleme verschoben werden.

Gegen 7.30 Uhr kam der erlösende Satz aus dem Kontrollzentrum in Darmstadt: „Wir haben eine Mission. Daumen hoch.“ Das Aufatmen dürfte rund um den Globus gegangen sein. In der ganzen Welt wollen rund 1000 Astronomen und Wissenschaftler mit den Daten arbeiten, die Lisa liefert. Etwa 50 Spezialisten werden allein am Europäischen Satellitenkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt an dem Projekt arbeiten. Im Kern geht es darum, Gravitationswellen zu messen, die sich zwingend aus der Relativitätstheorie ableiten lassen. Bisher ist der Nachweis dieser Wellen noch nie geglückt. Kurioserweise hielt Einstein selbst diesen für vollkommen unmöglich. Zu winzig sind diese Kleinstwellen, sie machen wohl gerade mal ein Millionstel eines Atoms aus. „Selbst Genies können sich irren“, prognostiziert ESA-Missionswissenschaftler Oliver Jennrich selbstbewusst.

Der Satellit Lisa ist um zwei goldene Würfel herum gebaut. Beide haben einen Abstand von 38 Zentimetern zueinander. Sobald der Satellit seinen Standort rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt gefunden hat, sollen die Würfel immer wieder in freien Fall gesetzt werden und damit zeigen, ob sich die winzig kleinen Wellen tatsächlich messen lassen könnten. Die rund 430 Millionen Euro teure Mission selbst wird dann aber zur Vorreiterin für die ultimativen Experimente mit dem Folgeprojekt Elisa. „Für das Jahr 2034 haben wir den Start dieses Satelliten geplant“, blickt Ferri weit in die Zukunft.

Der Testversuch mit Lisa sei dringend geboten, versichern die Raumfahrtingenieure. Das endgültige Projekt werde in ganz andere Dimensionen vorstoßen, erläutert Airbus-Direktor Eckhard Settelmeyer. „Bei Elisa muss der Abstand beider Würfel zueinander zum Beispiel rund fünfeinhalb Kilometer betragen.“ Das schlägt sich selbstredend auch in einem deutlich höheren Budget nieder. Die Europäer wollen gemeinsam mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa erst einmal testen, ob die ausgetüftelte Technik den Praxistest besteht. Auf der Erde sind diese Studien prinzipiell nicht möglich.

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Bezeichnenderweise ist Lisa fast auf den Tag genau 100 Jahre nach Veröffentlichung der Allgemeinen Relativitätstheorie ins All abgehoben. „Das ist so, als ob wir plötzlich neue Augen haben“, jubelt Ferri. Schwarze Löcher und teilweise sogar die Geschichte des Universums ließen sich womöglich entschlüsseln. „Das ist ein enormer Fortschritt für uns.“

Läuft alles nach Plan werden die Europäer mit Lisa ihre Experimente Anfang dieses Frühjahrs für drei Monate aufnehmen können. Anschließend soll die Nasa für den gleichen Zeitraum das Heft des Handelns in die Hand bekommen. Die Mission lässt sich aber noch um sechs Monate verlängern. Für Ferri geht der Blick sowohl nach vorne als auch zurück. Mit einem Lächeln erinnert er sich an die Kometenlandung im November vor einem Jahr. „Das war alles etwas völlig Neues.“ Diesmal ließe sich das Projekt stärker nach gewohnten Routinen steuern. Lisa selbst spiele dabei durchaus in einer Liga mit Rosetta. Mehr noch: „Für die Wissenschaft könnte Lisa wichtiger sein.“

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