Starker Reigen poetischer Bilder

Verdis „Rigoletto“ am Staatstheater Darmstadt

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Technisch enorm sicher: Anna Palimina glänzte in Karsten Wiegands Darmstädter Inszenierung als Rigolettos (Sangmin Lee) Töchterchen Gilda.

Darmstadt - Intendant Karsten Wiegand erzählt das dramatische Geschehen am Hof von Mantua fantasievoll nach und landet damit einen Erfolg. Von Axel Zibulski

Das Wesentliche verhandeln die Herren der Schöpfung, na klar, auf der Herren-Toilette – auch die Höflinge am Hof von Mantua, denen es unter den schmucken Hosen sichtlich pressiert. So amüsant Karsten Wiegand uns mit Blick auf die keramische Abteilung des Herzogs in seine Darmstädter Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Oper „Rigoletto“ auch einführen mag: Es geht schnell todernst zur Sache, sobald der Graf Monterone den Herzog und seinen Hofnarren verflucht, für die Entehrung der gräflichen Tochter den einen, für seinen bösen Spott den anderen.

Karsten Wiegand, seit zwei Jahren Intendant des Darmstädter Staatstheaters, erzählt in seiner eigenen Inszenierung Verdis Oper über den Herzog, der bald auch die Tochter Rigolettos verführen wird, erfreulich linear nach: Für die Schlüsselszenen genügt ihm dafür eine annähernd leere, dunkle Bühne, von Bärbl Hohmann vor allem mit schweren Kronleuchtern ausgestattet. Dort lenkt nichts vom Kern des Dramas ab, auch wenn sich die eigenwillige Idee nicht unbedingt nachvollziehen lässt, dass Rigolettos Buckel ausgerechnet dann verschwindet, als alle von der Existenz seiner Tochter Gilda erfahren. Gehemmt ist er vor allem, weil ihm Alfred Mayerhofer ein Kostüm zugewiesen hat, das seine Arme verbirgt und dementsprechend seinen Handlungsradius empfindlich einschränkt.

Insgesamt freilich ist am Staatstheater Darmstadt ein enorm bildstarker „Rigoletto“ gelungen, der seinerseits auf früheren Inszenierungen Wiegands in Hannover und Weimar basiert. Sei es der immer wieder gleiche Zaubertrick, mit dem der Herzog für jedes neue Opfer eine Rose aus dem Ärmel schüttelt, sei es, ein hoch poetischer Einfall, das einsame Schaukeln von Rigoletto und Töchterchen Gilda auf einem herabgesenkten Kronleuchter: Bis zum Auftragsmord, mit dem sich Rigoletto am Herzog rächen will, und der fatal die eigene Tochter trifft, ist alles klar und anschaulich erzählt.

Deshalb irritieren am meisten die vereinzelten „Buh“-Rufe am Ende des Premierenabends. War es etwa das zwielichtige Etablissement des Auftragsmörders Sparafucile (jung und elegant: Vadim Kravets) und seiner höchst reizvollen Schwester Maddalena (Amira Elmadía), die allzu arg verstörten? Die musikalische Seite freilich korrespondierte mit der Szene vorzüglich, zumal Gastdirigent Enrico Delamboye nie zu voreilig dramatische Effekte zuspitzte, sich mit dem Orchester des Staatstheaters Darmstadt enorm biegsam den Solisten anpasste und dabei einen innerlich glühenden bis drängenden Verdi-Ton entwickelte.

Die drei Protagonisten konnten sich daher vorzüglich entfalten, Anna Palimina mit einer fast schon zu dramatischen, kräftigen, aber technisch enorm sicheren Darbietung bis in die extremen Höhen. Tenor Andrea Shin sang als Herzog sein unverwüstliches „La donna è mobile“ mit jener Noblesse und mühelosen Wendigkeit, die auch den Hofnarren Rigoletto, mit Sangmin Lee erstaunlich, aber glaubhaft jung und viril besetzt, auszeichnete. Ein Riesenerfolg fürs Darmstädter Staatstheater!

Nächste Vorstellungen am 12. und 24. März sowie am 1. und 16. April. Karten gibt es unter 06151/2811600.

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