Prozess um Ehrenmord

Kommentar: Nicht von unserer Welt

Zweimal Lebenslang kassiert das grausige Ehepaar aus Darmstadt-Kranichstein. Es sah die Ehre der Familie durch eine sexuelle Beziehung der Tochter derart in den Schmutz gezogen, dass es glaubte, das eigene Kind ermorden zu müssen. Von Michael Eschenauer

Ein angemessenes Urteil, auch wenn sich wohl mancher angesichts der Kaltschnäuzigkeit der Täter die Feststellung der Schwere der Schuld gewünscht haben mag. Man sollte sich hüten, die Tat direkt mit dem Islam und seinen Glaubensvorstellungen in Verbindung zu bringen. Weder der Koran noch andere islamische Überlieferungen kennen irgendeine Rechtfertigung für derartige Greuel. Allenfalls die strikte Sexualmoral und die absolute Trennung der Geschlechter in dieser Religion könnten eine Art Humus bilden, auf dem Auswüchse dieser Couleur gedeihen.

Entscheidend ist etwas anderes: Das Ehepaar lebte seit langer Zeit völlig unauffällig unter uns. In einer Art kultureller Transitzone, als Symbol einer gescheiterten Integration. Der Verteidiger der Ehefrau sprach jüngst von einem Zustand des „Einbetoniertseins“ der Angeklagten in ihrer Gemeinde. Die Mörderin habe „mit einer normalen Welt nichts zu tun“ gehabt. Damit setzt die furchtbare Tat von Darmstadt ein weiteres Fanal für eine hochproblematische Wahrheit: Es gibt in Deutschland und nicht nur hier extraterritoriale Gebiete, in denen westliche Lebensart und westliches Recht keinerlei Bedeutung besitzen, ja wohl auch nur ansatzweise wahrgenommen werden.

Eigene Tochter erwürgt: Bilder vom Prozess in Darmstadt

Und damit wären wir beim derzeitigen Thema aller Themen: dem Flüchtlingszustrom. Auch hier kommen Menschen zu uns, die in zumindest kleinen Teilen zwar hier körperlich angekommen, aber geistig (noch) nicht wirklich da sind. Das kann Parallelwelten schaffen. Das Argument, bei dem Mord von Darmstadt handele es sich um einen absoluten Einzelfall ohne weitere Relevanz für den Umgang mit Migranten, ist richtig. Gleichzeitig ist es ebenso unlogisch wie die populäre Feststellung, dass unter den Flüchtlingen keine Terroristen sein könnten, einfach deshalb, weil die große Mehrheit der Asylsuchenden ja vor gerade diesen Terroristen geflüchtet sei.

Es gilt nicht das Entweder-Oder sondern das Sowohl-Als-Auch. Es gilt, dass das, was wir lieber nicht denken mögen, nicht die Regel, aber durchaus vorstellbar ist - und wir gut daran tun, Vorsorge zu treffen. Obwohl die Verteidiger in Revision gehen wollen, wird man irgendwann einen Schlussstrich unter den Tochtermord von Darmstadt setzen. Das Problem dahinter harrt weiter einer Lösung.

Bilder: Mehrere Opfer bei Familiendrama

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