Großinvestitionen am Standort Umstadt

Kreiskliniken stehen vor Entschuldung

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Die Kreisklinik Groß-Umstadt steht vor großen Neuerungen. Gegen Ende des Jahres soll mit dem Abriss des Betonskelett-Baus aus den sechziger Jahren begonnen werden.

Darmstadt-Dieburg - Es sind schon bemerkenswerte Zahlen, die da auf den Tisch kamen und ein realistisches Bild der finanziellen Lage des Eigenbetriebs abgeben: 30 Millionen Euro akkumulierte Verbindlichkeiten, dazu Kassenkredite mit einem Volumen von 25 Millionen Euro. Von Klaus Holdefehr 

Nun wird der Kreis als einziger Gesellschafter seines Eigenbetriebs im Zuge einer Kapitalerhöhung 18 Millionen (= 60%) auf den eigenen Buckel schnallen und ein Gesellschafter-Darlehen von zwölf Millionen (40 Prozent) an den Eigenbetrieb vergeben. Die Haftung für die Kassenkredite verbleibt bei den Kreiskliniken. Mit der Entschuldung soll die Basis für weitere Kreditaufnahmen geschaffen werden, denn „die Altdarlehen belasten die Liquiditätssituation der Kreiskliniken aufgrund der kumulativen Tilgung in Höhe von zirka 2,3 Millionen Euro pro Jahr substantiell“, heißt es in der Antragsbegründung. Soll heißen: Kreditgeber des freien Kapitalmarktes würden bei weiteren Kreditaufnahmen skeptisch auf die daraus resultierende Liquiditäts-Situation blicken, die Zinsen um einen Risikozuschlag erhöhen oder gar eine Kreditvergabe verweigern.

Dabei steht Großes bevor: 73 Millionen Euro umfasst das Investitionsprogramm für den Standort Groß-Umstadt (es gibt einen weiteren, kleineren in Seeheim-Jugenheim) bis 2021. Dabei steht der Neubau des Bettenhauses im Zentrum. Der zehngeschossige Altbau ist gewissermaßen ein Nadelöhr auf dem Weg zu auskömmlichem Betrieb, denn „die bauliche Struktur des Hauses ist starr und nicht erweiterbar. Die Pflegestationen erlauben eine maximale Stationsgröße von 28 bis 30 Betten, zum Teil haben sie noch keine Nasszellen. Die Standardbelegung mit drei Betten pro Zimmer ist ebenso nicht mehr zeitgemäß“, so die Einschätzung in der Antragsbegründung.

Ein flacherer, breiterer Ersatzbau soll auf dem Gelände entstehen, das gegenwärtig noch vom ehemaligen Kreispflegeheim eingenommen wird. Für die dort zurzeit untergebrachten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge soll es bald Ersatzunterkünfte geben, gegen Ende des Jahres soll mit dem Abriss des Betonskelett-Baus aus den sechziger Jahren begonnen werden. Außerdem wurde jetzt bereits die Tragwerks-planung für den Neubau vergeben.

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Das Land Hessen gibt zu den Investitionen einen Zuschuss von 40 Millionen Euro. Die Kreiskliniken müssen aber nicht nur die restlichen 33 Millionen auf dem Kapitalmarkt leihen, sondern auch Teile der Förderung zwischenfinanzieren, da das Land den Zuschuss in zehn Jahresraten überweist.

Im Zuge der Entschuldung wurde auch darüber nachgedacht, den Eigenbetrieb in die Rechtsform einer GmbH zu überführen. Das könnte die immer noch geplante, aber in den Sternen stehende Fusion mit dem Klinikum Darmstadt erleichtern. Für den Linken Walter Busch-Hübenbecker kommt eine solche Änderung der Gesellschaftsform der Privatisierung einer Einrichtung gleich, die seiner Ansicht nach Teil der staatlichen Daseinsfürsorge bleiben soll. Zusammen mit Arno Grieger votierte er deshalb gegen den Antrag des Kreisausschusses.

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