Statistik für den Landkreis zeigt dennoch positive Trends auf

Diebstähle und Einbrüche oft nicht aufgeklärt

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Darmstadt/Dieburg - Auch wenn die Aufklärungsquote von Straftaten im Landkreis insgesamt bei knapp 60 Prozent liegt, gibt es dennoch Bereiche, wo sich auch die Beamten Verbesserung wünschen: Bei Wohnungseinbrüchen wurde 2015 nur jeder fünfte Fall gelöst. Von Corinna Hiss 

„2015 gab es mehr Einbrüche in Häuser und Apartments als 2014“, bedauerte Thomas Raths, Leiter der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg beim jüngsten Pressegespräch. Konkret heißt das: Es sind den Beamten insgesamt 348 Fälle zur Anzeige gebracht worden und somit 46 mehr als im Vorjahr. Doch ärgerlicher als der leichte Anstieg der Fallzahlen ist für die Polizei, dass die Aufklärungsquote in diesem Bereich weiter gesunken ist. Lag sie 2014 noch bei 30,1 Prozent, sind es 2015 nur noch 20,4. In 146 der 348 Fälle blieb es allerdings bei einem Versuch, da die Kriminellen an gut verriegelten Türen und Fenstern scheiterten. „Da es sehr schwer ist, Einbrüche aufzuklären, ist die polizeiliche Präventionsarbeit umso wichtiger“, sagte Raths. „Und die ist uns offenbar gut gelungen.“ Sein Appell an alle: Gerade in der dunklen Jahreszeit muss die Wohnung oder das Haus bewohnt aussehen, und das geht am besten mit Licht. „Helligkeit schreckt Einbrecher ab“, riet er. Weitere Maßnahmen, die helfen, seien wachsame Nachbarn und eben gute Schlösser. „Eine Haustür, die top verriegelt ist, bringt nichts, wenn der Ganove kinderleicht zur Terrassentür hinten einsteigen kann“, sagte Raths. Gerade in der dunklen Jahreszeit schlagen die Diebe gerne in der Morgen- und Abenddämmerung zu. Dass nachts, wenn die meisten Anwohner zu Hause sind, eingebrochen wird, ist hingegen eher selten.

Neben den Wohnungseinbrüchen beschäftigten sich die Polizisten im Landkreis am meisten mit Diebstählen. Auch dort liegt bei 1 824 registrierten Taten die Aufklätungsquote bei ernüchternden 21,3 Prozent. Der Blick auf die Kommunen zeigt, dass die Langfinger überall unterwegs sind. In Babenhausen wurden 2015 insgesamt 577 Straftaten begangen, 335 von ihnen sind aufgeklärt. Mit 241 Diebstählen wurden aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Straftaten begangen, was die Stadt im Ranking mit den anderen 22 Kreiskommunen von Platz elf auf Platz sechs befördert.

Das Ranking zeigt die Häufigkeitszahlen der bekanntgewordenen Fälle in den 23 Kreiskommunen je 100.000 Einwohner. 

In Münster sind 2014 insgesamt 405 Straftaten begangen worden, davon wurden 144 aufgeklärt. Da es auch hier mit 211 zur Anzeige gebrachten Fällen mehr Diebstähle als im Vorjahr gab, rutscht die Gemeinde im Landkreis-Ranking von Platz 13 auf Platz elf. In Eppertshausen sind vergangenes Jahr 173 Straftaten registriert worden, von denen 78 aufgeklärt werden konnten. Da es insgesamt weniger kriminelle Handlungen gab, sinkt die Kommune im Landkreis-Ranking von Platz neun auf Platz 13. Besonders auffällig dort: Ganze 29 Mal wurden Navigationsgeräte aus Fahrzeugen gestohlen. Wieso die Ganoven gerade bei Eppertshäuser Autos besonders gerne zugeschlagen haben, begründete der Polizeileiter mit der günstigen Verkehrsanbindung.

Erstmals als eigene Statistik erfasst sind die Straftaten, die 2015 von Flüchtlingen im Landkreis begangen wurden. Insgesamt sind 175 Fälle bekannt, von denen aber allein 96 in den Bereich des Aufenthalts- und Asylgesetzes fallen. Drei Mal wurden sexuelle Belästigungen registriert sowie 26 Fälle von Körperverletzung und 34 Fälle von Diebstahl – im Vergleich zu den 4 200 Asylbewerbern, die im Kreis leben, keine besorgniserregende Zahl. „Die Taten sind sowohl in als auch außerhalb der Flüchtlingsunterkünfte geschehen und konnten allesamt aufgeklärt werden“, berichtete Roth. Einen signifikanten Anstieg an Straftaten durch die Asylbewerber – auch in Babenhausen – verneinte der Polizeileiter, gab aber dennoch zu: „Wo mehr Menschen zusammen kommen, gibt es auch mehr Delikte. Das ist jedoch unabhängig von Herkunft und Status“.

Bilder: Zehn kuriose Kriminalfälle 2015 in Hessen

Von den insgesamt neun Tötungsdelikten ist der Polizeistation Darmstadt-Dieburg einer besonders in Erinnerung geblieben: Als die 19-Jährige Laareb K., die in Dieburg ihre Ausbildung machte, von ihren Eltern im Januar 2015 ermordet wurde, war der Tathergang zum Glück schnell rekonstruiert. „Mir stellen sich aber immer noch die Nackenhaare auf, wenn ich daran denke, dass das junge Mädchen von ihren eigenen Eltern wie Müll die Böschung herunter gekippt wurde“, sagte Roth. Ein weiteres Ereignis zog vergangenes Jahr verstärke Polizeipräsenz mit sich, ist aber für die meisten mit positiven Erinnerungen verbunden: der Aufstieg der „Lilien“ in die erste Bundesliga.

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