250 Darstellungen der Weihnachtsgeschichte

Krippen aus Polen und Lateinamerika

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Ein großes Begrüßungskonzert fürs Jesuskind hat ein Künstler aus Lateinamerika gestaltet. Zu sehen im Rahmen der Krippenausstellung in der Ueberauer Museumsscheune.

Ueberau - Krippen gehören zum weiten Spektrum christlich inspirierter Kunst, wie sie Hans-Jürgen Rau viele Jahre lang mit großer Leidenschaft gesammelt hat.

Eine Auswahl von mehr als 250 ganz unterschiedlichen Varianten der Weihnachtsgeschichte zeigt seine Tochter Ina Isabell Rau jetzt in ihrer Museumsscheune in Ueberau. Gleich vom Scheunentor aus fällt der Blick auf ein ungewöhnlich buntes, mit Personal fast überladenes Exemplar aus Lateinamerika. Da geben mindestens 100 Indio-Musikanten ein Freudenkonzert zur Geburt des Heilands. Seine Muttergottes hat eine Brust entblößt, wohl um uns zu zeigen, dass der Jung auch ordentlich zu essen kriegt. Das Motiv der entblößten Brüste wird in einer anderen Darstellung wiederholt - „überall da, wo Stillen in der Öffentlichkeit Normalität ist“, erläutert Rau.

Überhaupt Lateinamerika. Aus diesem Halbkontinent kommt auch eine heilige Familie, die im Schilfboot unterwegs ist. Ob sich da die Mosesgeschichte in die Weihnachtsgeschichte gemischt hat, bleibt unklar. Ganz klar zu erkennen sind allerdings die beiden Lamas, die freundlich auf das Jesuskind blicken. Große Leuchtkraft entfaltet ein Exemplar mit slawischen Wurzeln, das allerdings weniger eine Weihnachtsgeschichte erzählt, sondern vor allem von der Pracht der Kirche berichtet.

Aus Polen kommt eine sehr politische Variante aus der Anfangszeit der Solidarnosc-Bewegung, als über das Land das Kriegsrecht verhängt war: Man sieht finstere Soldaten mit gezückter Waffe, die die heilige Familie vor sich her treiben. Spätestens jetzt wird deutlich, um was es in den Weihnachtsgeschichte auch geht: um Flüchtlinge. Und um Flüchtlings-Unterkünfte, denn was sonst ist diese Krippe?

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Eine ganz besondere Variante hat ein Künstler eigens für Hans-Jürgen Rau geschaffen, nachdem der ihm gesagt hatte, dass er die Weihnachts- und die Geschichte von der Arche für die schönsten Geschichten in der Bibel hält: Beide sind jetzt vereint, diese Krippe steht auf der Arche Noah. Mit Ina Isabell Rau lässt sich über solche Themen ebenso trefflich plaudern wie über christliche Kunst im Allgemeinen oder auch Stillen in der Öffentlichkeit. Dazu gibt’s einen köstlichen alkoholfreien Punsch.

Die Krippen in der Museumsscheune (Reinheim-Ueberau, Wilhelm-Leuschner-Straße 36a) sind noch bis zum 3. Januar jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Unter 06162/941669 können Führungen außerhalb dieser Zeiten vereinbart werden - „gerne auch für Einzelpersonen“, wie Rau betont.

hol

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