Barocke Schickeria

Landesmuseum präsentiert Kleider der bürgerlichen Oberschicht

In vollem Glanz: 70 Jahre lang fristeten die Kleider ein unbeachtetes Dasein im Magazin. Dann wurden sie aufwendig restauriert.

Darmstadt - Das trug das schicke Köln in barocken Zeiten: exquisite Wämser aus Seide, mit und ohne Klöppelspitze, immer reich verziert. Die Ausstellung „Chic! Mode im 17 Jahrhundert“ zeigt frisch restaurierte Kleidungsstücke der bürgerlichen Oberschicht. Von Lisa Berins 

Ein dunkler Raum, schwarze Tapeten mit Barock-Ornamentik, schwere, grüne Vorhänge. In Glasvitrinen sind die kostbaren Wämser in den Raum gerückt. Lichtkegel zielen auf die Kleidungsstücke und auf prachtvolle Gemälde. Es ist ein repräsentatives Ambiente, bei Kurator und geladenen Presseleuten herrscht eine ehrerbietige Stimmung. „So kostbar“, „toll“ – geflüsterte Gesprächsfetzen in der samtigen Atmosphäre. „Ich war sofort fasziniert“, erinnert sich Wolfgang Glüber, Oberkustos Kunsthandwerk des Museums, an den Moment, als er die wertvollen Textilien zum ersten Mal zu Gesicht bekam. 70 Jahre hatten die Schätze unbeachtet in einem Magazin gelagert, waren dann Jahre lang in der Schweiz von der auf Textilien spezialisierten Abegg-Stiftung restauriert worden und sind nun in der aktuellen Ausstellung in Darmstadt zu sehen.

Es ist eine kleine Sensation, wenn man Museumsleiter Theo Jülich und Kurator Glüber glauben will: „Weltweit einzigartig“ sei die Ausstellung der Kleidungsstücke, die nicht aus dem Adel oder aus Königshäusern, sondern aus der bürgerlichen Oberschicht Kölns im 17. Jahrhundert stammen. Die Exponate seien so fragil, dass sie nicht auf Reisen geschickt werden könnten. Und so komme es, dass sie nicht in London und auch nicht in Paris, sondern ausschließlich im hessischen Darmstadt zu sehen sein werden, sagt der Kurator.

Es ist vielleicht eine etwas pathetische Geste, mit der die doch eher wenig pompösen 18 Wämser, Mieder und Oberröcke präsentiert werden. Gerahmt werden sie von 49 Porträts, Genrebildern und Grafiken der Zeit, auf denen die Besucher entdecken sollen, wie die Kleider damals getragen wurden. Da sieht man etwa, wie sich eine Dame namens Christina von Virmunt, abgebildet im Jahr 1626, zum rosa Mieder einen aufgeplusterten, mit feiner Spitze verzierten Mühlsteinkragen um den Hals gelegt hat. Ein Accessoire, das schon wenige Jahrzehnte später nicht mehr en vogue war: Nach den spanisch-niederländischen Einflüssen kamen vornehme französische Neuheiten in Mode: Neben dem stehenden trug man nun auch einen hängenden Kragen, die Herren-Wämser waren weniger körperbetont. Ab 1640 ging die modische Dame schulterfrei und Dekolleté-betont – die nackte Haut wurde jedoch mit Tüchern bedeckt.

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Dass in Darmstadt ausgerechnet kölnische Kleiderstücke gezeigt werden, ist dem letzten Willen des Kölner Barons von Hüpsch zu verdanken. Der eifrige Sammler hatte einen enzyklopädischen Bestand an so ziemlich allen Gegenständen angelegt, die es auf der Welt gab. Unter dem Punkt „Kleidung“ trug er Stücke aus dem Ausland, aber eben auch aus der Heimat zusammen. Seinen Fundus vermachte er Landgraf Ludwig X. von Hessen.Im August 1805 schipperte dann eine Ladung mit 341 Kisten und Gefäßen in Richtung Stockstadt und von da aus nach Darmstadt. Eine enorme Menge an Exponaten, von der das Hessische Landesmuseum noch heute profitiere, sagt Kurator Glüber: Etwa 50 Prozent des Bestandes stammt von Herrn Hüpsch. Der Baron hätte sich heute sicher gefreut, sein als „Altkleidersammlung“ verspottetes Sammelsurium in einer solch herrschaftlichen Inszenierung zu sehen.

„Chic! Mode im 17. Jahrhundert“ im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, bis 16. Oktober. Geöffnet: Di., Do., Fr. von 10 bis 18 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr, Sa. und So. 11 bis 17 Uhr

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