Magere Finanzen und viel Gedankenlosigkeit

Aktivisten retten Tierheime mit eigenem Geld

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Von Milben befallen ist der erst einjährige Dobermann „Baxter“, den Jutta Keller, Mitstreiterin auf der „Keller-Ranch“ bei Weiterstadt, ausführt. Der Tierhilfeverein kümmert sich um in Not geratene Tiere.

Weiterstadt - Wer zum Tierhilfeverein Kellerranch nach Weiterstadt kommt, dem rennen zur Begrüßung gleich mehrere Hunde entgegen. Von Joachim Baier 

Hier bekommen rund 300 Tiere ihr Gnadenbrot, darunter etwa die Paviane Pat und Amy, der Nasenbär Olaf, Pferde, Esel, Stinktiere, Schwäne, Kaninchen. Manches Tier sei völlig verwahrlost gewesen, als es ankam, erzählt der Vorsitzende Karl-Heinz Keller: „Ein Esel war so abgemagert, dass er nicht mehr stehen konnte. “ Seit neuestem gibt es hier auch ein Tierheim mit Platz für fast 60 Hunde, Katzen, Kleintiere, Vögel und Papageien. Beim Gang übers Gelände berichtet Keller, er könne sich aus Erfahrung häufig schon darauf vorbereiten, welche Tierarten bald abgegeben würden. „Was gerade im Fernsehen 'in' ist, kommt bald in Tierheime“, erzählt er. „Tierheime wissen gar nicht mehr, wohin damit.“ Manche Halter kämen auch ins Altenheim, dann kämen ihre Tiere zwangsläufig in fremde Hände.

Keller und seine Mitstreiter wissen, was Tiere an Platz, Futter und Impfungen benötigen, und was somit auf das Tierheim zukommt: Geldsorgen. Rund 9000 Euro kommen zwar als Jahrespauschale von der Kommune Weiterstadt. „Wir haben aber nichts Erspartes“, sagt Kellerranch-Sprecherin Ingrid Günkel. „Wir haben einen Puffer von nur 2000 bis 3000 Euro. Da darf nichts passieren.“ Die Unterstützung der Stadt hält Günkel für zu niedrig: „Nur etwa 37 Cent pro Einwohner.“

Auch andere Tierheime halten die Pauschalbeträge für deutlich zu niedrig. Wer ein Tier abgibt, muss in der Regel dafür etwas bezahlen. Das habe aber nur einen symbolischen Wert. So könnte beispielsweise das Tierheim in Frankfurt mehr Geld gebrauchen, das Tierheim Darmstadt blickt pessimistisch in die Zukunft. Keller aus Weiterstadt sagt: Wenn Geld fehlt, „stehen wir privat parat“. Es bleibe sonst ja nichts anderes übrig. Renate Wegert vom Landestierschutzverband Hessen beschreibt ihn als einen, der ganz stark motiviert sei, Geld heranzuschaffen.

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Auch Weiterstadts Bürgermeister Ralf Möller (SPD) bescheinigt den Tierschützern am Rande der Stadt hohes Engagement. Der Gnadenhof sei „ein Aushängeschild für Weiterstadt“. Dass 9000 Euro zu wenig Unterstützung seien, will der Bürgermeister aber nicht gelten lassen. Das sei bisher an das Tierheim Darmstadt gezahlt worden, das bis zum Start des Heims von Keller und Co. auch für Weiterstadt mit seinen 25.000 Einwohnern zuständig gewesen war. „Wir waren sehr zufrieden mit Darmstadt“, sagte Möller. Aber das Heim in Weiterstadt sei näher.

Und während Sprecherin Günkel weiter von Finanzsorgen und menschlicher Gedankenlosigkeit berichtet, kommt neue Kundschaft: Ein Dobermann. Der Rüde stammt aus Fürth im Odenwald. Eigentlich hätte das Tier ins Tierheim Heppenheim gemusst - aber dort ist die hochansteckende Krankheit Parvovirose ausgebrochen. Das bedeutet: Aufnahmestopp. Der Halterin war „Rex“ eine Nummer zu groß - und so landet auch dieses Tier in Weiterstadt. „Die Besitzerin schien uns sehr überfordert“, sagt Günkel.

dpa

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