320 Kühe und zirka 10.000 Besucher im Jahr

Landwirt des Jahres kommt aus Roßdorf

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Landwirt Michael Dörr und seine Kühe sind Besuch auf dem Karlshof gewöhnt.

Roßdorf - Michael Dörr aus Roßdorf ist von einem Fachmagazin zum „Landwirt des Jahres“ gewählt worden. Auf seinem Hof hält er zirka 320 Kühe, empfängt Schulklassen und andere Besuchergruppen.

Das Urteil der Jury fiel einstimmig und wurde gleich mehrfach begründet: Weil der Sieger unternehmerisch und betriebswirtschaftlich fit ist. Weil er die Abläufe auf den Feldern und auf dem Hof im Griff hat. Weil er Landwirt aus Leidenschaft ist und er Verantwortungsbewusstsein für Tiere und Boden lebt. Weil er sich neue Ziele steckt. Und weil er dafür brennt, die Menschen, für die Landwirte täglich hochwertige Lebensmittel erzeugen, mitzunehmen und sie aufzuklären, was am Hof und auf den Feldern passiert.

Kurz: „Weil Michael Dörr all das mitbringt, was nach Auffassung der Jury einen Landwirt des Jahres auszeichnen muss“, lobte die Jury des Ceres-Award den diesjährigen Gesamtsieger und damit Landwirt des Jahres 2016, der außerdem den Sieg in der Kategorie Milchviehhalter mit nach Hause nehmen durfte.

Als „politischen Werbeträger“ bezeichnet sich Dörr selbst, weil schon Politiker vieler Parteien seinen Betrieb im Landkreis Darmstadt-Dieburg besucht haben. Außerdem ist der Hof des 42-Jährigen immer wieder Drehort für Fernsehberichte oder Anlaufpunkt für Journalisten. Daneben empfängt er regelmäßig Schulklassen und andere Besuchergruppen, um seine moderne Milchviehhaltung zu zeigen. Dafür braucht es viel Zeit.

Doch die Betreuung der Herde leidet nicht darunter. Warum? Weil Dörr es versteht, den Betrieb und die Abläufe so zu organisieren, dass sie bestmöglich erledigt werden. Dabei unterstützen ihn seine Frau, zwei Auszubildende und ein Mitarbeiter. 320 Kühe werden derzeit auf dem Hof gemolken.

Sein Betrieb hat in den letzten Jahren eine beachtliche Wachstumsgeschwindigkeit hingelegt. So hatte der Karlshof 1990 noch 90 Kühe gemolken bei einer durchschnittlichen Leistung von rund 7 000 Kilogramm Milch. Heute werden je Kuh und Jahr fast 11 000 Kilo Milch erzeugt. Der Wachstumsprozess ging einher mit einer stetigen Erweiterung der Hofstelle und dem Bau von separaten Ställen für Kälber, Jungvieh und Abkalbern.

Im Zuge des Stallneubaus im Jahr 2002 baute Dörr auch seine erste Biogasanlage mit 80 Kilowatt. 2014 errichtete er eine neue Anlage, die 250 KW leistet. Die zusätzlichen Dächer, die durch den Neubau diverser Ställe entstanden sind, nutzt er seit 2010 auch für die Erzeugung von Sonnenstrom: 550 KW erbringt die Energiequelle im Leistungmaximum. Er bewirtschaftet 155 Hektar Ackerfläche und 55 Hektar Grünland. Er will den Betrieb weiterentwickeln, frei nach dem Motto „Stillstand ist Rückschritt“. Und Stillstand hat es in den letzten zehn Jahren auf dem Betrieb nicht gegeben.

Seit 2004 verkauft er Rohmilch über einen Automaten direkt an Verbraucher. Diesen Bereich hat er Stück für Stück ausgebaut. Heute biette er neben eigener Milch und Milchshakes auch Produkte aus der Umgebung an: Eier oder Käse anderer Direktvermarkter.

Und er hat begonnen seinen Hof für Schulklassen attraktiv zu machen. Über einen ausgeschilderten Parcour können die Schüler die einzelnen Stationen auf dem Hof besuchen und erleben den Weg vom Kalb zur Kuh. Unterstützt wird Dörr von Pädagogen, die die Kinder über den Hof begleiten und die Milchviehhaltung erläutern. Regelmäßig kommen Besuchergruppen, um den Betrieb zu besichtigen. Rund 10 000 Besucher im Jahr empfängt der Landwirt. Die Öffentlichkeitsarbeit liegt dem 42-Jährigen besonders am Herzen. Er will offen und transparent vermitteln, was er macht und warum er es tut. Das Besondere dabei: Die Besucher können jederzeit ohne Anmeldung kommen, sich überall umsehen und fragen. Der knappe Faktor ist auch auf dem Karlshof die Zeit. „Arbeitsarme Zeiten nutze ich für meine Familie, in den Arbeitsspitzen helfen alle mit, auch meine Kinder.“

Bei so einem rasanten Wachstum ist die Organisation der Arbeit eine der wichtigsten Aufgaben im Betrieb. Hier plant er den Aufbau einer zweiten Führungsebene: „Wenn wir uns nachhaltig aufstellen wollen, dann ist es nötig, die Arbeit auf mehrere Schultern zu legen. Dazu gehört zum Beispiel die Aufteilung der Arbeitsbereiche Biogas und Milchviehhaltung, so Dörr. Eine weitere Herausforderung ist die Vermarktung der Milch. Hier, so ist der Landwirt überzeugt, ließe sich noch viel mehr machen. Angesichts der katastrophalen Milchpreise sei die Motivation sehr hoch, neue Wege zu gehen. (nkö)

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