Frankfurter Studie bringt Demenzkranke ins Museum

Kunst baut Brücken

+
Speziell geschulte Museumspädagogen arbeiten im Städel mit Demenzkranken und ihren Angehörigen.

Frankfurt - Das Frankfurter Städel Museum ist Schauplatz der ersten umfassenden wissenschaftlichen Studie, die den Einfluss von Museumsbesuchen auf demenzkranke Menschen und deren Angehörige untersucht. Das Projekt „Artemis“ zeigt neue Wege in Pflege und Betreuung auf. Von Carsten Müller 

Rund 1,5 Millionen Deutsche sind an Demenz erkrankt, die unheilbare Krankheit belastet Patienten wie Angehörige. Wie sich der regelmäßige Besuch eines Museums, die Beschäftigung mit den dort ausgestellten Werken und eigene kreative Arbeiten auf den Krankheitsverlauf sowie die Beziehung zwischen Patienten mit leichter bis mittelgradiger Demenz und deren Angehörige auswirken, untersucht der Arbeitsbereich für Altersmedizin der Goethe-Uni Frankfurt anhand von sechzig Paaren, die an der mit 200.000 Euro von der Frankfurter Schambach-Stiftung geförderten Studie im Städel teilnehmen.

„Demenzkranke sind häufig früh sprachlich beeinträchtigt“, erläutert Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs für Altersmedizin. „Die Fähigkeiten nonverbal zu kommunizieren und die ästhetische Ansprechbarkeit bleiben aber relativ lange erhalten.“ Pantel und Kollegen sind überzeugt, dass die interaktive Beschäftigung mit Kunst depressiven Symptomen vorbeugt, autobiografische Erinnerungen weckt, kognitive Funktionen anregt und familiäre Beziehungen stabilisiert. Die „Artemis“-Studie soll die Hypothese wissenschaftlich untermauern - weltweit erstmals in dieser methodologischen Qualität.

Kommunikation ist der Schlüssel. Das zeigt schon die engagierte Diskussion innerhalb der Kleingruppe aus Patienten und Begleitern, die sich im Saal der Impressionisten vor Lovis Corinths „Carmencita“ (1924) und Max Liebermanns „Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus“ (1881) versammelt hat. Die speziell geschulte Museumsmitarbeiterin bindet auch die weniger Mitteilsamen in der Gruppe in die Bildbesprechung ein. Später werden die Probanden in den Ateliers eigene Werke herstellen, die das Thema der Führung beispielsweise in Collagen oder Tonobjekten aufgreifen.

Alzheimer - die Krankheit des Vergessens

Alzheimer - die Krankheit des Vergessens  

Es geht auch um Teilhabe und Integration: „Sozialer Isolation kann entgegengewirkt werden“, ist Pantel überzeugt. Schirmherr OB Peter Feldmann (SPD) hat das Thema auf seine politische Agenda gesetzt und will angesichts des 2015 anstehenden Deutschen Seniorentags am Main „Pflöcke einrammen, wie wir uns das Altern in dieser Stadt vorstellen“.

Und aus Sicht des Altersmediziners Pantel wäre zu begrüßen, wenn die Kunstvermittlung für Menschen mit Demenz von den Kassen als „niederschwellige Betreuungsleistung“ anerkannt wird. „Artemis“ (ART Encounters: a Museum Intervention Study) könnte dies bewirken - der früheren Wirkungsstätte Aloys Alzheimers stünde das nicht schlecht an.

Kontakt: Valentina Tesky, 069/630183621, tesky@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de

Quelle: op-online.de

Kommentare