Bürger, die DLRG und der TV Dieburg setzen sich für den Erhalt ein

1300 Unterschriften fürs Hallenbad

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Die nächste Unterschriftenliste für Bürgermeister Dr. Werner Thomas. Diesmal geht es darum, dass Dieburg auch in Zukunft ein Hallenbad braucht.

Dieburg - Die Tage des Hallenbads scheinen gezählt: 2019 läuft die Nutzungsvereinbarung zwischen dem Wassersportverein Dieburg (WSV), der Stadt und der Investorengemeinschaft „ARGE Campus Dieburg GbR“ aus. Von Michael Just 

Damit könnte der Abriss des Bades verbunden sein, da die Investoren, die das Gelände 2011 von der Telekom erwarben, das Baugebiet Am Campus mit neuen Häusern weiterentwickeln wollen. Kommt das Aus für das Hallenbad, hätte eine große Anzahl an Nutzern, darunter viele Vereine und Schulklassen, das Nachsehen. In den letzten Tagen wurden deshalb über 1 300 Unterschriften gesammelt, die bekunden, dass zu Dieburg ein Hallenbad gehört. Die Signaturen wurden nun Bürgermeister Dr. Werner Thomas überreicht. Vorstellig beim Verwaltungsschef wurden Sascha Biebel (DLRG), Verena Rothbarth-Kamutzki (Elternbeirat der Marienschule), Brigitte Weißbäcker (Aquatraining TV Dieburg) sowie Kerstin Tratzsch, Doris Kilb und Dr. Albrecht Achilles (WSV Dieburg).

Wie Achilles, zuständig für die WSV-Öffentlichkeitsarbeit, sagt, weiß derzeit keiner genau, was ab 2019 mit dem Bad, das der WSV seit 13 Jahren betreibt, passiert. Da die Investoren schon beim letzten Mal – gegen die eigenen Interessen – der Bitte von Stadt und WSV für eine Nutzungsverlängerung nachkamen, geht man diesmal davon aus, dass der Kuchen gegessen ist.

Mit Blick auf das sehr gut frequentierte Bad hat dessen mögliches Ende für Achilles fast schon etwas Groteskes: „Wir sprechen hier von einer 90-prozentigen Auslastung. Die übrigen zehn Prozent sind Reinigungsarbeiten.“ Der WSV als Betreiber er- bringt für ihn eine hervorragende Arbeit: Zwar sähen die Investoren von einer Miete gegenüber dem Verein wegen dessen Gemeinnützigkeit ab. Trotzdem sei es eine große Leistung, dass die Wassersportler die vielen anfallenden Kosten im Griff haben. Das gelinge durch die Betriebseinnahmen von den anderen Nutzern und 15.000 Euro, die die Stadt im Jahr zuschießt. Zu den anderen Nutzern gehört auch die DLRG. Sie sieht den derzeitigen Trend, dass öffentliche Bäder vermehrt verschwinden, als äußerst bedenklich. „Die Badeunfälle steigen an, da immer weniger Menschen schwimmen können beziehungsweise ihnen die Möglichkeit fehlt, es zu lernen“, sagt Sascha Biebel von der DLRG Dieburg. Mittlerweile gebe es sogar schon eine neue Kompetenz unter Nichtschwimmern, die sich mit den Gegebenheiten arrangiert haben und in den Arealen für Nichtschwimmer glücklich sind. „Geraten diese Personen im Meer oder im See aber unverhofft in tiefere Bereiche, reden wir ganz schnell von Lebensgefahr“, weiß Biebel.

Schwimmunterricht in der Konrad-Zuse-Straße

Derzeit gibt es über ein Dutzend Schulen aus Dieburg und Umgebung, die zum Schwimmunterricht in die Konrad-Zuse-Straße kommen. Viele Eltern betrachten die Entwicklung deshalb ebenfalls mit Sorge. Aus dem Schulbereich, allen voran der Marienschule, kam das Gros mit 700 Unterschriften zusammen. Vom WSV sind es 330, von der DLRG 200 und vom TV 100.

Für Bürgermeister Thomas ist es nicht die erste Unterschriftenübergabe, die ihn dieser Tage erreichte. Oft ist er dafür der falsche Adressat. Das traf auch jetzt zu: Zum einen ist die „ARGE Campus Dieburg GbR“ der Grundstücks- und Immobilieneigner beim Hallenbad, zum anderen liegt die Zuständigkeit für das Schulschwimmen beim Landkreis als Schulträger. „Ich werde deshalb die Unterschriften weiterleiten“, kündigte der Bürgermeister an und erklärte, dass die Stadt selbst nicht imstande ist, ein Schul- und Trainingsbad zu bauen. Das sei Kreissache. Als Alternative biete sich laut Thomas an, dass sich Städte und Gemeinden im Umkreis zu einem Zweckverband zusammenschließen und gemeinsam einen Bau angehen. Ein solches Schul- und Trainingsbad sei immerhin kostengünstiger als ein Freizeitbad. Wie Thomas einräumte, habe eine erste Anfrage bei den Bürgermeisterkollegen und beim Landkreis keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Für Albrecht Achilles ist das Verhalten der höheren Politik nicht ganz nachvollziehbar, da das hessische Kultusministerium Schwimmunterricht flächendeckend vorschreibt.

Laut seinen Informationen gibt es aber zumindest vom Landkreis die Aussicht, dass dieser einen Bauherrn mit einer Bürgschaft bei den Kosten absichern würde. Wer dieser Bauherr sein könnte, weiß Achilles allerdings nicht: „Der WSV kommt dafür nicht in Frage, da wir über keinerlei Rücklagen für ein solches Projekt verfügen.“

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