Geist der Weihnachtsgeschichte

Alle willkommen geheißen

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Der Kirchenchor untermalte die Lichterkirche der evangelischen Kirchengemeinde am Heiligabend.

Dieburg - Mit der Christmette und der Lichterkirche haben die beiden großen christlichen Gemeinden in Dieburg jeweils in vollbesetzten Gotteshäusern den Heiligabend begangen. Von Michael Just 

Bei St. Peter und Paul begrüßte Pfarrer Alexander Vogl die Gläubigen nicht vom Altar, sondern von der Krippe aus. Von dort hieß er alle willkommen: Die, die oft oder weniger oft kommen und jene, die sich der Kirche entweder ganz nah oder ziemlich fern fühlen.

An der Krippe stehend ging Pfarrer Vogl zum ersten Mal auf ein aktuelles Thema ein, das er kurz darauf in seiner Predigt weiter ausführen sollte: die Flüchtlingsproblematik. „Entdecke die, die wie du die Fremde erleben, weil sie vor Krieg und Verfolgung flüchten müssen. Lass sie Heimat jenseits der Heimat finden“, betete Vogl. In seiner Predigt erinnerte er daran, dass Deutschland sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs schon einmal in besonderem Maße mit Flucht und Vertreibung auseinandersetzen musste: „Die Menschen, die damals kamen, besaßen 20 bis 30 Kilo Gepäck – sonst nichts. Sie hatten ihre alte Heimat verloren und die zukünftige noch nicht gefunden.“ Jetzt sei genau diese Situation wieder da. Damals wären aus den Fremden Einheimische geworden. Das gelte es nun zu übertragen. Dabei könne Weihnachten helfen: „So mancher Weihnachtsgottesdienst hat schon Brücken gebaut“, hob Vogl heraus, und forderte dazu auf, sich dabei die Geschichte in Bethlehem zum Vorbild zu nehmen.

In diesem Zusammenhang gab der Pfarrer seiner Hoffnung Ausdruck, zusammen mit dem Landkreis eine Lösung zu finden, um Menschen, die als Flüchtlinge kommen, im ehemaligen Kapuzinerkloster unterbringen zu können. Vor Beginn der Lichterkirche in der evangelischen Kirchengemeinde wünschten Martina Stein und Renate Reis vom Kirchenvorstand jedem Gottesdienstbesucher am Eingang ein besinnliches Fest. Wie bei St. Peter und Paul sang der Kirchenchor, dazu erhob Sopranistin Simone Buschmann ihre Stimme. Im Mittelpunkt der Predigt von Pfarrer Dieter Schmidt standen vier kreisrunde Bildscheiben, die jeder Gläubige auf seinem Platz vorfand. Sie zeigten Darstellungen des Stalls, der Hirten und des Kinds in der Krippe. Der goldene Rand der Bildscheiben stand auffällig im Kontrast zu den ärmlichen Geburtsverhältnissen Jesu. Laut Schmidt gehören der leuchtende Gott und der ärmliche Stall zusammen: „Gott zeigt nicht seine Macht, sondern Liebe und Barmherzigkeit. Davon geht eine Hoffnung für alle Zeit aus.“

Bereits am Nachmittag gab es für die Jüngsten beider Kirchengemeinden Gelegenheit, das Weihnachtsfest zu begehen: Bei St. Peter und Paul lud die Krippenfeier für Kleinkinder und die Kinderchristmette ein, bei der evangelischen Gemeinde der Familiengottesdienst. In allen Feiern wurden Krippenspiele aufgeführt.

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