Zusätzliche Boten

Auch nach dem Streik gibt es noch Mängel bei der Postzustellung

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Wieder leer: Die „Schlangensee“-Anwohner Holger Bassarek, Dr. Hermann Pauly und Georg Stenger bekommen auch mehr als zwei Wochen nach Ende des Streiks wichtige Sendungen nicht.

Dieburg - Die Postzustellung in Dieburg lässt auch nach Beendigung des langen Streiks immer noch zu wünschen übrig. Sechs zusätzliche Mitarbeiter für Dieburg, Münster und Groß-Zimmern sind eingesetzt. Der Post-Sprecher entschuldigt sich für die Missstände. Von Jens Dörr 

Vor mehr als zwei Wochen endete der Streik der Zusteller bei der Deutschen Post. Die kündigte an, das Gros der liegengebliebenen Päckchen und Briefe binnen einer Woche zuzustellen und den Betrieb rasch wieder zu normalisieren. Insbesondere im Osten Dieburgs scheint man davon aber noch weit entfernt, wie mehrere Anwohner unserer Zeitung in diesen Tagen berichten. Ihnen entstehen durch ausbleibende Sendungen teils massive Probleme.

Georg Stenger, Dr. Hermann Pauly und Holger Bassarek sind verärgert. Sie alle wohnen in der Straße „Am Schlangensee“ unweit des Dieburger Campus’ der Hochschule Darmstadt. Und sie alle erhalten seit sechs Wochen fast keine Post mehr. „Bei mir kommen hauptsächlich Mahnungen für nicht erhaltene Rechnungen an“, sagt Pauly. Die konnte er mangels Vorhandensein natürlich nicht bezahlen, muss sich nun aber mit den unerfreulichen Folgen herumschlagen. „Die Aufarbeitung kostet viel Zeit“, sagt er. Seine Forderung: „Die Post muss auch im Streik dafür sorgen, dass zumindest Einschreiben ankommen.“ Dies sei aber nicht der Fall gewesen.

Auch in dieser Woche meist in einen leeren Briefkasten schaute wie Pauly und Bassarek auch Stenger. „Das Einzige, was ich erhalten habe, waren am Dienstag ein paar Zeitschriften vom Samstag.“ Auf mehrere andere Magazine wartet er hingegen seit mehreren Wochen. Sollten sie den Weg noch einmal zu ihm finden, werden sie gnadenlos veraltet sein. Weniger schlimm derweil als das Ausbleiben „wichtiger Dokumente“, auf die er warte.

Wie Pauly macht sich Stenger auch Gedanken darüber, was womöglich nicht angekommen, aber dringend ist. Dazu könnten offene Forderungen, die man so nicht begleichen könne, zählen. „Ruckzuck hat man einen Schufa-Eintrag“, fürchtet auch Bassarek. Er konnte jüngst beispielsweise einen Gartenbauer nicht bezahlen, weil er seine Rechnung nicht bekommen hatte. Der rief ihn inzwischen an und hakte nach. Bassarek vermochte ihm die Situation zu erklären, fürchtet aber auch: „Ein gewisser Makel und eine gewisse Skepsis beim Gläubiger bleibt hängen.“ Besonders deutlich spüre er dies bei Ebay-Käufen.

Doch noch ganz andere Schwierigkeiten bringt bei Bassarek die weiter nicht zugestellte Post mit sich: „Mein Sohn wechselt im Sommer von der Marien- auf die Goetheschule.“ Den wichtigen Zulassungsbrief hat er bis heute nicht bekommen. Nur durch Zufall erfuhr er, dass es so ein Schreiben überhaupt gebe. So konnte Bassarek zumindest nachhaken. Das tat er auch bei einem im Juni bestellten Paket, für die er eine Warennachverfolgung nutzte. Stand der Dinge: „Seit dem 26. Juni liegt das Paket in Darmstadt.“ Anfragen an einen von ihm geführten Selbsthilfeverein kommen ebenfalls nicht an.

Stenger vermutet, dass das Problem im Dieburger Osten auch mehr als zwei Wochen nach Ende des Streiks besonders groß ist, weil der dortige Zusteller - den er kennt, da er gegenüber wohnt - seit Wochen krank sei. Stefan Heß, Sprecher der Deutschen Post auch für das Zentrum in Münster, von dem aus Dieburg, Münster und Groß-Zimmern beliefert werden, widerspricht: „In diesem Bezirk ist als Ersatz derzeit ein Mitarbeiter unterwegs, der sogar einem Azubi dabei hat.“ Für eine „Legende“ hält Heß unterdessen die Aussage des Dieburgers Rainer Heil, der in der ebenfalls im Osten der Stadt gelegenen Straße „Am Heidenstock“ wohnt. Heil jedoch betont: „Wir haben seit über sechs Wochen keine Postzustellung mehr erhalten. Jetzt ist der Poststreik zwar beendet, aber geändert hat sich leider nichts.“

Heß räumt aber zumindest ein, dass in Dieburg, Münster und Groß-Zimmern noch nicht alles rund laufe, weil die drei Orte von Beginn an recht massiv vom Streik betroffen gewesen seien. Die Zahl der Zusteller in den drei Orten habe man deshalb von 40 auf 46 erhöht, obwohl gerade in den Sommerferien weniger Sendungen verschickt würden. Dennoch beharrt Heß darauf, dass zumindest bei den Päckchen in Dieburg wieder der Normalzustand erreicht worden sei. „Bei Briefsendungen kann es vereinzelt noch zu Verzögerungen kommen. Da gibt es nichts zu beschönigen und dafür möchte ich mich auch entschuldigen.“

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