Feiern zum 1. Mai in Dieburg

Aufbruchstimmung in den Mai

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Karin Harder (Mitte am Biertisch mit roter Jacke) lauscht mit den anderen Besuchern der Mai-Feier des DGB den Freiheitsliedern der „Disharmoniker“ unter der Leitung von Günter Christ (links).

Dieburg - Die Erleichterung über das versöhnliche sonnige Frühlingswetter am Wochenende war allen Organisatoren der Veranstaltungen rund um den 1. Mai anzusehen. Von Michael Just und Lisa Hager 

So zogen das Wendelinusfest, der „Tanz in den Mai“ bei Petermann und im Braunwarth-Hof, das Familienfest auf der Moret sowie die gestrige DGB-Maikundgebung auf dem Marktplatz viele gut gelaunte Besucher an. Ab jetzt rollen sie wieder: Am Samstag eröffnete die Gruppe „Skate & Fun Dieburg“ die neue Inliner-Saison. Traditionell wurde der erste Termin in das Wendelinusfest mit dem Start im Minnefeld eingebettet. Dabei blieben die Liebhaber der kleinen Rollen in der Stadt und machten werbewirksam in vielen Straßen auf sich aufmerksam. Bis in den Herbst starten jeden Mittwochabend kostenlose Rollerblade-Touren von Dieburg in die Umgebung. Treffpunkt ist immer um 19 Uhr auf dem Marktplatz. Jeweils der erste Termin im Monat ist für Einsteiger in Bezug auf Länge und Geschwindigkeit geeignet.

Bei bestem Wetter ging in diesem Jahr das Traditionsfest an der goldenen Kuppel der Wendelinuskapelle über die Bühne. Vor allem gestern Nachmittag gab es auf den Bänken des gemütlichen Biergartens am ehemaligen Kloster kaum noch einen freien Sitzplatz. Für den großen Besucherzustrom sorgten auch Paddy Schmidt und Ingo Gerlach mit zünftigem handgemachten Irish Folk.

Am Samstagabend um kurz nach 18 Uhr gehörte Annette Corzilius zu den glücklichsten Menschen in Dieburg: An der Abendkasse erhielt sie mit die letzten Karten für die Mai-Party mit der Boom Gang bei Getränke Braunwarth. „Zehn Minuten später wäre alles weg gewesen“, sagte die 45-Jährige. Der Vorverkauf kündigte es bereits an, dass der Hof zum Hot-Spot für den Rutsch in den Wonnemonat werden sollte. Mit der Boom-Gang bewies Organisator Dennis Braunwarth ein feinfühliges Händchen: Zwar ist die Band nicht ganz billig, zieht aber stets eine beträchtliche Fanmenge an. „Wir mögen die Band, sind aber keine Groupies“, stellten Steffi und Michelle (beide 22) aus Groß-Umstadt bei Konzertbeginn lachend klar. So zeichnete sich schon früh der Erfolg des Abends ab, was sich auch den permanenten Einlassgesuchen an der Kasse manifestierte. Trotzdem tat sich ein Wehmutstropfen durch die Auflagen auf: Um 22 Uhr galt es bereits die Lautstärke zu reduzieren, um Mitternacht hieß es dann komplett „Musik aus“. Der Anwohnerschutz kennt kein Pardon. Mit einer Unterschriften-Liste und der Frage, ob es den Leuten gefallen hat, erhofft sich Dennis Braunwarth jetzt etwas Rückendeckung für weitere Events.

Wenige Meter weiter wurde bei der „Petermann-Fete“ von Svenja Fink ebenfalls in den Mai gefeiert. Das Publikum in der Rheingaustraße war gesetzter, die Lautstärke der Musik ließ Gespräche zu. Auch hier füllte sich der Raum schnell, was daran lag, dass die Menge der Dieburger, die an dem Abend ausgehen wollten, groß war. „Wir sind an Fastnacht hier, deshalb kommen wir heute auch“, sagte Heike Kern. Die traditionelle Fastnachtskneipe versprüht logischerweise einen Hauch von Äla, was der Laune gut tut. Auch Münsterer, Groß-Zimmerner oder Reinheimer waren unter den Amüsierwilligen. Fast alle haben Freunde oder Arbeitskollegen in Dieburg. Trotz der guten Stimmung vermissten vor allem ältere Besucher den klassischen Tanz in den Mai. „Der ist Remmi-Demmi-Veranstaltungen gewichen“, bedauerte eine Frau. Wie eine 57-Jährige erzählte, erlebte sie als Kind noch einen ganz anderen Start in den 1. Mai. Bei einer Nachtwanderung habe man Wald und Wiesen durchquert und unter dem Sternenhimmel auf den Mai gewartet. Remmi-Demmi sei auch hier Fehlanzeige gewesen: „Unterwegs haben wir gegessen, getrunken und fröhliche Lieder aus unserer Fibel gesungen.“

Für Tradition mit Schwung sorgte der DGB Dieburg mit Unterstützung der AWO gestern auf dem Marktplatz. Die „Disharmoniker“ sangen flotte Freiheits-, Friedens- und Arbeiterlieder. Eine Gruppe der „Power Dolphins“ aus Steinheim zeigte, was sie als Europameisterinnen im Gardetanz drauf haben. Die Band Start the Bus sorgte mit Musik für weiteren Schwung.

Die Mai-Rede kam von Karin Harder, der Verdi-Geschäftsführerin Südhessen. Sie zeigte sich stolz auf das von den Gewerkschaften Erreichte, forderte aber beispielsweise auch eine Rentenerhöhung. Der Kampf gegen die Altersarmut sei eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen, der man sich stellen müsse, sagte sie.

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