Heute Abend Thema im Parlament

Ausnahme? Treppenhaus für Flüchtlinge

Dieburg - Seit einem halben Jahr sind zwei Stockwerke des Schwesternwohnheims des St. Rochus Krankenhauses mit unbegleiteten minderjährigen Ausländern (umA) belegt.

Im Schwesternwohnheim am St. Rochus leben seit einem halben Jahr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. In der Mitte des Gebäudes soll ein Treppenhaus angebaut werden.

Betreut – über 24 Stunden – werden die ausschließlich männlichen Bewohner von Mitarbeitern des St. Josephshaus in Klein-Zimmern, die auch für die 30 jungen Flüchtlinge im ehemaligen Kapuzinerkloster Sorge tragen. Das St. Josephshaus hat als Mieter des Schwesternwohnheims jetzt beantragt, an das Gebäude ein festes Treppenhaus anbauen zu dürfen. Ansonsten würde die erteilte Ausnahmegenehmigung für den Betrieb erlöschen, so der beauftragte Architekt Michael Dascher (Groß-Zimmern) kürzlich im Ausschuss für Infrastruktur und Umwelt. Die derzeit dort angebrachte mobile Gerüsttreppe entspräche nicht den Anforderungen für einen zweiten Rettungsweg. „Zudem ist die Miete für die Gerüsttreppe – auf fünf Jahre angelegt – teurer als ein Anbau. Und die Optik eines Treppenhauses wäre auch besser“, sagte er.

Auch Frank Wiedenmann vom St. Josephshaus – als Koordinator ist der Diplom-Sozialarbeiter derzeit für 110 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus der Stadt Darmstadt und dem Landkreis zuständig – nahm im Ausschuss dazu Stellung. „Unsere Planungen gehen derzeit auf fünf Jahre“, sagte er. Von einem Provisorium wolle man zu einer dauerhaften Betreuungseinrichtung kommen. Wiedenmann glaubt nicht, dass derartige Einrichtungen bald überflüssig würden, auch wenn die Zahlen derzeit zurückgingen. Momentan gehe man von einer Verweildauer von zweieinhalb bis drei Jahren in den Betreuungseinrichtungen aus. Dabei stehen Schule und Ausbildung im Mittelpunkt, danach müsse man sich um Wohnungen kümmern. „Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Arbeitsstelle behalte“, sagte er. „Wenn wir von Seiten der Stadt her dürfen, bleiben wir gerne.“

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

Am Standort Kratzengasse gehe es vor allem darum, den Krankenhausbetrieb, der ja als ambulantes OP-Zentrum weitergehe, nicht zu stören. Das Treppenhaus würde da Erleichterung bringen, denn die – naturgemäß temperamentvollen – Jugendlichen würden sonst das innere Treppenhaus benutzen. Nicht allen Ausschussmitgliedern gefiel ein möglicher Anbau am Schwesternwohnheim, der einen Meter weiter als die Balkone in den öffentlichen Raum ragen würde. So stimmte zwar die Mehrheit für eine Ausnahmegenehmigung von der Veränderungssperre, die die Stadt für das Krankenhausareal erlassen hat. Zwei Parlamentarier stimmten aber auch dagegen.

Heute wird in der Stadtverordnetenversammlung, die um 19.30 Uhr im Rathaus beginnt, über die Ausnahmegenehmigung abschließend abgestimmt. Spannung ist aber auch ansonsten gegeben: Bürgermeister Dr. Werner Thomas bringt den Haushalt für 2017 ein.

Rubriklistenbild: © Hager

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