Ausstellung "Sehnsucht nach Weihnachten" im Museum Schloss Fechenbach

Russische Melancholie

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Alles fertig, alles gut ausgeleuchtet: Museumsleiterin Maria Porzenheim (von links), Dr. Maria A. Marchenko-Mari, Maler Piotr Konnikov und die Schwester des Künstlers.

Dieburg - Melancholische Harlekins reiten auf Schaukelpferden aus Pappe, ein Pierrot legt müde seinen Kopf auf den Tisch und betrachtet den kegelförmigen Weihnachtsbaum, während geflügelte Köpfe durch die Gassen von St. Petersburg schweben. Von Lisa Hager 

Die neue Kunstausstellung im Museum Schloss Fechenbach trägt zwar den Titel „Sehnsucht nach Weihnachten“ hat aber mit den üblichen zuckergusssüßen Steretypen rund ums liebste fest der Deutschen nicht viel gemeinsam. Die Grundstimmung dieser Weihnacht des Malers Piotr Konnikov ist eher eine träumerische Melancholie, vom lieblich-kitschigen Glöckchengebimmel einer westlichen Konsum-Weihnacht ist er meilenweit entfernt.

Weihnachtsgefühl ohne Kitsch

Es scheint eher zufällig, dass das Weihnachtsthema Einzug in die großformatigen Werke des St. Petersburger Romantikers gefunden hat. Konnikov jedoch glaubt aufgrund seiner durchaus auch fatalistischen Einstellung seit langem nicht mehr an Zufälle. Das helle Weihnachtsgefühl fand laut dem Maler Einzug in sein Leben, als er 1976 in einem Haus in Moskau eine Schwarzweißfotografie fand. Die Aufnahme mit musizierenden Kindern unter einem prächtigen Weihnachtsbaum wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gemacht – in eben diesem Zimmer, das er als Student der Surikov-Kunsthochschule mietete. Der junge Maler, der aus der provinziellen alten russischen Stadt Jaroslawl nach Moskau gekommen war, empfand diese Szene als seltsames Echo literarischen Lebens. Fast schien es, als wären die Charaktere aus Romanen in jenem Zimmer mit den dunkelblauen Tapeten wieder aufgelebt.

Träume werden lebendig

Träume machen einen großen Teil von Konnikovs Werken aus. Seine Bilder sind besiedelt von Pierrots, Kolombinen und Musikern, von Puppen und Reitern auf Schaukelpferden. Sie existieren in seltsamen, fast leeren Zimmern, platziert wie auf erleuchteten Bühnen. Das ewige Thema „Welt als Theater“ wird vom Maler variantenreich auf Leinwand gebannt, mal als Groteske, bald schon als Monolog über die Liebe und ein anderes Mal als Erinnerung an die Kindheit. Heute lebt Konnikov in der geheimnisvollen Stadt Sankt Petersburg – übrigens der Ort, an dem der erste Weihnachtsbaum Russlands aufgestellt wurde.

Mit der festlichen und auch weihnachtlichen Eröffnung der Sonderausstellung „Sehnsucht nach Weihnachten“ am Freitag, 12. Dezember, in Museum Schloss Fechenbach kann man sich auf die bevorstehenden Feiertage auf ganz besondere Weise einstimmen. Bis ins neue Jahr, bis zum 12. Februar, präsentiert Konnikov seine großformatigen Arbeiten. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Dr. Maria A. Marchenko-Mari aus Sankt Petersburg, die – verheiratet mit einem Deutschen – seit drei Jahren in Dieburg lebt. Sie hatte die Idee zu der Ausstellung und trug sie vor rund acht Monaten Bürgermeister Dr. Werner Thomas vor. „Da bin ich auf offene Ohren gestoßen“, zeigt sie sich begeistert über das unbürokratische Vorgehen.

Spielzeug aus St. Petersburg

In einer Vitrine sind auch Objekte aus dem Spielzeugmuseum von St. Petersburg zu sehen. Darunter auch Baumschmuck aus der Musikerfamilie Schostakowitsch. „Zwischen St. Petersburg und Hessen gab es immer schon besondere Beziehungen“, zeigt Marchenko-Mari auf die Historie. Schließlich gab es familiäre Verbindungen zwischen dem Großherzoglichen Haus in Darmstadt und dem Zarenhaus der Romanows.

‹ Stimmungsvolle Eröffnung ist am Freitag, 12. Dezember, um 19 Uhr. Es spricht die Ausstellungskuratorin Maria A. Marchenko-Mari. Zum Begleitprogramm siehe weitere Artikel auf dieser Seite.

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